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Zukunft aus Herkunft: Der VfL Wolfsburg kehrt zum „Zinnen-W“ zurück – Design Tagebuch
Nach 24 Jahren verabschiedet sich der VfL Wolfsburg von seinem 2002 eingeführten Markenauftritt und kehrt zu seinem historischen „Zinnenwappen“ zurück. Der Relaunch, der am 9. Mai 2026 beim Heimspiel gegen den FC Bayern München offiziell vorgestellt wurde, markiert eine strategische Neuausrichtung unter dem Leitmotiv „Zukunft aus Herkunft“.
Der VfL Wolfsburg, offiziell Verein für Leibesübungen Wolfsburg e.V., wurde am 12. September 1945 gegründet und ist eng mit der Volkswagen AG verbunden. Die Fußballabteilung stieg 1997 in die Bundesliga auf, wurde 2009 Meister und gewann 2015 den DFB-Pokal. In der aktuellen Saison 2025/26 kämpft der VfL Wolfsburg mit 26 Punkten nach 33 Spielen um den Klassenerhalt. Wenige Tage vor Ablauf der Saison präsentiert die Vereinsführung ein neues visuelles Erscheinungsbild.
Das Rebranding sei das Ergebnis eines neunmonatigen, hoch-kollaborativen Prozesses, an dem Fans, Stadtvertreter und der Hauptsponsor Volkswagen beteiligt waren. Ziel war keine rein nostalgische Rückbesinnung, sondern die Schaffung einer „ganzheitlichen, vorwärtsgewandten Identität“, so der Klub. Das über mehrere Jahrzehnte verwendete Logo mit „Zinnen-W“, im Verein auch als „Zinnenwappen“ bezeichnet, fungiert künftig wieder, wenngleich in leicht modifizierter Form, als offizieller Absender des Vereins. Ergänzt wird das visuelle Erscheinungsbild / Markendesign des Klubs durch ein neu geschaffenes Brand Asset: ein Wolf-Emblem.
Auszug der Pressemeldung
„In Zeiten, in denen nichts mehr einfach und klar ist, werden Wahrzeichen immer wichtiger. Unser Wahrzeichen setzt dabei bewusst ein Signal für die Gemeinschaft der Menschen in der Region, die gemeinsame Verantwortung füreinander und ermöglicht eine beeindruckende Verbindung von Vergangenheit und Zukunft. Dazu ist rund um das Wappen ein Gestaltungssystem entstanden, welches die prägenden Stilelemente aus Zeichen, Farben und Schriften verbindet, die enge Beziehung von Werk, Stadt und Verein reflektiert und in der Nutzung moderne und situationsspezifische Anpassungen ermöglicht.“ – Michael Meeske, Geschäftsführer VfL Wolfsburg

Das neue visuelle Ökosystem setzt auf eine differenzierte Typografie. Die Hausschrift „VfL Fan“ basiert auf authentischen Stadion-Choreografien, während eine zweite Schriftart – eine Adaption der Volkswagen-Hausschrift – die traditionelle Nähe zum Werk dokumentiert. Die Farbwelt orientiert sich mit zwei Grüntönen an den klassischen Fahnenfarben Grün-Weiß-Grün.

Das im Jahr 2002 eingeführte hellgrüne Logo macht Platz für ein dunkelgrünes Signet mit traditionellem „Zinnen-W“. Dabei wurde die Form des „Zinnen-W“ dezent überarbeitet. Im Vergleich zur Ursprungsform, wie sie im Zeitraum 1953 bis 2002 vom Verein verwendet wurde, sind die Stämme des W, drei stilisierte Burgtürme samt Zinnen, etwas länger und die beiden Zwischenräume etwas größer.
Während im bisherigen Logo der umgebende hellgrüne Ring nach rechts oben geöffnet ist, ist dieser im neuen Vereinslogo, wie schon bei der Version aus dem Jahr 1953, wieder geschlossen. In der vorgestellten neu interpretierten Version ist der Abstand zwischen Zinnen-W und Ring etwas größer. „Digitale Optimierungen“ wie es seitens der Verantwortlichen heißt.
Auch wenn das Logo von Vereinsangehörigen und Fans als „Zinnenwappen“ bezeichnet wird, stellt dieses Zeichen kein Wappen im heraldischen Sinne dar, trotz seines historischen Bezugs. Vielmehr handelt es sich hierbei um ein modernes Signet, das der Markenkommunikation dient, eben um ein Logo.
Begleitet wurde der Prozess durch das Strategieberatungsunternehmen sasserathNOW. Das visuelle Erscheinungsbild entstand in Kooperation mit der Markenagentur Mutabor.
Die Umstellung auf das neue visuelle Erscheinungsbild werde schrittweise über einen Zeitraum von zwölf Monaten erfolgen. Während digitale Kanäle bereits aktualisiert wurden bzw. werden, folgen die Spielkleidungen sukzessive: Geplant ist, dass zur Saison 2027/2028 sämtliche Trikotsätze das neue Logo tragen werden.
Kommentar
Mit dem VfL Wolfsburg kehrt ein weiterer Fußballverein zu seinem früheren Vereinslogo zurück. Schon viele Klubs sind in den letzten Jahren diesen Weg gegangen, etwa Aston Villa (2024), Atlético Madrid (2023), VfB Stuttgart (2013), Eintracht Braunschweig (2012), Alemannia Aachen (2010) u.v.a..
Nicht nur Vereine, auch Sportmarken und andere Marken wie Pepsi, Burger King oder Reebok kehren im Zuge einer regelrechten „Rückbesinnungswelle“ zu ihren früheren Markenlogos zurück, versuchen auf diese Weise, die Marke zu emotionalisieren. In einer unübersichtlich und zunehmend laut/hektisch gewordenen (Medien)Welt sind es jene Zeichen und Logos, die über viele Jahrzehnte verwendet wurden, die heute dazu dienen, Vertrauen zu stiften. Menschen sehnen sich im hektischen Treiben nach Verlässlichkeit und Authentizität.
Im Gegensatz etwa zu Ajax Amsterdam kehrt der VfL Wolfsburg nicht bloß zu einem alten Logo zurück, übernimmt dieses nicht etwa eins zu eins. Vielmehr wurde entschieden, die Form des Logos dezent zu überarbeiten und dieses auf heutige Anforderungen hin anzupassen. Eine kluge Entscheidung.
Viele Vereine haben sich beim Versuch, das Logo zu überarbeiten, schon die Finger verbrannt. Dass eine behutsame Anpassung des Vereinslogos zum Zwecke der Verbesserung der Darstellungsqualität unter Einbindung von Fans und externen Beratern möglich ist, zeigt der VfL Wolfsburg.
Ein gelungener Prozess, wie ich meine, soweit man dies von außen sagen kann. In Detailfragen kann man sicherlich zu unterschiedlichen Ansichten kommen, etwa was die Ästhetik der „VfL-Fan“-Schrift betrifft. Insgesamt jedoch eine sinnvolle, optisch ansprechende evolutionäre Weiterentwicklung der visuellen Identität des Vereins.
Die Vorstellung erfolgt freilich zu einem maximal kritischen Zeitpunkt. Der mit dem Rebranding verbundene potenzielle Motivationsschub (Stärkung Wir-Gefühl, Identität) wäre wohl schon zu Beginn des Jahres hilfreich gewesen.
Mediengalerie
- VfL Wolfsburg Logo Evolution, Bildquelle: VfL Wolfsburg, Bildmontage: dt
- VfL Wolfsburg Branding Visual, Quelle: VfL Wolfsburg, Mutabor
- VfL Wolfsburg Branding Visual, Quelle: VfL Wolfsburg, Mutabor
- VfL Wolfsburg Branding Visual, Quelle: VfL Wolfsburg, Mutabor
- VfL Wolfsburg Branding Logo (2026), Quelle: VfL Wolfsburg, Mutabor
- VfL Wolfsburg Wolf, Quelle: VfL Wolfsburg
- VfL Wolfsburg Typo „VfL Fan“, Quelle: VfL Wolfsburg
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