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Künstliche Intelligenz

Oracle: Souveränitätsversprechen zwischen Anspruch und Wirklichkeit


Auf der Oracle AI World in Frankfurt präsentierten führende Oracle-Manager ihre Pläne für eine verteilte, souveräne und KI-fähige Cloud-Infrastruktur. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Unternehmen angesichts wachsender Datenschutzanforderungen und einer zunehmend fragmentierten Cloud-Landschaft handlungsfähig bleiben können. Andrew Bond, CTO von Oracle EMEA, setzte den Rahmen: Oracle sei nicht einfach ein weiterer Hyperscaler, sondern unterscheide sich architektonisch deutlich von der Konkurrenz. Ob diese Behauptung trägt, muss sich in der Praxis zeigen – die Argumente waren aber durchaus substanziell.

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Oracles EU Sovereign Cloud läuft nach eigenen Angaben seit knapp drei Jahren in Frankfurt und Madrid. Sie wird ausschließlich von EU-Personal betrieben und ist vom öffentlichen Oracle-Cloud-Netz physisch getrennt. Technisch basiert sie auf denselben OCI-Bausteinen wie die öffentliche Cloud, läuft aber in einem eigenen, isolierten Realm. Damit reagiert Oracle auf eine zentrale Sorge europäischer Kunden: Daten sollen die EU nicht verlassen, und die Betriebsverantwortung liegt nachweislich in der EU.

Antonio Freitas, bei Oracle EMEA für die Sovereignty-Strategie verantwortlich, erläuterte in einer Roundtable-Session die Entwicklung des Angebots: Sein Team habe intensiv mit EU-Institutionen wie der Europäischen Kommission, ENISA und nationalen Regulierungsbehörden zusammengearbeitet. Das Ziel: die Anforderungen an souveräne Cloud-Infrastruktur nicht nur zu verstehen, sondern sie frühzeitig in die Produktentwicklung einfließen zu lassen. Inwieweit Oracle damit näher an einer EUCS-Zertifizierung (EU Cloud Services Scheme) ist als etwa AWS oder Azure, blieb auf der Veranstaltung allerdings offen.

Dass das Konzept in der Praxis trägt, sollte ein Kundenbeispiel belegen: Stefan Moch, VP von Arvato Systems, berichtete über den Betrieb von Arzneimittel-Verifikationssystemen gemäß der EU-Richtlinie FMD (Falsified Medicines Directive). Das System verarbeite allein in Deutschland täglich fünf bis sechs Millionen Apothekentransaktionen und europaweit rund 35 bis 40 Millionen Packungsverifizierungen. Hochverfügbarkeit und niedrige Latenzzeiten seien ausschlaggebend gewesen. Unabhängig überprüfbar waren diese Leistungswerte auf der Veranstaltung nicht.

Ein Argument, das Bond in der Keynote mehrfach unterstrich: Oracle berechnet für Cloud-Dienste in Europa denselben Preis wie in den USA. Da der Rechenzentrumsbetrieb in Deutschland deutlich teurer sei, bedeute das für europäische Kunden einen erheblichen Kostenvorteil. Oracle beziffert die Einsparungen gegenüber Mitbewerbern auf 30 bis 50 Prozent – wohlgemerkt nach Eigenangaben, nicht unabhängig geprüft.

Tatsächlich zeigen öffentlich einsehbare Preislisten, dass AWS und Azure für die Region Frankfurt häufig höhere Listenpreise aufrufen als für US-Regionen. Ob die Oracle-Rechnung unter Berücksichtigung von Enterprise-Rabatten, Reserved Instances und Committed-Use-Modellen der Mitbewerber in dieser Höhe standhält, bleibt offen. Kunden sollten hier eigene TCO-Vergleiche anstellen.

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Neben der öffentlichen Cloud und der EU Sovereign Cloud stellte Oracle seine Dedicated Region und das Alloy-Modell vor. Die Dedicated Region ermöglicht es Unternehmen, die vollständige OCI-Infrastruktur inklusive SaaS, PaaS und IaaS im eigenen Rechenzentrum zu betreiben, ab drei Racks. Vodafone hat damit nach Oracle-Angaben 40 Rechenzentrumsstandorte in sechs Dedicated Regions konsolidiert, zwei davon in Deutschland.

Das Alloy-Modell setzt anders an: Partner können eigene Cloud-Angebote auf OCI-Basis aufbauen. Als Referenzen nannte Oracle die japanische Sovereign Cloud von Fujitsu und die Thai Cloud von AIS. Konzeptionell erinnert Alloy an Angebote der Konkurrenz wie AWS Outposts, Azure Stack oder Googles Distributed Cloud. Durch die vollständige SaaS-Verfügbarkeit hebt sich Oracle aber ab. Oracle betont, dass es sich bei allen Varianten technisch um exakt dieselbe Plattform handelt.

Ein weiterer Schwerpunkt war Oracles Multi-Cloud-Strategie. Das Unternehmen hat Teile seiner OCI-Infrastruktur direkt in Rechenzentren von Microsoft Azure, Google Cloud und AWS integriert. Oracle-Datenbankservices wie die Autonomous Database lassen sich dort nativ nutzen. Wer etwa Amazon Bedrock mit einer Oracle-Datenbank kombinieren will, muss keine Daten in eine andere Umgebung migrieren.

Passend dazu kündigte Oracle die Multi-Cloud Universal Credits an: ein einheitliches Verbrauchsmodell, das Oracle-Datenbankservices flexibel zwischen OCI, AWS, Azure und Google Cloud verschiebbar machen soll – ohne jeweils neue Vertragsverhandlungen. Die Idee klingt in Zeiten schnell wechselnder KI-Strategie, die zuletzt für ein starkes Umsatzwachstum im Cloud-Geschäft sorgten plausibel, wirft aber auch Fragen auf: Wie portabel sind Workloads in der Praxis wirklich, wenn sie auf Oracle-proprietäre Features wie die Autonomous Database angewiesen sind? Echte Multi-Cloud-Portabilität bleibt auch bei Oracle an das eigene Ökosystem gebunden.

Oracle begründet seine Leistungs- und Kostenargumentation mit grundlegenden Architekturentscheidungen. Anders als AWS und Azure setzt Oracle konsequent auf Bare-Metal-Instanzen: Workloads laufen direkt auf dedizierter Hardware ohne Hypervisor-Overhead – das soll besonders datenbankintensiven Anwendungen zugutekommen. Für die Netzwerkanbindung setzt Oracle sowohl auf RoCE (RDMA over Converged Ethernet) statt auf InfiniBand und kombiniert das mit der hauseigenen Acceleron-Architektur, um Verkabelungsaufwand bei großen GPU-Clustern zu reduzieren. Beide Entscheidungen haben allerdings auch Kehrseiten: Ohne Hypervisor entfällt die flexible Ressourcenverteilung zwischen Workloads, und ob RoCE bei sehr großen Cluster-Topologien mit dem Congestion-Management von InfiniBand mithalten kann, ist in der Branche umstritten.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete Oracles KI-Strategie. Mit der AI Data Platform will Oracle private Unternehmensdaten sicher mit generativen KI-Modellen verbinden, statt eigene Foundation Models zu entwickeln. Kernelement ist die Autonomous Database, die neben relationalen Daten auch Vektoren, JSON, Graph- und Spatial-Daten unterstützt und sich über offene Formate wie Apache Iceberg mit externen Datenspeichern verbinden lässt.

Der Ansatz, sich als Datenplattform für KI zu positionieren, statt im Wettlauf um eigene Modelle mitzumischen, ist nachvollziehbar: Die meisten Unternehmen kämpfen weniger mit der Verfügbarkeit von Modellen als mit der Integration und Governance ihrer eigenen Daten. Konkrete Referenzkunden aus dem deutschsprachigen Raum blieb Oracle allerdings schuldig.

Oracle präsentierte sich auf der AI World als relevante Alternative für Unternehmen mit hohen Anforderungen an Datensouveränität und Datenbankperformance. Die Sovereign-Cloud-Architektur, das einheitliche Pricing und die Multi-Cloud-Integration sind nachvollziehbare Unterscheidungsmerkmale gegenüber den drei großen Hyperscalern. Naturgemäß blieben die zentralen Versprechen auf einer solchen Marketingveranstaltung ungeprüft. Kunden sollten Kostenvorteile anhand eigener Workloads validieren und hinterfragen, wie portabel ihre Anwendungen tatsächlich sind, wenn sie tief in Oracle-proprietäre Features investiert haben.

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(fo)



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Nach Drohnenangriff: AWS schwört Nahost-Kunden auf lange Ausfallzeit ein


Der Iran-Krieg beeinträchtigt weiterhin den Betrieb von Amazon Web Services (AWS) in Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten: Bis die Dienste wieder regulär laufen, werden noch mehrere Monate vergehen, informierte Amazon jetzt seine Kunden. Drohnenangriffe auf zwei AWS-Rechenzentren Anfang März hatten verheerende Schäden verursacht. Betroffen ist die sogenannte AWS-Region „ME-CENTRAL-1 (UAE)“.

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Nach zwei Monaten informierte Amazon nun öffentlich auf einer Statusseite über die aktuelle Situation. Aufgrund der Schäden „infolge des Konflikts im Nahen Osten“ könne die Cloud-Infrastruktur die Kundenanwendungen derzeit zuverlässig zu unterstützen. „Obwohl einige Workloads weiterhin normal funktionieren, empfehlen wir unseren Kunden dringend, alle zugänglichen Ressourcen so schnell wie möglich in andere Regionen zu migrieren und nicht zugängliche Ressourcen aus Remote-Backups wiederherzustellen.“ Während AWS den Betrieb in der Region wiederherstellt, ist die Abrechnung bei den Kunden ausgesetzt. Die Arbeiten sollen voraussichtlich noch mehrere Monate dauern.

Zwei verschiedene Rechenzentren waren in den Vereinigten Arabischen Emiraten direkt von Drohnen getroffen worden, eine weitere Anlage in Bahrain ist durch einen Drohneneinschlag in der Nähe beeinträchtigt. Amazon sprach damals von „strukturellen Schäden“ durch die Einschläge. Demnach war die Stromversorgung zu dem Zeitpunkt eingeschränkt. Die Bekämpfung von Bränden habe teilweise Wasserschäden nach sich gezogen.

Auch anderswo wirkt sich der Iran-Krieg auf Amazons Geschäft aus. Online-Händler, die ihre Waren über Webseiten des Konzerns verkaufen, haben nun höhere Kosten. In den USA und Kanada erhebt Amazon seit 17. April einen Aufschlag von 3,5 Prozent auf seine Dritthändler-Gebühren für Verpackung und Zustellung von Waren (Fulfilled by Amazon, FBA). Grund sind die durch den Iran-Krieg gestiegenen Treibstoffpreise. In der Europäischen Union fallen die Amazon-Fulfillment-Gebühren aufgrund gesenkter Kraftstoffsteuern bei vielen Mitgliedsstaaten deutlich moderater aus.

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(nen)



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c’t-Webinar: KI-Schreibwerkzeuge geschickt wählen und effizient einsetzen


Gute Texte machen Arbeit. Es reicht nicht, ChatGPT und Konsorten mit mehr oder weniger passenden Prompts zu füttern, um wohlformulierte Schriftstücke zu erhalten. Viele Menschen, die beruflich mit Texten arbeiten treibt jedoch genau diese Frage um: Kann mir die gehypte künstliche Intelligenz einen Teil meiner täglichen Schreibarbeit abnehmen?

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Wenn man weiß, wie es geht, können KI-Schreibwerkzeuge tatsächlich auf vielfältige Weise unterstützen: Sie kürzen oder längen Texte, prüfen Grammatik, verbessern den Stil, fassen Inhalte zusammen oder übersetzen sie in eine andere Sprache. Dabei schlägt sich nicht jedes Tool in allen Aufgaben gleich gut. Unter Umständen benötigt man mehrere Anwendungen, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Und zu guter Letzt bleibt die Frage nach den Grenzen dieser Werkzeuge.

Referentin Dorothee Wiegand, langjährige c’t-Redakteurin und Autorin, zeigt in diesem praxisorientierten Webinar, wie Sie aus dem inzwischen riesigen Angebot für Ihren Arbeitsalltag passende Tools auswählen und diese gewinnbringend einsetzen. Zudem gibt die Referentin Hinweise, wie Sie die Ergebnisse der KI kritisch überprüfen und einordnen können. Im Fokus steht primär die Frage danach, wie die künstliche Intelligenz den Alltag sinnvoll und effizient unterstützen kann. Reinen Prompting-Budenzauber sucht man hier dagegen vergebens.

Die Referentin stellt exemplarisch Schreib- und Übersetzungswerkzeuge vor, insbesondere auch solche abseits von ChatGPT. Dabei geht sie sowohl auf die Möglichkeiten als auch die Einschränkungen der Tools ein. Wiegand entzaubert einerseits ein wenig die generative KI und zeigt andererseits, wie Sie im Alltag ganz praktisch mit KI-Werkzeugen an Texten arbeiten.

In diesem Webinar lernen Sie verschiedene Tools anhand konkreter Beispiele kennen. Sie gewinnen Sicherheit im Umgang mit KI-Textwerkzeugen, verstehen deren Möglichkeiten und Grenzen – und können danach fundiert entscheiden, welches Tool für Ihre Zwecke taugt.

  • Datum: 6. Mai 2026
  • Uhrzeit: 16:00 bis 18:30 Uhr
  • Preis: 69,00 Euro

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Für individuelle Fragen ist ausreichend Zeit eingeplant. Um am Livestream teilzunehmen, genügt ein aktueller Browser. Die Aufzeichnung und andere bereitgestellte Materialien lassen sich auch im Nachgang abrufen. Alle Informationen zur Veranstaltung und Anmeldung finden Sie auf der Webinar-Seite.


(abr)



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KI-Skandale, Modeberater und Bridges‘ Comeback – Fotonews der Woche 18/2026


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It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Es war keine gute Woche für die Jurys großer Fotowettbewerbe – und gleich zwei traditionsreiche Marken haben sich mit denselben Federn geschmückt: KI-Bilder, die niemand erkannt hat. Bei Hasselblad, einer Marke, die schon den Mond fotografiert hat, schaffte es ein Bild in die Shortlist der „Hasselblad Masters 2026“, auf dem ein Glas einer offensichtlich Coca-Cola-ähnlichen Limonadenflasche prangt – mit einem Etikett, das aussieht, als hätte ein Buchstabensuppen-Hersteller es entworfen. Das verräterische, kryptische Schriftgewirr ist mittlerweile so etwas wie das Markenzeichen generativer KI, und unter den 70 Finalisten fiel das prompt im Subreddit r/photography auf. Die Reaktion: über 600 Upvotes und entsprechend viel Spott.

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Hasselblad reagierte mit einer Stellungnahme, in der man „weitere Prüfungen“ und das Anfordern der RAW-Dateien ankündigte. Was bleibt, ist allerdings ein bitterer Beigeschmack: Die 69 anderen Finalisten – darunter etwa der Franzose Olivier Caune, dessen Stolz in den Kommentaren regelrecht untergeht – sehen sich nun reflexartigem Generalverdacht ausgesetzt. Pikant: Die Vorauswahl erfolgte intern bei Hasselblad, nicht durch die hochkarätige Grand Jury. Das macht es aber auch nicht besser.


Das Titelbild der Ausgabe 01 2026 des Foto-Magazins c't Fotografie

Das Titelbild der Ausgabe 01 2026 des Foto-Magazins c't Fotografie

(Bild: 

heise

)

Nur zwei Tage zuvor traf es Tokina. Das japanische Objektivunternehmen kürte seinen Jahressieger 2025 – und musste ihn nach einem Reddit-Aufschrei wieder zurückziehen. Auch hier deuten Indizien auf eine KI-Beteiligung: Das Bild des omanischen Fotografen Abu Elias enthielt das unsichtbare SynthID-Wasserzeichen von Google, das immer dann eingebettet wird, wenn Googles Tools wie Gemini Nano Banana Pro oder der Magic Editor zum Einsatz kommen. Ob das ganze Bild generiert oder ‚nur‘ der Himmel ausgetauscht wurde, ist unklar – ein Video desselben Fotografen vom selben Ort zeigt jedenfalls Tageslicht statt Sonnenuntergang. Tokina hat den Preis kommentarlos an Lee Nuttall weitergereicht und gelobt, künftig „zusätzliche Kontrollpunkte“ einzuführen. Vielleicht reicht es ja schon, wenn die Juroren beim Etikett auf der Limoflasche kurz die Lesebrille aufsetzen.

Dass KI-Bilder nicht nur Fotowettbewerbe in Bedrängnis bringen, zeigt eine kuriose Geschichte aus Südkorea: Ein 40-jähriger Mann wurde verhaftet, weil er ein KI-generiertes Bild des aus dem Daejeon-Zoo entlaufenen Wolfes „Neukgu“ verbreitet hatte. Das Bild zeigte das Tier angeblich an einer Straßenkreuzung, woraufhin die Stadtverwaltung eine Notfallwarnung an die Bevölkerung verschickte und das Foto sogar in einer Pressekonferenz verwendete. Die Polizei verlegte ihre Suche – und jagte einem Phantom hinterher. Auf die Frage, warum er das getan habe, antwortete der Mann: „Aus Spaß.“ Bis zu fünf Jahre Haft sind nun möglich. Der echte Wolf wurde übrigens nach neun Tagen an einer Autobahn gefangen und ist heute Anwärter auf den Posten des städtischen Maskottchens. Vielleicht erkennt man hier den entscheidenden Vorteil echter Fotografien: Auch ein echter Wolf kann posieren, aber wenigstens lässt sich demnach prüfen, ob es ihn gibt.

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Mehr Spielwiese für die KI gibt es indessen bei Google. Der Konzern stattet Google Photos im Sommer mit einer „Wardrobe“-Funktion aus, die alle Kleidungsstücke aus der Bildersammlung automatisch katalogisiert. Tops, Hosen, Schmuck, Schuhe – die KI sortiert, was sie findet, und stellt das digitale Sortiment in einem virtuellen Kleiderschrank zusammen. Mix-and-Match-Outfits lassen sich so erstellen, mit Freunden teilen und – das ist der eigentliche Clou – virtuell anprobieren. Google möchte damit die morgendliche Suche nach dem passenden Outfit überflüssig machen.

Interessant am Rande: Da die wenigsten Menschen Produktfotos ihrer eigenen Kleidung von oben aufnehmen, dürfte Google die Pieces aus den Fotos identifizieren und dann passende Bilder aus Google Images ziehen. Ob das Tool wirklich begeisterte Anwender finden oder eher in der langen Schlange der vergessenen Google-Features enden wird, wird sich ab dem Sommer auf Android zeigen, iOS folgt später.

Die Branchenzahlen für Februar 2026 [PDF] sind da, und sie zeichnen ein vertrautes Bild. Spiegellose Systemkameras legen bei den Stückzahlen gegenüber dem Vorjahr um 10 Prozent zu, Kompaktkameras sogar um 26 Prozent – der Boom hält also an. DSLRs hingegen sind weiter im Sinkflug: minus 50 Prozent bei den Einheiten, minus 56 Prozent beim Wert. Bei Objektiven liegt das Verhältnis Linse zu Body bei 1,6 – ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Die spannendste Zahl steckt aber im Boom der Kompakten: Wer hätte vor fünf Jahren gedacht, dass die totgesagte Klasse der Kompaktkameras ausgerechnet die Generation-Smartphone zurückerobert?

Zum Wochenausklang noch eine echte Freude für Analogfans: Die WideluxX F10, das Herzensprojekt von Schauspieler Jeff Bridges und seiner Frau Susan in Zusammenarbeit mit den SilvergrainClassics-Machern Marwan El Mozayen und Charys Schulder, ist jetzt vorbestellbar. Bridges, seit Jahrzehnten bekennender Widelux-Liebhaber, hatte 2024 angekündigt, die nach einem Brand im Panon-Werk verlorene Schwenkpanorama-Kamera neu auflegen zu wollen. Nun ist es so weit: 5.200 Euro kostet eines der 350 Exemplare aus der ersten Produktionsrunde, ausgeliefert wird in sechs bis acht Monaten.

Technisch bleibt die WideluxX dem Original treu: 26mm-Schwenkobjektiv mit Blende 2,8, drei Verschlusszeiten (1/15, 1/125, 1/250 s), 140 Grad Bildwinkel, fixer Fokusbereich von 1,5 Metern bis unendlich. Auf einem 36er-Film passen rund 21 Panoramen mit jeweils 24 x 58 Millimetern. Bei einem Preis, der nur unwesentlich über dem für gut erhaltene gebrauchte F8-Modelle liegt – aber mit zwei Jahren Garantie und individueller Gravur. 15 Minuten nach dem Verkaufsstart waren bereits 50 Stück verkauft. So sieht es aus, wenn Fotografie mal nicht von KI, sondern von echtem Filmtransport bewegt wird.

Wer sich nach so viel KI-Debatten nach echter Fotografie sehnt: Die WideluxX-Geschichte selbst ist ein Long Read wert. Auf der Website von SilvergrainClassics dokumentieren die Macher den Reverse-Engineering-Prozess und die Suche nach Ersatzteilen. Es ist eine schöne Erinnerung daran, dass hinter Kameras Menschen stehen – und nicht nur Algorithmen, die Coca-Cola-Etiketten kryptisch vor sich hin halluzinieren.

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(tho)



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