Künstliche Intelligenz
Missing Link: Die Bewährungsprobe kommt erst noch
Jahrelang wurde darüber diskutiert, vor einem Jahr wurde es dann – überraschend – doch eingeführt: das Digitalministerium. Genauer gesagt das „Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung“ – was auch schon einen Hinweis darauf gibt, wie das Haus angelegt wurde. Doch was steht nach einem Jahr auf der Habenseite, wo ist die Merz-Regierung digitalpolitisch im Soll?
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Als der Bundeskanzler Friedrich Merz vor fast einem Jahr Karsten Wildberger aus dem Hut zauberte, fragte sich ein Großteil der Berliner Journalisten: Wer? Wildberger war Chef von Ceconomy, dem Konzern hinter den Marken Saturn und Mediamarkt. Ein Elektronikhändler mit Filialbetrieb und Onlineshop. Kann so einer Bundespolitik? Ein Manager im Ministerium?
Eines lässt sich nach einem Jahr konstatieren: Karsten Wildberger ist bislang nicht gescheitert. Er trat in die CDU ein, hielt sich zu Beginn tapfer an seinen Manuskripten fest, die ihm im Ministerium geschrieben wurden und die er an den Wochenenden im glasfaserlosen Zuhause weiter bearbeitete. Fleißig und ambitioniert, das ist das Wortpaar, was aus seinem Umfeld, von Koalitions- und auch von Oppositionspolitikern immer wieder fällt. Er ist anders als die meisten Minister der schwarz-roten Bundesregierung. Wildberger ist, und meist ist das positiv gemeint, tief in den Themen.
Als langjähriger Manager der Telekombranche ist er mit vielen Details vertraut, über die vorher für Glasfaser und Mobilfunk zuständige Minister lange Unterlagen vorgelegt bekamen, und am Ende nicht immer alles verstanden hatten. Und auch bei anderen Zuständigkeiten, etwa bei Datennutzung und KI, ist der gelernte Physiker tiefer im Film als alle zuvor damit befassten Minister. Und bei agentischer KI, da leuchten die Augen des Ministers, wenn er ins Erzählen kommt, wie er damit herumexperimentiert und was KI für die Menschheit bedeuten wird.
Deshalb läuft es nun, so erzählen es Menschen aus seinem neu zusammengesetzten Ministerium, eben andersherum: Der Minister fordert bei der Fachebene weitere Informationen ab, definiert höchstselbst Zeitpläne, Featurerequests, Key Performance Indicators. Wenn Wildberger „KPI“ sagt, dann klingt das nicht wie von einer Beraterfolie abgelesen. Wildberger meint messbare Erfolge. Er ist ein Mensch, der in Produktprozessen denkt. Und wenn das heißt, dass der Minister mit dem zuständigen Referenten den Sachstand besprechen will, dann ist auch das bei Wildberger Normalität. Aus Beamtenkreisen heißt es, dass Wildberger mit langen Berichtslinien nichts anfangen kann. Beispielhaft können die wie folgt ablaufen: Der Referent schreibt dem Referatsleiter den Sachstand, dieser wird dem Unterabteilungsleiter zur Weiterleitung an den Abteilungsleiter gegeben. Jener legt das Schreiben dem Staatssekretär vor, und dann, wenn es für relevant genug erachtet wird, wird der Sachstand auch dem Minister nach dem Stille-Post-Prinzip kondensiert zur Kenntnis gebracht.
Deutschlands Chief Product Officer
Wildberger hat derzeit einen entscheidenden Vorteil: Er ist der Mann, der dem Rest des Kabinetts Schmerzen ersparen soll. Dass er selbst sein Ministerium nicht als „bad bank“ sieht, also als die Zwischen- oder Endlagerstätte für gescheiterte Projekte, hat Wildberger von vornherein klargemacht. Er hat die Flucht nach vorn angetreten, versteht sich als Chief Product Officer: der Mann, der konkrete Versprechungen macht, wann die digitale Brieftasche kommt: am 02. Januar 2027.
Wildberger ist inzwischen der Mann, der definiert, was sie leisten können muss. Auch gegen starke Bedenken. Und der mit der Bürger-App den Zugang zu Verwaltungsdienstleistungen neu schaffen will. Der Staat soll spürbar digitaler werden, Wildberger will Prozesse nicht erst mühsam einzeln verändern, sondern sie erst einmal per KI-Unterstützung für Bürger und Unternehmen benutzbarer machen. Denn das geht schneller als die vielen zähen Schritte wie Registermodernisierung, NOOTS-Staatsvertrag, Deutschland-Stack und die anderen einzelnen Bausteine für den für Bürger unsichtbaren Teil unter der digitalen Staatshaube überhaupt vorankommen können.
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Wildberger muss hingegen schnell performen. Und setzt Teile der Korrektive außer Kraft, die in Ministerien normalerweise wirken. Was langsam und behäbig ist, hat zwar längst nicht immer einen Grund. Aber häufig erspart es hinterher eine Menge Ärger, wenn aus unterschiedlichen Perspektiven gründlich auf Probleme geschaut wurde – auch wenn es nervig ist. Doch für Bedenken findet Wildberger nur wenig Zeit.
Scheitern ist eine Option
Der Minister macht sich damit angreifbar. So wie er es von anderen fordert, gilt auch für ihn: Seine Erfolge müssen kommen. Sie müssen messbar sein und vor allem, so betonen es die Spitzen von CDU, CSU und SPD immer wieder, sollen die Reformen spürbar sein. Und zwar nicht nur im negativen, sondern auch im positiven Sinne. Und das soll Wildberger leisten, findet Friedrich Merz, der laut einer ministeriumsinternen Ankündigung zur Geburtstagsparty Anfang Mai erwartet wird. Wildberger ist auch ein Jahr nach dem Start der Mann des Kanzlers im Amt. Dass der Politikneuling scheitert, ist dabei alles andere als ausgeschlossen.
Denn jedes seiner Projekte kann vor die Wand fahren. Die Nervosität ist den Beteiligten anzumerken. Der Minister drängelt, die Technik muss liefern. Und eine Gewissheit steht im Raum: bei den Vorhaben, die direkt die Bürger betreffen – allen voran digitale Brieftasche und Verwaltungsplattform – ist das Abliefern unausgereifter Bananensoftware keine Option. Ein Schuss pro Projekt. Und sitzt dieser nicht, werden Karrieren enden, Behörden Kompetenzen verlieren, Unternehmen Aufträge.
Der Digitalisierungsminister
Versteht man Digitalpolitik als Daten, KI, digitale Infrastrukturen, Rechenzentren und Verwaltungsmodernisierung, dann ist Wildberger ein nach wie vor ungewöhnlicher Minister, aber im Job angekommen. Er leitet seine staatliche Produktagentur so, wie er es für richtig hält. Der Migrationsprozess von Kupfer-DSL zu Glasfaser? Als das Ministerium in dem komplexen Kontext seine Ideen eigentlich finalisiert hatte, hatte der Minister ein paar Ergänzungen, die noch nicht abgesprochen waren. Dass er nun nach weniger als einem Jahr vor wenigen Tagen seine Staatssekretärin vor die Tür setzte, wurde vor allem als Zeichen nach innen gedeutet: Verbindliche Freundlichkeit sei nicht mit Laissez-faire zu verwechseln.
Begreift man das Digitalministerium jedoch auch als politischen Gestaltungsort, an dem die Grundzüge definiert werden, wie die Gesellschaft künftig in der Digitalisierung miteinander und füreinander agieren soll, dann fällt eines auf: Wildberger fühlt sich mit diesen Debatten nicht wirklich wohl. Dieser Teil von Politik ist ihm fremd, für ihn geht es um Ratio und Wahrscheinlichkeit. Digitale Souveränität? Keine theoretische Frage, sondern eine konkreter Fähigkeiten, die mit marktwirtschaftlichen Mitteln und staatlichen Anreizen herbeizuführen ist.
Man kann dem Minister beim Denken förmlich zuschauen, wenn es in ihm arbeitet und er hin und wieder beim Sprechen stolpert, weil er schon wieder einen halben Gedanken weiter war, als die Zunge es zuließ. Vorratsdatenspeicherung? Er hat da nichts gegen einzuwenden, für ihn ergibt das Sinn. Chatkontrolle und Inhaltedurchsuchung? Verschlüsselung brechen wäre nicht sinnvoll, aber am Kinderschutz wolle er keine Abstriche machen. Und es gehe ja auch nicht um ein allgemeines Brechen von Verschlüsselung. Datenschutz? Der sei wichtig, betont er immer wieder. Ob das aber informationelle Selbstbestimmung des Einzelnen heißt oder eher eine bessere Datensicherheit?
In den vergangenen Monaten betonte Wildberger immer lauter, dass es bei der Datennutzung vor allem um Industriedaten gehen müsse, die gar nicht personenbezogen seien. Aber wenn es um die EUDI-Wallet geht, seinen Liefernachweis, sind viele Bedenken für ihn fehl am Platze. Und in Brüssel wundern sich Politiker über die neuen Positionen der Bundesrepublik. Dass Wildberger auch für den Digital Services Act mit zuständig ist, für viele weitere Aspekte der Digitalisierung eine politische Rolle hat: derzeit ist das nachrangig. Für Wildberger heißt Digitalpolitik derzeit primär Digitalisierungspolitik und KI. Für den Staat und für die Wirtschaft und dadurch für die Gesellschaft.
Und zwar möglichst handfeste Politik, mit Ergebnissen. Weshalb es falsch wäre, bei Wildbergers Aufgabe nach einem Jahr Schwarz-Rot nur auf ihn zu schauen. Seine Digitalpolitik ist bislang kein großer Streitpunkt – obwohl es dazu gute Gründe gäbe.
Künstliche Intelligenz
Medizintechnik zwischen Innovation und Regulierung auf der MedConf 2026
Die MedConf by heise ist wie wichtigste deutschsprachige Konferenz für Software- und Geräteentwicklung in der Medizintechnik. Experten aus Forschung und Entwicklung informieren hier über aktuelle Entwicklungen und präsentieren praxisnahe Lösungen für aktuelle Herausforderungen der Medizintechnik im Spannungsfeld zwischen Innovation, Security und Regulierung. Über 75 Vorträge und Keynotes an drei Tagen behandeln Usability in der Medizintechnik, Geräteentwicklung, Software-Engineering, KI in der Medizintechnik, Safety und Security, Normen und Richtlinien sowie Agilität.
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So erklärt Martin Tettke, Leiter der Zertifizierstelle für Medizinprodukte Berlin Cert, in seiner Keynote, wie Unternehmen die steigenden Cybersecurity-Anforderungen umsetzen können. Anne Kramer, Spezialistin für Softwarequalität, spricht über Risiken von KI im Entwicklungsprozess. Sven Wittorf, Mitautor der VDI-Richtlinien zur Medizintechnik, zeigt, wie der Spagat zwischen Gesetzeskonformität und den damit verbundenen Dokumentationspflichten und gutem Engineering gelingt.
Eine Besonderheit der Konferenz sind die neun 100-minütigen Intensiv-Coachings in kleinen Gruppen mit ausgesuchten Experten. Themen sind unter anderem Threat Modeling für Medizingeräte, Compliance by Design als Entwicklungsprinzip, Automatisierung im Ingenieurswesen und KI als Dokumentationshilfe. Teilnehmer erhalten Zertifikate für die absolvierten Coachings.
Die MedConf by heise findet vom 19. bis 21. Mai 2026 in München-Unterhaching statt. Neben den Vorträgen und Coachings bietet die MedConf eine Partnerausstellung mit Branchenunternehmen.
(odi)
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Sportwagenhersteller Porsche meldet Gewinnrückgang und Neuausrichtung
Der Sportwagenhersteller Porsche gibt weiter abwärts weisende Geschäftsergebnisse bekannt: Im ersten Vierteljahr 2026 sank sein Gewinn nach Steuern um 24,6 Prozent auf 391 Millionen Euro. Im Jahresvergleich stand im Vorjahr ein Überschuss von 518 Millionen Euro in den Büchern.
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Mit einem operativen Konzernergebnis von 595 Millionen Euro statt der im Vorjahr erwirtschafteten 762 Millionen Euro liegt Porsche dabei laut seiner Pressemitteilung Angabe im Rahmen der eigenen Einschätzung. Der Umsatz ging von Januar bis März im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,2 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro zurück. Dass das Unternehmen dabei immer noch eine positive Umsatzrendite von 7,1 Prozent erreichen konnte, schreibt es unter anderem seiner Haltung zu, Qualität über Quantität zu stellen.
Weniger Elektroautos – höhere Marge
Tatsächlich hat Porsche im ersten Vierteljahr mit 60.991 etwas weniger Autos verkauft als die 71.470 im ersten Quartal 2025. Den Rückgang um immerhin 15 Prozent erklärte die Geschäftsleitung vor allem mit dem Produktionsende für seine Modelle Cayman und Boxster mit Verbrenner und die Rücknahme der E-Auto-Förderung auf seinem wichtigen Markt USA. Der Anteil batterieelektrischer Autos sank von 25,9 auf 19,8 Prozent im Jahresvergleich. Die Netto-Cashflow-Marge konnte Porsche bei seinen Autos von 2,5 auf 7 Prozent schrauben.
Die Marke mit einer tiefen Verwurzelung im Volkswagen-Konzern, immerhin hat Porsche ab 1934 als Ingenieursdienstleister den VW (KdF-Wagen) konstruiert, bevor er nach dem Krieg seine Sportwagenproduktion aufbaute, will den aktuellen Turbulenzen mit einer Neuausrichtung begegnen. Die sogenannte „Strategie 2035“ soll im Herbst vorgestellt werden.
Mehr über Porsche
(fpi)
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Top 10: Bestes Smartphone bis 400 Euro im Test – Motorola vor Nothing und Realme
Nothing Phone 4a
Dieses Smartphone ist ein echter Hingucker: Mit dem Nothing Phone 4a bleibt der Hersteller sich treu beim extravaganten Design und überarbeitet primär die Telelinse.
- tolle Triple-Kamera
- extravagantes Design
- praktische Glyph-Bar
- Essential-Taste mit neuer Position
- nicht komplett wasserdicht
- mittelmäßige Performance
- nur USB-C 2.0
- keine eSIM
Nothing Phone 4a im Test: Smartphone mit Periskop-Tele schon ab 349 Euro
Dieses Smartphone ist ein echter Hingucker: Mit dem Nothing Phone 4a bleibt der Hersteller sich treu beim extravaganten Design und überarbeitet primär die Telelinse.
Retro-Futurismus trifft wieder auf industriellen Charme. Geht es um Smartphones mit Wiedererkennungswert dank exzentrischem Design, hat man ein Nothing Phone vor sich. Auch dieses Jahr gibt es wieder ein Update der leicht abgespeckten A-Reihe der Macher rund um Carl Pei.
Das neue Nothing Phone 4a ist der preislich günstigere Einstieg in die Nothing-Welt – bekommt aber ein starkes Upgrade bei der Kamera: Erstmals gibt es sogar eine Periskop-Telelinse, wie sie letztes Jahr noch dem Pro-Modell vorbehalten war. Auch die Essential-Taste sitzt jetzt dort, wo sie seltener stört – und die Lampen auf der Rückseite wurden ebenfalls überarbeitet.
Wie gut sich das schicke Smartphone im Alltag schlägt, klärt dieser Testbericht.
Design
Ein auffälliger Look ist vielleicht das wesentlichste Merkmal der Produkte von Nothing – und das Nothing Phone 4a macht da keine Ausnahme. Wie schon beim Vorgänger Nothing Phone 3a setzt der Hersteller auf eine Design-Sprache, die an Science-Fiction-Filme der 80er-Jahre erinnert: Die raue, industrielle Ästhetik weckt Assoziationen an Battlestar Galactica.
Unter einer transparenten Glasfläche auf der Rückseite treffen unterschiedlich getönte Kunststoffe aufeinander, dazwischen schimmern kleine Metallelemente hervor, die entfernt an Computerplatinen erinnern. Dieses bewusste Spiel mit dem Verborgenen bleibt unverwechselbares Markenzeichen des Herstellers. Neu beim 4a: Der Rahmen besteht weiter aus Kunststoff.
Die Kamera sitzt erneut mittig auf der Rückseite, wie schon beim Nothing Phone 3a. Allerdings ist eine der Linsen dieses Mal räumlich klar von den beiden anderen Objektiven getrennt. Um die Kameramodule herum setzt Nothing zusätzlich Aluminium als Verstärkung ein. Laut Hersteller soll die Anordnung auf der Rückseite an eine Eule erinnern – auf den ersten Blick erschließt sich das nicht unbedingt, aber das liegt letztlich im Auge des Betrachters.
Eine weitere große Neuerung betrifft die Beleuchtung auf der Rückseite: Hier kommt erstmals die sogenannte Glyph-Bar zum Einsatz. Dabei handelt es sich um einen Balken aus mehreren vertikal angeordneten Rechtecken mit LED-Leuchten in sechs Zonen. Sie ersetzt die beiden halbkreisförmig angeordneten Leuchten des Nothing Phone 3a. Nutzt man sie etwa als Glyph-Timer, füllt sich der Balken kontinuierlich, je näher das Ende des Countdowns rückt. Ebenso signalisiert sie eingehende Anrufe oder Benachrichtigungen – dezent, aber unübersehbar.
Mit Abmessungen von 163,9 × 77,5 × 8,5 mm und einem Gewicht von 205 g bewegt sich das Phone 4a in Flagship-Dimensionen. Einhandbedienung ist mit diesem wuchtigen Gerät kaum komfortabel möglich.
Die Zertifizierung nach IP64 bedeutet: Das Gerät ist erneut nur spritzwasserfest, aber nicht wasserdicht. Einen höheren Schutzgrad schließt Nothing aufgrund der transparenten Glasrückseite aus Kostengründen aus. Immerhin soll das Gerät laut Hersteller aber rund 20 Minuten in 25 cm Wassertiefe unbeschadet überstehen.
Ein kleines, aber willkommenes Detail: Die Essential-Taste hat eine neue Position bekommen. Beim Vorgänger Nothing Phone 3a sorgte ihre ungünstige Platzierung häufig für versehentliches Auslösen. Beim Nothing Phone 4a wandert sie auf die gegenüberliegende Seite nach oben, wo sie im Alltag deutlich weniger stört.
Display
Der Bildschirm des Nothing Phone 4a setzt auf ein AMOLED-Panel mit einer üppigen Diagonale von 6,78 Zoll – an Bildschirmfläche mangelt es also nicht. Die Auflösung von 2720 × 1224 Pixeln bei einer Pixeldichte von 440 PPI sorgt für eine messerscharfe Darstellung.
Die Bildwiederholrate beträgt maximal 120 Hz. Ab Werk ist der Modus „Dynamisch“ voreingestellt: Dann regelt das Handy automatisch zwischen 30 und 120 Hz. Alternativ lässt sich die Rate permanent auf 120 Hz fixieren – was allerdings zulasten der Akkulaufzeit geht – oder auf konstante 60 Hz begrenzen.
Die Bildqualität ist tadellos, die Blickwinkel stets stabil. Auch im Freien lässt sich die Anzeige gut ablesen: Zwar liegt die typische Display-Helligkeit bei nur rund 800 Nits, bei Bedarf kann die automatische Helligkeitsanpassung jedoch vollflächig auf bis zu 1600 Nits und punktuell sogar auf bis zu 4500 Nits hochschnellen. In der Praxis ist das Display auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesbar – auch wenn das recht starke Spiegeln hier ein kleiner Störfaktor ist.
Kamera
An den reinen Megapixeln hat sich im Vergleich zum Vorgänger nichts getan: Die Hauptkamera löst mit 50 Megapixeln auf und bringt einen optischen Bildstabilisator mit. Der Sensor stammt von Samsung. Dazu kommt eine Ultraweitwinkellinse mit 8 Megapixeln, ebenfalls von Samsung. Für Selfies steht eine 32-Megapixel-Frontkamera bereit.
Das eigentliche Upgrade steckt in der Telelinse: Hier setzt Nothing erstmals auf ein echtes Periskop-Teleobjektiv mit 50 Megapixeln Auflösung. Die Zoomstufe wurde im Vergleich zum Vorgänger deutlich verbessert und bietet jetzt einen optischen Zoom mit 3,5-fachem Faktor.
Für die Preisklasse liefert das Nothing Phone 4a erstaunlich gute Aufnahmen für den Preis. Die Hauptkamera überzeugt bei Tageslicht mit breitem Dynamikumfang, lebendigen Farben, hoher Bildschärfe und ausgeprägten Details. Auch bei Dunkelheit hellt die Kamera Motive gekonnt auf – das Ergebnis kann sich sehen lassen, auch wenn die Schärfe hier bisweilen leicht nachlässt im Vergleich zu Tageslichtaufnahmen oder teureren Flagship-Smartphones.
Der eigentliche Star des Nothing Phone 4a ist aber die Periskop-Telelinse. Bei 3,5-facher Vergrößerung liefert sie verlustfreie Aufnahmen mit abgestimmten Farben, gutem Dynamikumfang und ausgeprägten Details. Auch bei 7-fachem Zoom gibt es kaum sichtbare Einbußen, bei 30-fach hält sich der Pixelbrei noch in Grenzen – und selbst bei 70-fach erkennt man zumindest grob, was man vor der Linse hat. Beeindruckend: Auch bei Dunkelheit liefert das Tele noch verlässliche Ergebnisse und nähert sich damit dem Niveau deutlich teurerer Smartphones.
Etwas abgeschlagen zeigt sich die Ultraweitwinkellinse. Bei ihrer geringen Auflösung schwächelt sie zumindest bei Dunkelheit deutlich. Einen dedizierten Makromodus gibt es nicht – Nahaufnahmen macht man mit der Hauptkamera. Wer weiter weg stehende Motive nah heranholen will, greift wiederum zur Telelinse. Für Foto-Enthusiasten bietet Nothing zudem zahlreiche Presets und Filter für Retro-Effekte in Instagram-Manier.
Selfies gelingen ebenfalls mit naturgetreuer Farbgebung, ausgeprägten Bilddetails und hoher Bildschärfe. Im Porträtmodus legt sich das Bokeh sauber um das Profil. Bei den Videoclips wirken die Farben etwas blasser als bei Fotos, die Stabilisierung ist jedoch weitgehend gelungen. Ein kleines Manko: Videos nimmt das 4a nur in 4K mit 30 FPS auf. Wer 60 FPS möchte, muss sich mit Full-HD begnügen.
Nothing Phone 4a – Originalaufnahmen
Ausstattung
Unter der Haube werkelt der Qualcomm Snapdragon 7s Gen 4 (SM7635-AC). Das Mittelklasse-SoC schlägt sich im Alltag wacker – E-Mails, Social Media, Multitasking: alles kein Problem. Für den Alltag reicht das locker. Wer allerdings beim Zocken mit höchsten Grafikeinstellungen liebäugelt, sollte besser zu einem anderen Smartphone greifen.
Die Benchmarks bestätigen den Eindruck: Bei PCMark Work landen wir bei rund 11.600 Punkten – ordentlich, aber kein Grund zum Angeben. Bei 3DMark Wild Life Extreme sind es etwas magere 1100 Punkte.
Los geht es mit 128 GB und 8 GB RAM, die 256-GB-Variante gibt es wahlweise mit 8 GB oder großzügigen 12 GB Arbeitsspeicher. Als Speicherstandard dient UFS 3.1 – flott genug für schnelle App-Starts und zügige Dateiübertragungen. Den rasanteren UFS-4.0-Standard gibt es derzeit nur in deutlich teureren Flaggschiffen.
Auf der Konnektivitätsseite gibt sich das Phone 4a zeitgemäß: 5G für unterwegs, Wi-Fi 6 für daheim, Bluetooth 5.4 und NFC. Die Nutzung einer eSIM ist beim 4a aber nicht möglich, das ist dem Pro-Modell vorbehalten. Ein weiterer Wermutstropfen: Über den USB-C-Anschluss wandern Daten nur per USB 2.0 – wer große Dateien per Kabel übertragen will, benötigt also etwas Geduld. In dieser Preisklasse ist das allerdings auch 2026 noch ziemlich üblich. Die Ortung arbeitet erfreulich präzise mit rund drei Metern Genauigkeit über GPS, Glonass, Beidou, Galileo und QZSS.
Die Essential-Taste sitzt, wie eingangs erwähnt, links oben. Kurzes Drücken erstellt eine Notiz oder speichert einen Screenshot, längeres Drücken startet eine Audioaufnahme, Doppeldruck öffnet den Essential Space. Nette Idee – der Alltagsnutzen hält sich bislang aber in Grenzen.
Der Fingerabdrucksensor unter dem Display macht einen verlässlichen Job. Und auch beim Sound gibt es wenig zu meckern: klarer Klang, solides Volumen, selbst bei hohem Pegel weitgehend verzerrungsfrei.
Software
Nothing liefert das 4a mit Android 16 aus. Als Bedienoberfläche kommt Nothing OS 4.1 zum Einsatz – erfrischend minimalistisch im Design, auf Wunsch aber auch gegen den gewohnten Android-Look austauschbar. Ansonsten erinnert die Oberfläche stark an Stock-Android. Einen Nachteil hat der Look allerdings: So cool er auch aussieht, im Dickicht der dunklen Icons im Comic-Stil wirkt die Oberfläche stellenweise etwas unübersichtlich.
Software-Updates gibt es jetzt für drei Jahre – also bis Android 19. Sicherheitspatches liefert Nothing sogar bis zu sechs Jahre lang. Andere Mitbewerber sind hier stärker aufgestellt, es ist aber ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung.
Mit Bloatware hält sich Nothing erfreulich zurück – generell schwebt dem Hersteller langfristig eine möglichst App-freie Nutzung der Mobilgeräte vor. Viele Funktionen sind bereits fest integriert: etwa der Glyph-Timer als Alternative zum üblichen Countdown oder Essential Voice, das Spracheingaben direkt in Text umwandelt.
Für Bastler interessant ist der Nothing Playground: Über ein Webtool am Laptop lassen sich eigene Widgets und kleine Web-Apps erstellen – Nothing nennt sie „Essential Apps“. In einer Art Baukasten beschreibt man per Prompt, was die Mini-App können soll. Das Ganze befindet sich allerdings noch in der Beta-Phase.
Weitere Software-Features sind in Planung – bei Verfügbarkeit werden wir diese ausprobieren und den Test entsprechend aktualisieren.
Akku
Der Akku fasst 5080 mAh – was mittlerweile gar nicht mehr so üppig dimensioniert klingt. In Kombination mit dem sparsamen Snapdragon-SoC entpuppt sich das Nothing Phone 4a überraschend als echter Ausdauerkönig: Bei PCMark Battery Test erreichen wir knapp 17,5 Stunden – deutlich länger als bei den meisten Konkurrenten.
Damit sollte das Smartphone locker zwei Tage ohne Steckdose durchhalten. Geladen wird mit bis zu 50 W per Kabel – das ist flott, wenn auch kein Rekord. Kabelloses Laden sucht man beim 4a allerdings vergeblich.
Preis
Das Modell mit 8/128 GB startet bei einer UVP von 348 Euro. Die Zwischenstufe mit 8/256 GB gibt es ab 389 Euro exklusiv bei Amazon. Das Top-Modell mit 12/256 GB schlägt mit rund 400 Euro zu Buche.
Bei den Farben hat Nothing die Wahl zwischen Weiß, Schwarz sowie Pink und Blau im transparenten Look. Allerdings sind derzeit nicht alle Farben in jeder Speicherkonfiguration erhältlich.
Fazit
Das Nothing Phone 4a wird wieder Blicke auf sich ziehen. Das Design ist zwar keine Revolution, sondern eine konsequente Weiterentwicklung des Vorgängers – im Einheitsbrei anderer Smartphone-Hersteller aber nach wie vor erfrischend anders. Die Glyph-Bar auf der Rückseite ist dabei mehr als Zierde: Als optischer Countdown oder für Benachrichtigungen erweist sie sich als praktisches Feature.
Die größte Stärke ist das Kamera-Setup. Für diesen Preis bekommt man eine richtig gute Kamera mit starker Periskop-Telelinse, die auch bei Dunkelheit überzeugt. Der Abstand zum teuren Flaggschiff? Gar nicht mehr so groß.
Die Performance ist solide, wenn auch nicht überragend – für alle Aufgaben des Alltags und Casual Gaming reicht das Nothing Phone 4a locker aus. Nur Hardcore-Gamer mit hohen Grafikansprüchen sollten sich anderweitig umschauen.
Das aufwendige Design hat allerdings seinen Preis: Der Wasserschutz fällt mit IP64 eher bescheiden aus – auch wenn Nothing betont, dass das Gerät zumindest 20 Minuten in 25 cm Wassertiefe überstehen soll.
Wer ein Smartphone sucht, das sich sichtbar von der Masse abhebt und starke Fotos inklusive gutem Zoom liefert, liegt beim Nothing Phone 4a richtig. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist bei diesem Handy schlicht grandios.
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