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Instar IN-8815 4K im Test: 4K-Innenkamera mit PoE für Home Assistant


Stark: Die Instar IN-8815 4K bietet super Bild, PoE, Dualband-WLAN und offene Schnittstellen. Besser geht es nicht – oder?

Die Instar IN-8815 4K ist eine vielseitige PTZ-Überwachungskamera für innen mit 4K-Auflösung, PoE, Dualband-WLAN, App und klassischer Weboberfläche. Besonders interessant: offene Schnittstellen wie RTSP, ONVIF, MQTT v5 sowie Alarm-Ein- und Ausgang und Apple HomeKit Secure Video. Damit richtet sich die Kamera nicht nur an Einsteiger, sondern auch an Nutzer, die ihre IP-Kamera in ein Smart Home oder eine bestehende Videoüberwachung integrieren möchten. Im Test klären wir, ob sie diesem Anspruch gerecht wird.

Design und Montage

Mit 12,4 × 11,0 × 11 cm und rund 360 Gramm ist die PTZ-Kamera kompakt, bleibt optisch aber klar technisch geprägt. Sockel, Motorgabel, Kamerakopf und zwei externe Antennen wirken funktional, jedoch weniger wohnlich als bei minimalistischen Indoor-Kameras. Für einen unauffälligen Wohnzimmer-Look ist das Design daher nicht ideal.

Bei der Montage zeigt sich die Instar IN-8815 4K flexibel: Stand-, Wand- oder Deckenmontage sind möglich. Im Lieferumfang enthalten sind Halterung, Netzteil, LAN-Kabel, Schrauben, Dübel, Antennen sowie eine bereits eingesetzte 32-GB-microSD-Karte. Die Einrichtung erfolgt idealerweise per LAN oder PoE, alternativ per WLAN mit etwas mehr manuellem Aufwand.

Ausstattung

Technisch ist die Kamera solide aufgestellt: Ein Sony-Starvis-Sensor (1/2,8 Zoll) liefert 8 Megapixel mit bis zu 3840 × 2160 Pixeln bei 25 fps. Das 4,3-mm-Objektiv bietet etwa 100 Grad Sichtfeld bei einer lichtstarken Blende von f/1.6.

Die PTZ-Funktion ermöglicht 350 Grad Schwenken und 75 Grad Neigen. Unterstützt werden H.265, H.264 und MJPEG. Für Nachtsicht sorgen zehn IR-LEDs mit bis zu 12 Metern Reichweite. Eine Zoom-Funktion gibt es nicht, wohl aber zukaufbare Objektive mit anderen Brennweiten.

Ein Highlight ist die Netzwerk- und Protokollvielfalt: LAN, PoE (IEEE 802.3af), WLAN (2,4/5 GHz), WPA2/WPA3 sowie RTSP, ONVIF, MQTT v5, CGI und HTTP/HTTPS-Alarmserver. Genau diese Offenheit unterscheidet die IN-8815 4K von vielen einfachen App-Kameras, die sich fast immer nur im Herstellersystem wohlfühlen. Die Instar-Kamera wirkt damit eher wie eine klassische IP-Kamera mit Smart-Home-Anbindung.

Für die Aufzeichnung von Videos gibt es einen MicroSD-Slot bis 1 Terabyte, eine 32 GB Karte ist ab Werk eingesetzt. Alarmbilder und Videos lassen sich zusätzlich per FTP, FTPS oder SFTP sichern oder in die optionale Instar-Cloud hochladen. Praktisch ist die Vorab-Aufzeichnung vor dem Alarm mit 0 bis 10 Sekunden. So beginnt ein Clip nicht erst dann, wenn das Ereignis schon fast wieder vorbei ist.

Zur Ausstattung gehören außerdem Mikrofon, Lautsprecher, ein separater Audioausgang und ein Alarm Ein- und Ausgang. Der Relaisausgang ist potenzialfrei und unterstützt Geräte bis 24 Volt bei 1 Ampere. Das ist interessant, wenn etwa Sirenen, Sensoren oder andere externe Schaltungen dafür sorgen sollen, dass die Aufnahme startet. Im Massenmarkt für Innenkameras ist diese Anschlussvielfalt außergewöhnlich.

Instar IN-8815 4K: Flexible PTZ-Überwachungskamera mit PoE, WLAN und Smart-Home-Anbindung

Bedienung und App

Die Erstinstallation klappt auch ohne App. Ein Assistent führt im Browser unter der Seite install.instar.com durch die erste Einrichtung. Empfohlen wird die Verbindung per LAN-Kabel oder PoE, alternativ ist WPS für WLAN vorgesehen. Im späteren Betrieb werden entweder App oder Weboberfläche verwendet. Die App InstarVision ist dabei als Werkzeug für den täglichen Gebrauch zu verstehen. Sie bietet Live-Bild, Wiedergabe der Aufnahmen, Alarmaktivierung und zentrale Alltagsfunktionen. Für die eigentliche Einrichtung und die tiefe Konfiguration ist die Weboberfläche gedacht, die im Browser über die IP-Adresse der Kamera erreicht wird. Dort lassen sich Alarmbereiche setzen und mit dem PIR-Sensor verknüpfen sowie dessen Sensibilität einstellen, um Fehlalarme zu reduzieren. Auch alle anderen Einstellungen – von Nutzerdaten bis zu Verbindungsarten sowie Einstellungen für Bild und Ton werden in der Web-Oberfläche getätigt. Die wirkt auf den ersten Blick wegen des Funktionsumfangs erschlagend, ist an sich aber logisch aufgebaut und nach kurzer Einarbeitung gut verständlich. Wer nur eine möglichst einfache App-Kamera sucht, bekommt hier allerdings deutlich mehr vorgesetzt, als erwartet.

Die Web-Oberfläche läuft in aktuellen HTML5-Browsern und benötigt kein zusätzliches Plugin. Unterstützt werden unter anderem Microsoft Edge, Mozilla Firefox, Google Chrome, Opera und Safari. Für den Fernzugriff nennt Instar zwei Wege: DDNS und P2P. DDNS ist möglich, verlangt aber bei klassischer Portweiterleitung eine öffentliche IPv4-Adresse. Einfacher ist P2P. Dabei wird die Kamera in der App per QR-Code eingebunden, ohne dass eine Port-Weiterleitung nötig ist. Das ist im Alltag der bequemere Weg.

Bildqualität: Scharfes 4K mit kleinen Schwächen

Dank 4K-Auflösung mit 25 Bildern pro Sekunde, Sony- Starvis-Sensor und lichtstarker F/1.6-Offenblende sehen Aufnahmen ziemlich gut aus. Das Handbuch nennt außerdem eine werkseitige Schärfeebene von etwa 5 bis 10 Metern. Wer näher oder weiter weg überwachen will, kann das Objektiv per etwas störrischem Justage-Ring nachstellen. Diese manuelle Fokussierung eröffnet dem Nutzer zusätzliche Möglichkeiten, um bestimmte Entfernungen scharfzustellen. Auf der anderen Seite wirkt das aber auch etwas altbacken – das machen Konkurrenzprodukte meist automatisch und beweist erneut, dass die Instar IN-8815 nicht unbedingt Plug & Play ist.

Instar IN-8815 4K: Aufnahmen sind recht detailreich und scharf und bieten höhere Reserven als bei typischen Full-HD- oder 2K-Innenkameras.

So oder so: Aufnahmen sind recht detailreich und scharf und bieten höhere Reserven als bei typischen Full-HD- oder 2K-Innenkameras. An eine ordentliche Smartphone-Kamera kommt sie aber nicht heran. In der Grundeinstellung wirken die Aufnahmen etwas künstlich glattgebügelt. Die Web-Oberfläche bietet dafür aber viele Anpassungsmöglichkeiten, darunter WDR, Farben, Kontraste, Schärfe und einiges mehr. Wir hätten uns allerdings etwas mehr Weitwinkel gewünscht. Zwar kann die Kamera motorisch gedreht werden, aber in einer Ecke aufgestellt ist das auch nötig, um den ganzen Raum komplett sehen zu können. Dafür gibt es kaum Verzerrungen an den Rändern. Nachts arbeitet die Kamera mit Infrarot statt mit sichtbarer Zusatzbeleuchtung. Entsprechend gibt es in der Praxis Schwarzweiß-Aufnahmen statt farbiger Nachtansicht. Aufnahmen sind scharf und die IR-Reichweite von bis zu 12 Metern kommt hin. Wer farbige Nachtbilder oder aktives Weißlicht zur Abschreckung sucht, kommt hier aber nicht auf seine Kosten.

Sonderfunktionen und Smart Home

Im Betrieb kann die IN-8815 4K Personen, Fahrzeuge und Tiere erkennen, besitzt zusätzlich einen PIR-Wärme- respektive -Bewegungssensor und bietet softwarebasierte Bewegungszonen sowie Geräuscherkennung. Diese Kombination ist interessant, weil sich Alarme damit deutlich feiner filtern lassen als bei einfachen Bewegungsmeldern allein.

Instar IN-8815 4K: Zugriff per App, Browser oder Smart-Home-Zentralen wie Home Assistant

Für Smart-Home-Nutzer ist vor allem die Systemoffenheit wichtig. Offiziell unterstützt werden Apple HomeKit Secure Video, Amazon Alexa, Google Nest, IFTTT, ONVIF, RTSP, CGI und MQTT v5. Für Home Assistant dokumentiert Instar sogar eine MQTT-Auto-Discovery. Der Hersteller beschreibt außerdem, dass die KI-Erkennung inzwischen auch direkt in Drittsoftware abgefragt werden kann. Das ist für Besitzer, die gern selbst mit der Kamera herumprobieren, ein echter Mehrwert, weil sie nicht in einer Hersteller-App eingesperrt bleibt.

Bei kostenpflichtigen Extras bleibt Instar vergleichsweise transparent. Einen Pflichtdienst nach dem Kauf gibt es nicht. Optional sind aber Cloud-Speicherpläne und die PC-Software InstarVision für Windows und macOS verfügbar. Für die Software starten die Einzelplatzlizenzen bei 19,99 Euro für bis zu vier Kameras. Bei der Cloud nennt Instar ein Testkontingent von 10 GB für 30 Tage und danach eine Erweiterung je nach gebuchtem Speicherplatz. Wer alles lokal auf SD-Karte, FTP oder im eigenen Netzwerk speichert, vermeidet diese Zusatzkosten, ohne Nachteile zu haben.

Als Hardware-Extras gibt es Zubehör wie alternative Objektive. Instar bietet etwa Zoomobjektive mit 8 oder 16 Millimeter Brennweite sowie 45 respektive 25 Grad Blickwinkel, außerdem einen Weitwinkel mit 2,8 Millimeter und etwa 120 Grad. Das ist dann sinnvoll, wenn statt eines breiten Überblicks eher ein engerer, aber weiter entfernter Bildausschnitt oder noch mehr Weitwinkel gewünscht wird. Einen Akku gibt es übrigens nicht, die Kamera wird per Netzteil mit 5 Volt und 2 Ampere oder per PoE versorgt. Bei Strom über das LAN-Kabel ist zu bedenken, dass die Kamera zwar PoE beherrscht, ein passender PoE-Switch oder -Injektor aber Voraussetzung ist. Ein geeignetes LAN-Kabel gehört zum Lieferumfang.

Preis

Die UVP für Deutschland liegt bei 179 Euro. Der aktuelle Straßenpreis laut Geizhals.de beginnt je nach Farbe ab knapp 153 Euro (Stand: 03/2026). Wechselobjektive mit 2,8 mm, 8 mm und 16 mm gibt es für etwa 30 Euro.

Fazit

Die Instar IN-8815 4K ist keine „Kamera für zwischendurch“. Sie benötigt stattdessen etwas Einrichtungs- und Eingewöhnungszeit, ist dafür aber auch eine ungewöhnlich offene Überwachungskamera für Innen mit sehr breiter Ausstattung. 4K, PoE, Dualband-WLAN, lokale Speicherung, Audioausgang, Alarm Ein- und Ausgang, RTSP, ONVIF, MQTT v5 und HomeKit Secure Video ergeben ein Paket, das vor allem technisch interessierte Nutzer anspricht. Sie eignet sich daher hervorragend zur Einbindung in Home Assistant und ähnlich komplexe Smart-Home-Systeme. Kritik gibt es nur wenig. Der Blickwinkel hätte für unseren Geschmack ab Werk noch etwas weiter ausfallen dürfen – auch wenn es dafür die PTZ-Funktion gibt – und das Design ist wenig wohnlich. Beides dürfte für die meisten aber verschmerzbar sein. Beim Preis ist das Ansichtssache.



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Internetsperre im Iran ist jetzt die längste der Weltgeschichte


Es ist ein trauriger Weltrekord: Die iranische Gesellschaft lebt ab heute unter der weltweit längsten Internetsperre, die jemals für einen gesamten Staat verhängt wurde (Stand: Sonntag, 5. April 2026). Heute ist der 37. Tag angebrochen, an dem die Gesellschaft im Iran offline ist und dadurch im Alltag mit massiven Einschränkungen lebt. Internetblockaden auf aller Welt werden von der Organisation Netblocks analysiert, die auch jetzt darauf aufmerksam machte.

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Verhängt hat die Sperre das regierende Mullah-Regime am 28. Februar im Zuge der Angriffe der USA und Israel auf das Land. Die bislang längste Internetsperre der iranischen Geschichte war erst im Januar nach Massenprotesten gegen das Regime in Teheran verhängt worden. Hintergrund waren Massenproteste, die das Regime brutal niederschlug. Medienberichten zufolge gab es rund 30.000 Todesopfer.

Während der aktuellen Internetsperre ist für die iranische Bevölkerung nur ein sehr eingeschränktes nationales Netz verfügbar, alles andere nicht, etwa soziale Medien wie Instagram. Das Regime hatte zuvor Ausnahmen von der Internetsperre für Regimetreue bestätigt, um Propagandazwecke sicherzustellen. Kurz vor dem persischen Neujahrsfest wurde der Internetzugang noch weiter eingeschränkt und auch die zuvor funktionierenden Internetfreigaben für Regimetreue weitgehend gestoppt.

Der Online-Handel steht nahezu völlig still, hunderttausende Unternehmen sind nach dpa-Informationen betroffen. Auch die IT-Branche leidet unter der Situation. Laut Netblocks liegt die landesweite Internetkonnektivität bei rund einem Prozent des normalen Niveaus.

Zuvor war es der Sudan, der als Nation am längsten seinen Bürgern das Internet verwehrte: Vom 3. Juni 2019 bis 9. Juli 2019 war der Zugang in dem afrikanischen Land fast vollständig gesperrt, 36 volle Tage vergingen ohne Internetzugang. Hintergrund war ein brutaler Angriff des sudanesischen Militärs und der paramilitärischen Truppe Rapid Support Forces (RSF) auf Demonstrierende in Sudans Hauptstadt Khartum mit mindestens 100 Todesopfern.

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(nen)



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Apple-Aprilscherze: Newton-Holster und ein Lightning-Comeback fürs iPhone 17 Pro


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It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Kaum einer dürfte es nicht mitbekommen haben: Heute ist der 1. April. Und auch unter den Anbietern und Freunden von Apple-Produkten wird fleißig mitgemacht beim Scherztag. Zwei Beispiele stoßen dabei in diesem Jahr besonders hervor: Ein traditionsreicher Computertaschenhersteller, der zum 50. Apple-Geburtstag sehr spezielle Produkte aufgelegt hat, sowie ein bekannter Hardware-Hacker aus der Schweiz, der einen von Apple seit einigen Jahren begrabenen Anschluss reaktiviert, den eigentlich bislang niemand vermisst.

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Ken Pillonel aus dem französischsprachigen Teil des Alpenlandes sorgte in den letzten Jahren mit nützlichem Zubehör für iPhone und AirPods für Furore: Ihm gelang es, für beide Gerätegattungen USB-C-Nachrüstkits in Form von Hüllen zu schaffen. Dabei reicht es, ein Gerät mit Apples proprietärer Lightning-Schnittstelle einzuschieben, um es dann mit dem Standardport nutzen zu können, nicht nur fürs Aufladen, sondern beim iPhone sogar für Daten.

Zum 1. April kommt nun ein weiteres Projekt hinzu, das laut Pillonels Angaben praktisch zu weit gegangen ist: Er spendierte einem iPhone 17 Pro mittels seiner Hüllenlösung nachträglich einen funktionstüchtigen Lightning-Port. Es sei „teilweise Hack, teilweise Modding und eines der verfluchtesten Dinge, die ich je gebaut habe“, schrieb er. „Be careful what you wish for.“ Das Projekt erfolgte auf Bitten belustigter Fans des Hardware-Hackers. Genau wie bei seiner USB-C-Lösung für ältere iPhones brauchte es ein eigenes Bord. Erschwerend kam hinzu, dass Apple mit der Kamera-Plattform ein komplett neues Design geschaffen hatte, samt MagSafe-Verschiebungen. Der Prototyp wurde rechtzeitig zum 1. April fertig, das Video (siehe unten) ist sehenswert.

Waterfield Designs aus San Francisco baut schon seit vielen Jahren Zubehör für Apple-Produkte, etwa passende Rucksäcke und Hüllen. Passend zu Apples Halbjahrhundertgeburtstag (und zum 1. April) bringt die Firma ihre Apple 50th Anniversary Collection auf den Markt.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes YouTube-Video (Google Ireland Limited) geladen.

Lightning für das iPhone 17 Pro (Video: Ken Pillonel).

Sie besteht aus drei Produkten: Einem Rucksack für den klassischen Macintosh SE/30 (Preis: 2026 US-Dollar), einem Holster der Ranger-Reihe für den Newton (gleicher Preis) sowie einem „Digital Detox Duffel“ mit Grassbeschichtung, in den man seine Digitalgeräte für die Entwöhnung stecken kann. Besonders hip dürfte der Newton-Holster sein, in den neben dem klassischen MessagePad auch noch ein Notizbuch passen. Leider leider sind alle drei Produkte bereits „ausverkauft“.

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(bsc)



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3D-Drucker Elegoo Centauri Carbon 2 im Test: farbig, günstig, gut


Der Vorgänger ist unser Preis-Leistungs-Sieger, das neue Modell soll alles besser machen und farbig drucken. Ganz so einfach ist es aber offensichtlich nicht.

Vor gut einem Jahr hat Elegoo uns mit dem Centauri Carbon positiv überrascht. Ein kompakter, durchdachter 3D-Drucker in einem hochwertigen Gehäuse mit hervorragenden Druckeigenschaften zu einem günstigen Preis? Kein Wunder, dass er seitdem in unserer Top 10: Der beste 3D-Drucker mit Filament auf dem Siegertreppchen steht und den Preis-Leistungs-Sieg für sich beansprucht.

Ein kleiner Wermutstropfen: Der Hersteller hat ursprünglich ein Materialwechselsystem für den Mehrfarbdruck angekündigt, aber nie auf den Markt gebracht. Käufer des ersten Modells haben als Entschädigung einen Gutschein für den Kauf des frisch vorgestellten Centauri Carbon 2 erhalten, der das Wechselsystem namens Canvas gleich mitbringt. Aber der Reihe nach.

Design

Der Centauri Carbon 2 ist eindeutig als Nachfolger des Carbon 1 zu erkennen. Gehäuse-Design und der grundlegende Aufbau kommen uns sehr bekannt vor. Allerdings ist der Carbon 2 deutlich höher, was Käufer, die das Gerät ins Regal stellen wollen, berücksichtigen müssen. Grund dafür ist die Position des Materialwechselsystems namens Canvas oben auf dem eigentlichen Drucker sowie die Führung der PTFE-Schläuche, die das Filament zum Druckkopf bringen. Ähnlich wie beim Snapmaker U1 sitzen auch beim mehrfarbigen Elegoo-Drucker die Spulen seitlich am Gehäuse, statt in einem zusätzlichen Gerät wie dem AMS bei Bambu untergebracht zu sein.

Die große Haube aus durchsichtigem Kunststoff misst 25 cm in der Höhe. Immerhin: Dank dieser Haube erreicht der Bauraum auch höhere Temperaturen, wie sie für das Drucken von ASA oder ABS nötig sind – und sie ist im Lieferumfang enthalten. Snapmaker will solch eine Haube erst gegen Ende des Jahres für ein paar hundert Euro als Zubehör für seinen U1 anbieten.

Der Drucker ist ein Core-XY-Aufbau: Das Druckbett fährt auf der z-Achse, der Druckkopf bewegt sich innerhalb des Bauraums auf der x- und auf der y-Achse. Der Bauraum misst die üblichen 25,6 × 25,6 × 25,6 cm.

Aufbau

Im Inneren des stabilen Kartons befindet sich der gut in Schaumstoff eingepackte Drucker. Beim Öffnen springen einem zunächst die gedruckten Anleitungen in die Augen, die in englischer Sprache beim Aufbau und bei den ersten Schritten helfen. Zum Herausheben des Druckers aus dem Karton bietet sich eine zweite Person zur Hilfe an, im Notfall geht es aber auch allein.

Der eigentliche Drucker ist vormontiert. Das Gehäuse ist aus Blech gefertigt, die Fronttür besteht aus echtem Glas. Eine Scheibe oben wie beim Vorgänger gibt es hier nicht mehr, stattdessen den besagten Kunststoffdeckel. Der Drucker ist gut gegen Kratzer und Beschädigungen geschützt. Nach dem Auspacken aus der Plastikfolie entfernt man diverse Klebestreifen, die die Tür geschlossen halten, die Kabel schützen und so weiter. Die Klebestreifen lassen sich grundsätzlich gut entfernen, hinterlassen vereinzelt leichte Klebespuren, die sich gut entfernen lassen. Sämtliche Anbauteile hat der Hersteller gut und sinnvoll im Inneren des Bauraums untergebracht. Diese entnimmt man zunächst nach oben. Dann kann man den Kunststoffdeckel durch die Tür nach vorn aus dem Drucker ziehen.

Weiter geht es mit dem Entfernen der Transportsicherungen. Es wird verständlich erklärt, wo die Schrauben sitzen; das nötige Werkzeug ist im Lieferumfang enthalten. Danach montieren wir die ersten Anbauteile, allen voran den Filamentauswurf und das Display. Sollte man den Stecker jemals wieder entfernen wollen, muss man aufpassen, dass die Plastiknasen nicht abbrechen – also am besten das Display daran lassen.

Etwas fummeliger ist die Montage des Materialwechselsystems. Man muss für jeden Filamentrollenhalter eine Adapterplatte am Gehäuse anschrauben, auf die die Spulenhalter gesteckt werden. Dann muss man den eigentlichen Materialwechsler und alle Teile zusammensetzen.

Im Vergleich zu anderen Druckern benötigen wir hier deutlich länger bei der Montage, doch ob es nun ein oder zwei Stunden sind, ist auf die Dauer nicht relevant. Insgesamt sind die Spulenhaltesysteme nicht unser Favorit. Zum einen passen hier nicht alle Spulen, weswegen sich in unserem Vorrat inzwischen eine große Menge an gedruckten Adaptern gesammelt hat, damit auch Spulen von anderen Herstellern aufgesteckt werden können. Zum anderen berichten andere Tester von abgebrochenen Spulenhaltern – uns ist das nicht passiert, aber wir können nachvollziehen, wie schnell das passiert.

Inbetriebnahme

Nach dem Aufbau des Druckers erfolgt die Inbetriebnahme. Wie bei aktuellen 3D-Druckern üblich, läuft der Prozess komfortabel über das Menü ab. Schaltet man den Centauri Carbon 2 zum ersten Mal ein, öffnet sich ein Assistent, der durch die weiteren Schritte führt. Zunächst verbindet man den Drucker mit dem WLAN, wählt die Sprache und bestätigt, dass man die Transportsicherungen gelöst hat. Der Assistent spricht Deutsch – und das sehr ordentlich. Schritt für Schritt geht es an das automatische Leveln des Druckbetts, die Kalibrierung und den Selbsttest.

Ist das abgeschlossen, laden wir vier Filamentspulen in das Gerät. Spulen von Elegoo kann man direkt aufstecken, für Spulen von anderen Herstellern wie Sunlu oder Geeetech mussten wir uns Adapter drucken. Wer Elegoo-Spulen kauft (und aktuelle ausgeliefert bekommt), kann den NFC-Aufkleber der Spule vor dem Laden des Filaments einlesen. Dafür hat das Materialwechselsystem eine Scanner-Fläche. Spulen anderer Hersteller mit NFC-Chip – wir hatten Snapmaker und Bambu zur Auswahl – erkennt das System nicht. Man kann aber trotzdem jedes Filament verwenden, muss Kunststoffart, Hersteller und Farbe dann von Hand auswählen.

Wir installieren Handy-App und Slicer-Software. Beim Slicer handelt es sich um einen von Elegoo angepassten Orcaslicer. Eigentlich ist es der Orcaslicer, nur mit anderem Logo. Schade, uns wäre eine Integration der Elegoo-Erweiterungen in die Original-Software lieber, denn so würde es häufiger Software-Updates geben – zumindest die aktuelle Version 1.3.2.9 ist schon zwei Monate alt, während der Orcaslicer selbst kürzlich sein letztes Update erhalten hat.

Wir drucken zunächst ein im internen Speicher des Centauri abgelegtes Modell, dann testen wir intensiv und über Wochen den Mehrfarbdruck sowie diverse STL-Dateien mit unterschiedlicher Gemeinheit und unterschiedlichen Materialien.

Filament & Materialien

Schon der Blick ins Datenblatt zeigt, dass der Carbon 2 ein Alleskönner ist – zumindest, was die Auswahl der unterstützten Filamente und Kunststoffe angeht. Eine Druckdüsentemperatur von bis zu 350 Grad und eine Druckbetttemperatur von bis zu 110 Grad: Da geht quasi alles, was man an Kunststoffen auf Rollen kaufen kann. Dazu kommt das komplett geschlossene Gehäuse samt Abluftfunktion.

Im Gegensatz zum Carbon 1 muss man den Deckel beim Druck von PLA & Co. nicht offen lassen; wird es im Bauraum zu warm, führt ein Lüfter die warme Luft ab – sehr komfortabel. Dass dieser Lüfter mal sehr laut sein kann, merkt man nur gelegentlich; etwa wenn ein ABS-Druck fertig ist und der Elegoo zum Abschluss für eine Minute den Lüfter voll aufdreht.

Wir haben vor allem PLA gedruckt, testweise auch ABS und TPU. In allen Fällen hat der Centauri Carbon 2 ein gutes Bild abgeliefert. Bei ABS hatten wir Haftungsprobleme, was nicht unüblich ist. Kleber auf dem Druckbett allein hat zur Unterstützung nicht gereicht. Es handelt sich hierbei um einen sehr schnellen Drucker, dessen Bewegungen für Schwingungen sorgen: Erst mit zusätzlichem Brim (einem Rand um das zu druckende Objekt) wollte unser Benchy aus ABS bei voller Geschwindigkeit haften.

Etwas nervig: Wenn das Filament im PTFE-Schlauch zwischen dem Canvas genannten Materialwechsler und dem Druckkopf bricht, hat man eigentlich keine Chance mehr, den Druck erfolgreich zu Ende zu führen. Man kann den PTFE-Schlauch nicht einfach nach oben abziehen und es gibt keine Option in der Software des Druckers, das gerade eingelegte Filament zu extrudieren. Man muss den Filament-Hub, der die vier PTFE-Schläuche der Filamente zum Extruder des Druckers verbindet, abschrauben, um die Filament-Reste entnehmen zu können. Die Schrauben sitzen aber hinten, sodass man nicht drankommt, wenn der Druckkopf in seiner Ausgangsposition geparkt wird.

Das Druckbett ist eine Federstahlplatte mit PEI-Beschichtung, auf der einen Seite ist die Beschichtung strukturiert, auf der anderen Seite glatt. Das ist der Stand der Technik.

Druckbild & Geschwindigkeit

Die ersten Ausdrucke aus dem Speicher des Geräts gelingen auf Anhieb und sehen hervorragend aus. Auch die von uns manuell gesliceten Testmodelle überzeugen letztlich. Figuren wie die Spider-Man-Büste sehen ausgezeichnet aus, und auch die Präzision stimmt. Bei unserem Print-in-Place-Test, bei dem wir drei Schiebepuzzle mit größer werdendem Spalt zwischen den beweglichen Teilen drucken, bekommen wir mit wenig Nacharbeit selbst die feinste Version freigängig.

In der Praxis stolpern wir vereinzelt über nicht ganz perfekte Abstimmungen in der Software. Manche Farben „bluten“ in andere Farben aus, da offensichtlich nicht genug gespült wird. Wer solche Probleme entdeckt, kann sie einfach über Einstellungen in der Slicer-Software lösen – vorausgesetzt, man ist bereit, sich in die Thematik einzuarbeiten.

Insgesamt sind wir mit den Druckergebnissen sehr zufrieden. Dass beim mehrfarbigen Druck teilweise sehr viel Filament für den Spülvorgang aufgewendet wird, ist bei den Materialwechselsystemen prinzipbedingt.

Mit einer Arbeitsgeschwindigkeit von bis zu 500 mm/s läuft der Centauri Carbon auf dem gleichen Niveau wie andere aktuelle Drucker mit Core-XY-Aufbau. Etwas merkwürdig fanden wir, dass die KI-Erkennung der Kamera bei Fehlern zunächst nicht eingeschritten hat. Tief in den Einstellungen fanden wir den Grund dafür: Die Spaghetti-Erkennung ist standardmäßig abgeschaltet.

Preis

Der Elegoo Centauri Carbon 2 kostet derzeit mindestens 419 Euro.

Fazit

Der Elegoo Centauri Carbon 2 überzeugt in der Praxis. Im Vergleich zu anderen Druckern wie dem Bambu P1S gefällt uns die außen liegende Montage der Filamentrollen aber nicht sonderlich, außerdem ist das Einlesen der Filament-NFC-Tags ein zusätzlicher Schritt.

Schlussendlich bekommt man hier aber ein leistungsfähiges Gerät mit guter Ausstattung zum mehr als fairen Preis. Vor allem, wenn man mit den hohen Temperaturen von Hot-End und Druckbett etwas anzufangen weiß, ist man hier gut aufgehoben – oder wenn man keinen Bambu-Lab-Drucker möchte, aber einen geschlossenen Core-XY in Standard-Größe mit Materialwechselsystem. In dieser Kategorie gehört der Elegoo zu den günstigsten Geräten – und überzeugt in der Praxis.

Absolute Anfänger, die gerne auch mal etwas farbig drucken wollen, fühlen sich bei einem Bambu-Drucker vermutlich wohler. Der ist zwar ein Stück teurer, aber dafür besser abgestimmt und damit einfacher in der Bedienung.



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