Künstliche Intelligenz
Mosaik und aufgefächert: Die Bilder der Woche 22
Welchen optischen Unterschied es in der Natur macht, ob eine Blüte geschlossen oder sonnengeöffnet erstrahlt, oder ein Vogel steif auf einem Ast sitzt versus weit entfaltet, zeigt sich bei den Bildern dieser Woche. Die urbanen Themen leben von scheinbar zusammengesetzten Puzzleteilen. Mal ist es die Grafik an der Wand einer Straßenbahnhaltestelle, dann ein Mix aus Glaselementen, die zusammen ein gigantisches, rundes Fenster ergeben.
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Erfreuen Sie sich mit uns am Kontrast aus schwungvollen und kantigen Motiven, die unsere Galeriefotografen für Sie zusammengetragen haben.
Licht und Schatten von Lightpix84

Licht und Schatten
(Bild: Lightpix84)
Das warme Sonnenlicht lässt die feinen Konturen dieser Tulpe leuchten. Die Makroaufnahme zeigt ihre geschwungenen Blütenblätter in kräftigem Rot und Orange, während tiefe Schatten einzelne Formen fast verschwinden lassen. Licht und Dunkel wechseln sich ab wie Wellen und verleihen der Blume eine fast abstrakte Wirkung. Durch die enge Perspektive werden Strukturen und Farben in den Mittelpunkt gerückt, wodurch aus einer Frühlingsblüte ein stilles Spiel aus Form, Farbe und Stimmung wird.
Pointe du Raz von The real Peter Gunn

Pointe du Raz
(Bild: The real Peter Gunn)
Vor der rauen Küste der Bretagne ragt ein einsamer Leuchtturm aus der bewegten See empor. Dunkle Wolken, aufgewühltes Wasser und die kleinen Silhouetten der Menschen am Ufer verstärken die dramatische Stimmung. Die Aufnahme arbeitet mit klaren Ebenen: felsiger Vordergrund, tosende Wellen und der Turm im Zentrum des Bildes. Das kühle Licht und die fast monochromen Farben verleihen der Szene eine stille, beinah melancholische Wirkung. So zeigt das Foto die Kraft des Meeres und die geringe Bedeutung des Menschen in dieser Kulisse.
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Der Fotograf berichtet: „Die Aufreihung dieser drei legendären Leuchttürme im äußersten Westen der Bretagne (Phare de la Vielle (vorn), Phare de Goulenez (das ist der große Leuchtturm auf der Île-de-Sein) und Phare Ar-Men, der weit draußen vor der Küste steht) entstand eher zufällig. Der Phare d’Ar-Men war in ca. 20 km Entfernung auf dem Original-RAW nicht zu erkennen. Erst in der Nachbearbeitung und Kontrastanhebung wurde er sichtbar. Die Darstellung als SW-Aufnahme mit eher kühler Tonung und quadratischem Zuschnitt soll die Außergewöhnlichkeit dieser atemberaubenden Landschaft am Atlantik betonen.“
Hannover 3 von anbeco4macro

Hannover 3
(Bild: anbeco4macro)
Gelbe und schwarze Flächen verwandeln diese Wand einer Bahnhaltestelle in ein riesiges Schachbrett. Davor läuft eine Person im hellblauen Hoodie genau durch den Lichtkegel und hebt sich sofort vom Hintergrund ab. Die klare Geometrie und die starken Kontraste geben diesem Streetfoto einen grafischen Look und gleichzeitig wirkt dieser flüchtige Moment auch ganz alltäglich – ein kurzer Blick auf die urbane Kulisse von Hannover.
Zilpzalp von Carl-Peter Herbolzheimer

Zilpzalp
(Bild: Carl-Peter Herbolzheimer)
Mit weit aufgefächerten Flügeln startet dieser Zilpzalp aus dem Moos. Die leichte Unschärfe, die sich über einen Großteil des Bildes zieht, macht die schnelle Bewegung des kleinen Singvogels direkt spürbar. Anstelle eines perfekt eingefrorenen Moments zeigt die Aufnahme Dynamik und Energie. Trotzdem bleibt der Blick durch das weiche Licht und die natürlichen Farben klar auf dem Vogel und seinen fächerförmigen Flügeln haften.
En Passant von zooom!

En passant
(Bild: zooom!)
Die riesige Kreisform des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses in Berlin wirkt wie ein Rahmen für das Leben dahinter. Hinter der Glasfassade zeichnen sich Treppen, Geländer und Sitzreihen ab. Unten durchqueren ein Radfahrer und ein Passant die Szene und setzen einen spannenden Größenkontrast zur monumentalen Architektur. Die frontale Perspektive ordnet Linien und Formen streng symmetrisch. Gleichzeitig bringen die beiden Menschen Bewegung in die klare Geometrie. Das Schwarz-Weiß verstärkt die grafische Wirkung und lenkt den Blick auf Struktur, Rhythmus und Proportionen.
Gänseblümchen II von Daborius

Gänseblümchen
(Bild: Daborius)
Ein Gänseblümchen, umgeben von schillernden Lichtkreisen, die es wie aus einer anderen Welt erscheinen lassen. Das weiche Bokeh taucht die Wiese in bunte Farben und lenkt den Blick direkt auf die Blüte in der Bildmitte. Die geringe Schärfentiefe löst den Hintergrund fast komplett auf, wodurch das Motiv leicht und verträumt wirkt. Gerade der Kontrast zwischen der schlichten Pflanze und dem funkelnden Farbenspiel macht den Reiz dieses Makrofotos aus.
Der Fotograf beschreibt sein Vorgehen so: „Die Aufnahme entstand bei Spaziergang im Park. Bei jedem Spaziergang nehme ich meine Kamera, 1–2 Objektive und Lametta mit. Dieses Mal hatte ich Pentax K-1 MK II, Zwischenringe und ein TT ARTISAN-100-mm-Objektiv mit. Im park habe ich einzelne Gänseblümchen gefunden. Im Hintergrund habe ich Lametta platziert. Zur Technik: Pentax K-qkm II + Zwischenringe + TT-ARTISAN 100mm, ISO 400, 1/8000s, F/ 2.8, DXO photolab 8.“
5/8 Rohrweihe von analoochjehtooch

5/8 Rohrweihe
(Bild: analoochjehtooch)
Diese Rohrweihe, aufgenommen im spanischen El Taray, scheint direkt auf die Kamera zuzusteuern. Die weit gespannten Flügel zeichnen eine starke Diagonale durch das Bild und verleihen der Aufnahme viel Energie. Gleichzeitig sorgt der sanft verschwommene Hintergrund dafür, dass jedes Detail des Gefieders und der intensive Blick des Greifvogels sofort ins Auge fallen. Ein Moment voller Spannung, der die Kraft und Eleganz dieses Jagdvogels eindrucksvoll zeigt.
(vat)
Künstliche Intelligenz
Video: Warum ihr bei Mini-PCs aus China vorsichtig sein solltet
Mini-PCs chinesischer Hersteller und Händler sind auf den großen Online-Marktplätzen längst allgegenwärtig. Etliche Portale preisen einzelne Modelle als günstige Alternative zu Geräten etablierter Marken an – und nehmen es mit der Prüfung offenbar nicht immer so genau. Wir haben den Bmax B6 Plus nach einem Leserhinweis bei Amazon gekauft und tiefer nachgeforscht.
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Für rund 220 Euro wirkt der kleine Rechner zunächst wie ein echtes Schnäppchen. An Bord sind ein Core-i3-Prozessor, 12 GByte Arbeitsspeicher und eine 512 GByte große NVMe-SSD, dazu WLAN, Gigabit-Ethernet sowie drei Display-Anschlüsse. Obendrein liegt dem Kampfpreis Windows 11 Pro bei, für das im Handel sonst rund 150 Euro fällig werden. Doch der günstige Eindruck täuscht: Im Test stießen wir auf gleich mehrere Fallstricke – von Sicherheitslücken über eine ungültige Windows-Lizenz bis hin zu Schadsoftware, die direkt vom Hersteller stammt. Die gute Nachricht: Es gibt eine deutlich sinnvollere Alternative, die wir ebenfalls unter die Lupe genommen haben. Worin die Schwächen des Bmax B6 Plus genau liegen und welche Option wir stattdessen raten, seht ihr im Video:
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(gho)
Künstliche Intelligenz
Busy Bar: Erweiterbares Statusdisplay mit Pomodoro-Timer
Die Busy Bar stammt von Flipper Devices, den Erfindern des Security-Gadgets Flipper Zero. Dieses erweiterbare Multitalent rund um Funk- und Nahbereichsprotokolle besticht durch sein ungewöhnliches Design und Bedienkonzept. Der Anspruch setzt sich bei der Busy Bar fort, deren Farbgebung in Weiß und Orange der des Flippers gleicht.
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Sie wird über physische Bedienelemente gesteuert: Ein Wahlhebel schaltet das Gerät an und zwischen Betriebsmodi um, mit einem Klickrad scrollt der Benutzer in Menüs und bestätigt seine Wahl per Tastendruck. Das wichtigste Element ist ein LC-Display mit knapp 17 cm Diagonale und 72×16 Pixel. Die LEDs passen ihre Helligkeit der Umgebung an, können aber auch von Hand eingestellt werden. Neben dem großen Frontdisplay befindet sich an der Rückseite eine mit knapp 4 cm Diagonale deutlich kleinere monochrome Anzeige, die mit 160×80 Pixel auflöst. Aus der Packung purzeln nach der Busy Bar ein 2 m langes Kabel mit zwei USB-C-Steckern und eine Kurzanleitung.

Mit dem eingebauten Malprogramm sind Bildchen wie dieses schnell gebastelt.
(Bild: Christopher Kunz / heise medien)
Das USB-Kabel dient zum Laden des 3250mAh-Akkus, der mit einer Ladung nach Herstellerangaben etwa siebeneinhalb Stunden durchhält. Im Stand-by-Betrieb braucht die Busy Bar nach etwa einer Woche eine Nachladung. Doch der USB-C-Port dient nicht nur der Stromversorgung, sondern auch als Netzwerkanschluss (Ethernet over USB). Zudem beherrscht die Busy Bar Bluetooth Low Energy und WLAN im 2,4-GHz-Band.
Die Busy Bar kann man auf dem Schreibtisch stellen oder mit zwei ausklappbaren Haken auch an der Oberkante des Monitors befestigen. Dieser darf dafür jedoch nicht dicker als zwei Zentimeter sein.
Pomodoro-Timer und Kollegen-Info
Erfinder Pavel Zhovner beschreibt seinen Anspruch an das Gerät folgendermaßen: „Wir haben die BUSY Bar entwickelt, um Konzentration greifbar zu machen“ – und das funktioniert mit etwas Disziplin recht gut.
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In ihrem Kern ist die Busy Bar ein Pomodoro-Timer, der die Arbeitszeit in Fokus- und Pausenphasen einteilt. Die Pomodoro-Technik setzt auf konzentrierte Arbeitsphasen, die von vielen kurzen Pausen unterbrochen werden. Mit dem Scrollrad setzt man die gewünschte Fokuszeit, etwa auf zwanzig Minuten, betätigt den großen Startknopf und legt mit der konzentrierten Arbeit los. Endet die Fokuszeit, legt man eine fünfminütige Pause ein und beginnt dann von vorn. Ist das große Display dem Büronachbarn zugewandt, sieht dieser den Timer neben einer von gut einem Dutzend Botschaften von „Busy“ (beschäftigt) über „on air“ (auf Sendung) bis „low social battery“ (soziale Batterie niedrig), der Verwender kann die Restzeit auf der kleineren rückwärtigen Anzeige ablesen.
Ähnlich wie ihr Cousin, der Flipper Zero, läuft die Busy Bar erst dank ihres Ökosystems zu Hochform auf. Den Anfang machen Apps für iOS, Android und macOS, die sich mit der Busy Bar verbinden und Ablenkungen weiter reduzieren. So werden störende Apps wie Social Media, Nachrichten und sogar die Kamera während einer Fokusphase gesperrt – der Nutzer kann die Auswahl über Kategorien und Einzel-Apps nach Belieben einschränken. Ist die Busy Bar mit dem Mac gekoppelt und dort die App gestartet, wechselt die Anzeige automatisch auf „on call“, wenn der Anwender einer Videokonferenz beitritt. Das funktioniert mittels Überwachung der Mikrofonnutzung und klappte in unserem Test sowohl mit Microsoft Teams als auch mit browserbasierten Konferenzen.
Doch nicht nur per App können Bastler mit der Busy Bar eigene Ideen umsetzen. Ihre Unterstützung für den Smarthome-Standard dient als Ausgangspunkt für Automatisierungen im Homeoffice, und mit einer RESTful API lässt sich das Gerät übers WLAN oder die herstellereigene Cloud fernsteuern. Einen Cloud-Zwang gibt es nicht; alle Funktionen sind auch ohne App-Anbindung verfügbar.

Mit dem Web-UI kann man Einstellungen vornehmen, die Firmware aktualisieren oder Bildchen auf der Busy Bar anzeigen.
Künftig können Entwickler Apps in Javascript für die Busy Bar entwickeln und in einem durch Flipper Devices verwalteten Marktplatz bereitstellen, auch weitere Integrationen in Software wie Notion, Upwork und Slack sind geplant. Ob als Fitness-Timer, für Fahrplaninformationen oder ganz andere Anwendungen – der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Und künstlerischen Naturen bietet das Webinterface ein Malprogramm für kleine Botschaften auf dem Pixel-LCD.
Fazit
Die Busy Bar ist eine interessante und hochwertig ausgeführte Designstudie. Sie macht sich gut auf dem Schreibtisch oder Monitor im Großraumbüro. Ihre Kernfunktion – der optische Hinweis auf Fokuszeit – bringt ohne App-Unterstützung dann am meisten, wenn Kollegen die Hauptquelle für Ablenkungen sind. Im Zusammenspiel mit der iOS- und Android-App hilft das Gadget, Ablenkungen auch im Einzelbüro zu reduzieren.
Das Gerät hat jedoch seinen Preis: Nach einer Einführungsphase verlangt Flipper Devices 219 Euro für die Busy Bar. Immerhin: Der Versand ist kostenlos und auch Zoll oder Einfuhrumsatzsteuer muss der Besteller nicht abführen. Wer bei diesem Preis nicht zurückschreckt, erhält ein schon jetzt durchdacht wirkendes Gadget mit viel Potenzial für künftige Erweiterungen. Wer jedoch nur ein Pixeldisplay sucht, findet günstigere Alternativen, wie zum Beispiel die Ulanzi TC001.
Die Busy Bar ist auf der Website des Herstellers unter busy.app erhältlich.
Busy Bar
| Hersteller, URL | Flipper Devices, | |
| Maße | 17x5x4cm | |
| Akkulaufzeit (Betrieb/Standby) | 7,5h / ca. 1 Woche (Herstellerangabe) | |
| Konnektivität | Bluetooth LE, WLAN, USB-C | |
| Anbindung an Ökosysteme | Matter, iOS, Android, API | |
| Preis | 219 € |
(cku)
Künstliche Intelligenz
Pläne zur Altersverifikation: „Problem ist das Plattformdesign, nicht das Alter“
Die EU-Kommission will den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet deutlich verschärfen. Eine Expertenkommission empfiehlt unter anderem ein europaweit harmonisiertes Mindestalter für soziale Netzwerke sowie verpflichtende Alterskontrollen. Parallel arbeitet die EU an einer digitalen Altersverifikation, eine Art Mini-Wallet, die auch unabhängig von der EUDI-Wallet genutzt werden kann.
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Marielle Findorff ist Referentin für Daten- und IT-Sicherheit beim Verbracherzentrale Bundesverband.
(Bild: vzbv)
Über die Chancen und Risiken dieser Pläne sprach heise online mit Marielle Findorff, Referentin für Digitales und Medien beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).
Die EU könnte beim Schutz von Minderjährigen künftig stärker auf Altersgrenzen und Altersverifikation setzen. Ist das aus Sicht des Verbraucherschutzes der richtige Ansatz?
Das eigentliche Problem ist das Plattformdesign und die oft unsicheren Grundeinstellungen. Altersgrenzen lösen dieses Grundproblem nicht. Minderjährige würden zwar ausgeschlossen, alle anderen Nutzerinnen und Nutzer wären den gleichen Risiken aber weiterhin ausgesetzt. Deshalb sollte der Schwerpunkt darauf liegen, Plattformen selbst sicherer zu gestalten, und zwar für alle.
Was müsste sich aus Ihrer Sicht stattdessen ändern?
Die Plattformen sollten nachweisen müssen, dass ihre Angebote tatsächlich sicher gestaltet sind. Das betrifft beispielsweise Voreinstellungen, Empfehlungsmechanismen oder andere Designentscheidungen, die Risiken für Nutzerinnen und Nutzer erhöhen können. Nur wenn die Ursachen auf den Plattformen selbst angegangen werden, lassen sich die Probleme nachhaltig lösen.
Es ist deshalb zu begrüßen, dass auch die Von-der-Leyen-Kommission in ihren Empfehlungen die Verantwortung und Beweislast bei den Anbietern sieht. Dabei darf es jedoch nicht bleiben. Digitale Dienste müssen standardmäßig für alle sicher gestaltet sein. Funktionen und Gestaltungsmuster, die exzessive Nutzung fördern, sollten wirksam begrenzt oder verboten werden.
Die EU-Empfehlungen der EU-Kommission sehen vor, dass Plattformen Zugangsbeschränkungen bis 13 Jahren durchführen sollen. Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren sollen digitale Dienste nutzen können, wenn die Anbieter ein altersgerechtes Design und entsprechende Schutzeinstellungen nachweisen. Plattformen könnten somit entweder ihre Dienste anpassen oder den Zugang für Minderjährige beschränken. Wie bewerten Sie das?
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Grundsätzlich ist es positiv, wenn Plattformen nachweisen müssen, dass ihre Dienste für Kinder und Jugendliche sicher sind. Problematisch ist aber, dass Anbieter möglicherweise einfach den anderen Weg wählen: Sie behalten ihr bisheriges Design bei und schließen Minderjährige per Altersverifikation aus. Das wäre vermutlich in einigen Fällen günstiger, als grundlegende Änderungen am Produkt vorzunehmen. Ich glaube nicht, dass das das eigentliche Ziel der Empfehlungen ist, ausgeschlossen wird diese Möglichkeit aber nicht ausdrücklich.
Diskutiert wurde in der Vergangenheit auch eine Alterskontrolle direkt auf Betriebssystemebene. Wäre das sinnvoller?
Das wäre eine mögliche Alternative. Eltern könnten beispielsweise beim Einrichten eines Geräts das Alter ihres Kindes hinterlegen. Die Information könnte anschließend mit App-Stores oder Diensten kommuniziert werden. Allerdings stellt sich auch dort die Frage, wie diese Altersangabe überprüft wird oder ob sie auf einer Selbstauskunft, etwa von den Eltern, basiert. Die EU-Kommission setzt derzeit allerdings erkennbar auf die EUDI-Wallet beziehungsweise auf eine eigenständige Altersverifikationslösung, die in die EUDI-Wallet integriert werden könnte.
Dann würde aber erneut viel Verantwortung bei den Eltern liegen.
Genau. Das ist problematisch. Viele Eltern fühlen sich bereits heute mit der Vielzahl digitaler Angebote überfordert. Hinzu kommt, dass Plattformen ihre Einstellungen regelmäßig ändern. Selbst Erwachsene verlieren dabei schnell den Überblick. Wenn Eltern sämtliche Plattformen und Spiele ständig kontrollieren müssten, wäre das kaum leistbar. Besonders Familien mit weniger Zeit oder Ressourcen könnten dadurch benachteiligt werden.
Aktuell wird eine auf Open Source basierende Altersverifikationslösung entwickelt und getestet, die von der EUDI-Wallet losgelöst funktioniert. Wie schätzen Sie das ein?
Wenn tatsächlich ausschließlich ein datensparsamer Nachweis wie „über 18“ über einen Zero-Knowledge-Proof übertragen wird und keine weiteren personenbezogenen Daten fließen, wäre das aus Datenschutzsicht grundsätzlich positiv. Entscheidend ist aber, dass diese Beschränkung technisch verbindlich umgesetzt wird und Plattformen nicht zusätzliche Daten anfordern können.
Was halten Sie davon, das Alter über Nutzungsverhalten oder KI-Schätzungen zu bestimmen?
Das halte ich für problematisch. Zum einen sind solche Verfahren unzuverlässig, weil Interessen nichts Eindeutiges über das Alter aussagen. Zum anderen wäre eine Analyse des Surfverhaltens oder biometrischer Merkmale äußerst invasiv. Außerdem müssten Nutzer darauf vertrauen, dass Daten tatsächlich gelöscht werden und nicht doch weiterverarbeitet werden.
In Australien zeigt sich zum Beispiel, dass bisherige technische Umsetzungen leicht umgangen werden können. Es gibt inzwischen zahlreiche Möglichkeiten, Altersprüfungen mit KI-Werkzeugen, Browser-Erweiterungen oder über volljährige Personen zu umgehen. Deshalb bleibt der wirksamste Ansatz, Plattformen selbst sicherer zu gestalten, statt ausschließlich auf Zugangskontrollen zu setzen.
Welche langfristigen Risiken sehen Sie bei einer verpflichtenden digitalen Altersverifikation?
Selbst wenn ein System zunächst datensparsam aufgebaut wird, entsteht damit eine Infrastruktur, die später verändert werden kann. Datenschutzmechanismen lassen sich nachträglich abschwächen. Ist eine solche Infrastruktur einmal etabliert, wird es deutlich einfacher, weitergehende Identifizierungs- oder Überwachungsfunktionen einzuführen.
Wenn eine Altersverifikation kommt, wie sollte sie dann umgesetzt sein?
Altersverifikation kann nur dann einen Mehrwert bieten, wenn sie datensparsam, pseudonym und verpflichtend auf das notwendige Minimum beschränkt ist. Sie darf nicht dazu führen, dass neue Identifizierungs- oder Trackingmöglichkeiten entstehen. Entscheidend ist außerdem, dass sie nicht als Ersatz für notwendige Verbesserungen bei Sicherheit und Plattformdesign verstanden wird.
Welche Rolle spielt dabei die EUDI-Wallet?
In der Wallet werden besonders sensible Identitätsdaten gespeichert. Deshalb muss ausgeschlossen sein, dass Plattformen mehr Informationen erhalten als unbedingt erforderlich. Gerade wenn künftig auch Jugendliche die Wallet nutzen sollen, ist das besonders wichtig. Es darf nicht passieren, dass sich dadurch neue Geschäftsmodelle entwickeln, um noch mehr personenbezogene Daten zu sammeln.
Die Wallet soll freiwillig bleiben. Deshalb muss es ohnehin alternative Verfahren geben. Welche das konkret sein sollen und welche Datenschutzstandards dort gelten, ist bislang aber nicht ausreichend geklärt.
Welchen Nutzen sehen Sie insgesamt in der europäischen digitalen Brieftasche?
Genau das ist für mich derzeit eine zentrale, offene Frage. Welches Problem löst die Wallet eigentlich für Verbraucherinnen und Verbraucher? Ein möglicher Vorteil ist zwar, dass sie europaweit interoperabel sein und Identitätsnachweise grenzüberschreitend erleichtern soll. Einen überzeugenden Mehrwert für den Alltag der Nutzerinnen und Nutzer sehe ich bislang aber nicht. Aus Verbrauchersicht wären beispielsweise echte pseudonyme Nutzungen digitaler Dienste interessant. Diese Möglichkeiten sind in der aktuellen Ausgestaltung noch nicht vorgesehen.
Wer profitiert aus Ihrer Sicht am stärksten von der Wallet?
Wenn man die Frage umdreht und nicht aus Sicht der Nutzerinnen und Nutzer, sondern aus Sicht der Unternehmen stellt, wird die Antwort einfacher. Für Unternehmen eröffnen sich neue Möglichkeiten, Menschen eindeutig zu identifizieren. Deshalb dürften vor allem Diensteanbieter von der Infrastruktur profitieren. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist der Mehrwert bislang deutlich weniger klar erkennbar.
Die Debatte konzentriert sich derzeit stark auf Kinder und Jugendliche. Müsste der Blick nicht grundsätzlich weiter gefasst werden? Viele Menschen – unabhängig vom Alter – verfügen über unterschiedliche digitale Kompetenzen oder sind mit den Mechanismen moderner Plattformen wenig vertraut.
Ja. Bei Betrugsmaschen, Identitätsdiebstahl oder Scams gibt es Betroffene in allen Altersgruppen. Es handelt sich nicht um ein Problem ausschließlich von Kindern und Jugendlichen. Wer digitale Dienste sicher nutzen kann, hängt nicht allein vom Alter ab. Deshalb sollte der Schutz grundsätzlich allen Nutzerinnen und Nutzern zugutekommen, die besonderen Risiken ausgesetzt sind.
(mack)
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