Digital Business & Startups
Der nächste Milliardenmarkt für Startups: Kinderschutz im Internet
Fabian Westerheide ist Gründungspartner des KI-fokussierten Venture-Capital-Investors AI.FUND und investiert seit 2014 privat über Asgard Capital in KI-Unternehmen. Als Strategieberater für öffentliche und private Institutionen beschäftigt er sich mit der Frage, wie Künstliche Intelligenz in Organisationen ankommt – und warum sie dort oft scheitert. In diesem Beitrag teilt er seine wichtigsten Erkenntnisse aus zehn Jahren Gesprächen mit Mittelstand, Konzernen und Startups über digitale Transformation.
Stell dir vor, du lässt dein zehnjähriges Kind allein in einem Viertel spazieren, in dem Dealer, Prostituierte, radikale Prediger und Waffenhändler an jeder Ecke stehen. Du würdest es nicht tun. Niemals. Doch genau das tust du jeden Tag – sobald du deinem Kind ein Smartphone in die Hand drückst und es unbeaufsichtigt ins offene Internet entlässt.
Als Investor und Vater sehe ich hier eine gefährliche Diskrepanz. Wir reden seit Jahren über „KI Made in Europe“ und suchen nach der nächsten großen industriepolitischen Vision. Ich habe einen Vorschlag für dich, der nicht nach trockener Industriepolitik klingt – aber genau das ist: Kinderschutz als digitale Infrastruktur. Nicht als nette Filter-App, sondern als technologisches Fundament, das Ethik und Profit versöhnt.
Das Internet ist kein Spielplatz – es ist asymmetrische Kriegsführung
Digital Business & Startups
Zwei israelische Ex-Soldaten verkaufen Startup für fast 8 Milliarden
Zwei Ex-Soldaten bauen mit Armis ein Milliarden-Startup – und schützen damit die Geräte, die bisher niemand auf dem Schirm hatte.
Nicht im Startup-Inkubator, sondern in einer Eliteeinheit der israelischen Armee haben sich Yevgeny Dibrov und Nadir Izrael kennengelernt. Jahre später bauen sie ein Unternehmen, das ein Problem löst, das selbst große Konzerne lange übersehen haben: die Sicherheit ihrer wichtigsten Maschinen.
Fabrikroboter, Infusionspumpen, Überwachungskameras – genau die Geräte, von denen ganze Unternehmen abhängen, sind oft kaum geschützt. Mit Armis Security wollen Dibrov und Izrael das ändern. Das läuft so erfolgreich, dass ServiceNow, eine Cloud-Plattform zur Automatisierung von Geschäfts- und IT-Abläufen, Armis Security nun für 7,75 Milliarden US-Dollar übernommen hat.
Wie aus einer Militärfreundschaft ein Milliardenunternehmen wurde
Schon während ihrer Zeit in der Armee arbeiteten die beiden Gründer an einem geheimen Projekt, das mit dem israelischen Verteidigungspreis ausgezeichnet wurde. „Das war der erste Moment, in dem wir unsere Stärken in Teamwork unter extremem Druck entdeckt haben“, meint Izrael. Nach dem Militärdienst treffen sie sich dann wieder am Technion, dem israelischen MIT, wo sie gemeinsam Informatik studieren.
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Dibrov arbeitet nach dem Studium zuerst bei Adallom, einem Cloud-Security-Unternehmen, das später an Microsoft verkauft wurde. Als er hier 2015 mit potenziellen Kunden spricht, kommt er auf die Idee: „Wir saßen stundenlang mit Chief Security Officers, IT-Managern und Fabrik-Ingenieuren aus allen Branchen zusammen – von Tech über Fertigung bis Airlines“, erinnert sich Dybrov. „Wir wollten nicht die coolste Tech erfinden, sondern das größte Problem verstehen.“
Die größte Lücke sitzt nicht im Server – sondern in der Maschine
Was ihm dabei auffiel? Laptops und Server ließen sich mit Antiviren-Software schützen. Aber alles andere – Fabrikroboter, Infusionspumpen oder Überwachungskameras – blieben ungeschützt. Dies sei vielen CEOs nicht bewusst, dabei seien besonders diese Geräte oft sehr kritisch. „Was ist in einem Krankenhaus wichtiger als eine Infusionspumpe? Oder in einer Fabrik als ein Roboterarm?“, meinen Izrael und Dibrov zu Gründerszene.
Diese Blindheit in kritischen Umgebungen sei auch Hackern bekannt. Besonders staatliche Akteure aus Russland, Iran, Nordkorea oder China würden das Ausnutzen und wichtige Infrastruktur digital angreifen. „Die Attacken auf Versorgungsbetriebe, Industrie und Flughäfen nehmen stark zu“, warnt Dibrov. „Und es lohnt sich für Hacker: Diese Umgebungen bringen Geld.“
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Aus diesen Erkenntnissen entstand dann Armis Security. Die Gründer meinen dabei, sie würden auf einen riesigen Markt mit schwieriger Technik wetten. Der Vorteil: Dieser sei weit entfernt von dem, was Konkurrenz aus dem Silicon Valley schnell kopieren könnte. „Wir lieben Herausforderungen, die nicht mit 20 Entwicklern lösbar sind“, sagt Dibrov.
Das „Shazam für Maschinen“
Armis wolle das Problem lösen, ohne Software auf jedem Gerät installieren zu müssen. Dafür müsse man erstmal die einzelnen Schwachstellen identifizieren: „Stellt euch das Shazam für Maschinen vor“, erklärt Izrael. Shazam ist dabei eine App, die Musiktitel durch Zuhören erkennt.
Das System von Armis positioniere sich als Beobachter im Netzwerk von Firmen – ähnlich wie Shazam bei Musik. Dabei würde es den Datenverkehr aus Protokollen, Verhaltensmustern und Timing analysieren. Aus diesen Signalen entstehe dann ein digitaler Abdruck jedes Geräts. Aus diesem könne man ableiten, welche Software laufe und ob diese bekannte Schwachstellen habe. Auffälligkeiten, wie Kontakte zu russischen Servern, würden dann vom System kontrolliert werden.
„Innerhalb von Minuten sehen Kunden mehr, als sie je wussten“, sagt Izrael zu Gründerszene. „Plötzlich entdecken sie Geräte, die davor niemand kannte.“
Warum die Weltlage ihr Geschäft beschleunigt
Doch Armis bleibe nicht bei der Diagnose, sondern werde auch zum Therapeuten. Das System könne die Pfade nachzeichnen, die Hacker tatsächlich nutzen würden. Statt vieler isolierter Schwachstellen priorisiere es: „So können wir zum Beispiel die drei kritischsten Lücken, die 80 Prozent der Angriffe verursachen würden, schließen.“ Die Gründer meinen: „Die besten Angriffe sind die, die nie passieren.“
Die geopolitische Situation habe ihr Geschäftsmodell dabei gestärkt: Schon 2017 traf NotPetya, eine russische Cyberwaffe aus dem Ukraine-Krieg, Mondelez – einen frühen Armis-Kunden und Süßwarenkonzern. „Damals sagten die Chief Security Officers noch: ‚Staaten interessieren sich nicht für uns.‘ Heute wissen sie aber: Jeder ist ein Ziel.“
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+++ TensorFive +++ Christian Lindner +++ Leegle +++ Aleph Alpha +++ Startups To Watch +++ KI +++
#StartupTicker
+++ #StartupTicker +++ Startup der Woche: TensorFive +++ Ex-Finanzminister Christian Lindner investiert in Leegle +++ Cohere und Aleph Alpha gehen zusammen +++ Startups To Watch +++ 5 deutsche KI-Startups, die alle kennen sollten +++

Was gibt’s Neues? In unserem #StartupTicker liefern wir eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Startup-Nachrichten des Tages (Montag, 27. April).
#STARTUPLAND

STARTUPLAND: Founders. VCs. Visionaries
+++ Am 10. März 2027 findet im RheinEnergieStadion in Köln unsere vierte STARTUPLAND Conference statt. Es erwartet Euch wieder eine faszinierende Reise in die Startup-Szene – mit Vorträgen von erfolgreichen Gründer:innen, lehrreichen Interviews und Pitches, die begeistern. Mehr über STARTUPLAND
#STARTUPTICKER
TensorFive
+++ Die Jungfirma TensorFive ist unser Startup der Woche! Die frische Firma aus Mainz, von Jonas Bayer, Christian Betz und Patrick Wagner gegründet, bietet KI-Lösungen, “die DSGVO-konform mit dem internen Wissen eines Unternehmens arbeiten”. “Damit lassen sich Prozesse effizienter gestalten, Wissen besser nutzen und Kosten senken“, führt das Startup aus.Mehr neue Startup gibt’s in unserem Startup-Radar
Christian Lindner
+++ Der gelbe Engel in Aktion! Der ehemalige Finanzminister Christian Lindner (FDP) geht – wie angekündigt – unter die Business Angels. Das erste öffentlich bekannte Startup-Investment von Lindner nach seinem Ausscheiden aus der Bundespolitik hört auf den Namen Leegle. Das Münchner LegalTech, 2022 von Anne Greul, Patrick Tu und Sebastian Wagner als Moonblock gegründet, positioniert sich als „Regulatory & Compliance Operating System für Produkthersteller“. Zur Idee schreibt das Team: „Die KI-Plattform übersetzt regulatorische Komplexität in klare, ausführbare Maßnahmen: für jedes Produkt, jeden Markt, jede Regulierung“. Business Angels wie Leon Szeli, Gründer von Presize, und der ehemalige Audi-CTO Peter Mertens investierten zuvor bereits eine sechsstellige Summe in das Unternehmen. In der Vergangenheit investierten ehemalige Spitzenpolitikerinnen und – politiker immer wieder mal in aufstrebende Startups. Allen voran Brigitte Zypries (unter anderem GlassDollar, Regpit, UnitPlus) und Karl-Theodor zu Guttenberg (GovRadar). Mehr über Leegle
Cohere – Aleph Alpha
+++ Gemeinsam gegen alle! Das kanadische KI-Startup Cohere übernimmt – wie erwartet – den Heidelberger Wettbewerber Aleph Alpha. Die beiden Unternehmen möchten mit dem Zusammenschluss ein „Global AI Powerhouse“ schaffen. Der umtriebige Aleph Alpha-Unterstützer Schwarz Gruppe plant zudem weitere 500 Millionen Euro in das zusammengeführte Unternehmen zu investieren. Mehr über Aleph Alpha
KI–Superstars
+++ Lesenswert! Gründerszene steht fünf deutsche KI-Startups vor, die bei bei Top-VCs hoch im Kurs stehen. Darunter Lio aus München. Das Startup, 2022 von Lukas Heinzmann und Vladimir Keil gegründet, positioniert sich als „Multi-Agent System for Procurement“. Der amerikanische Investor Andreessen Horowitz (a16z), SV Angels, 20VC (Harry Stebbings) und Y Combinator investierten zuletzt beachtliche 30 Millionen US-Dollar in das Unternehmen. (Gründerszene) Mehr über Lio
#DEALMONITOR
Investments & Exits
+++ #DealMonitor +++ Adyen kauft Talon.One (750 Millionen) +++ Solar Materials erhält bis zu 20 Millionen +++ Omegga bekommt 10 Millionen +++ Kemaro sammelt 5 Millionen ein +++ VREY streicht 3,3 Millionen ein +++ Repentium sammelt Millionensumme ein +++ Christian Lindner investiert in Leegle. Mehr im Deal-Monitor
Was ist zuletzt sonst passiert? Das steht immer im #StartupTicker
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): Bing Image Creator – DALL·E 3
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Inside Airfocus-Exit: Wie Malte Scholz sein Startup Schritt für Schritt verkaufte
Der Exit ist für Startup-Gründer oft das große Ziel. Für Malte Scholz, Gründer von Airfocus, war er das nicht. Trotzdem wurde die Übernahme seines Startups irgendwann zur logischen Konsequenz – um das Produkt auf das nächste Level zu heben, sagt er heute.
Malte Scholz hat den Prozess eines Exits selbst durchlaufen und weiß, welche Weichen Gründer früh stellen sollten, um für potenzielle Käufer interessant zu werden.
Was hinter Airfocus steckt
Airfocus wurde 2017 von Malte Scholz, Christian Hoffmeister und Valentin Firak in Hamburg gegründet. Das SaaS-Startup startete zunächst bootstrapped, später kamen auch Investoren und Venture-Capital-Firmen aus Europa hinzu, wie beispielsweise Picea Capital.
Die Idee hinter Airfocus entstand aus einem persönlichen Problem. Malte Scholz arbeitete selbst als Produktmanager und suchte nach passenden Tools – ohne Erfolg. Nach intensiver Recherche blieb das Gefühl: keine der Lösungen wie PowerPoint, Jira und Co. passte wirklich.
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