Künstliche Intelligenz
Pentagon: US-Militär über Standortdaten aus Smartphones ins Visier genommen
Das Pentagon hat erstmals eingestanden, dass kommerziell verfügbare Standortdaten benutzt werden, um Soldatinnen und Soldaten in einem Einsatzgebiet anzugreifen oder zu überwachen. In einer Antwort auf eine Anfrage des Senators Ron Wyden hat die für den Nahen Osten, Ostafrika und Zentralasien zuständige Teilstreitkraft erklärt, mehrere diesbezügliche Bedrohungsmeldungen erhalten zu haben. Das United States Central Command (CENTCOM) ist unter anderem für jene Truppen verantwortlich, die die Angriffe gegen den Iran führen. Aus der Antwort geht nicht hervor, um was für eine Bedrohung es sich handelt geht und welche Truppenteile betroffen waren. Wyden und andere Abgeordnete kritisieren, das US-Verteidigungsministerium vernachlässige den Schutz der Truppe.
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Wyden hatte unter anderem gefragt, ob es den Truppenangehörigen im Einsatzgebiet untersagt worden sei, persönliche Smartphones zu nutzen. Sollte das nicht der Fall sein, verlangte der Senator Auskunft über etwaige Maßnahmen, die verhindern, dass Standortdaten von diesen Geräten gesammelt und verkauft würden. In der Antwort vom 14. April erklärt das CENTCOM, dass es ein solches Verbot nicht gebe und die Empfehlung, die Sammlung von Standortdaten abzuschalten, nicht ausreichend sei. Die Soldatinnen und Soldaten sollten deshalb weitere Sicherheitsmaßnahmen umsetzen. Dabei geht es vor allem um Daten, die für Onlinewerbung gesammelt werden.
Problem seit Jahren bekannt
Wyden befürchtet, Feinde könnten Standortdaten nutzen, um Aufenthaltsorte und Bewegungsmuster von US-Truppen zu ermitteln und gezielte Angriffe mit Raketen, Drohnen oder Bomben durchzuführen. Dass gegnerische Staaten nach wie vor in der Lage seien, solche Daten aus Krisengebieten zu erwerben, „ist eine direkte Folge des Versäumnisses der Führung des Verteidigungsministeriums, dieser Bedrohung Priorität einzuräumen“. Es müssten empfohlene Cybersicherheitsmaßnahmen umgesetzt werden. Gleichzeitig kritisiert der demokratische Senator, dass man beim US-Verteidigungsministerium mindestens seit zehn Jahren um die Bedrohung wisse. Statt die mit der gebotenen Dringlichkeit zu behandeln, habe das Pentagon selbst solche Daten gekauft und die Industrie damit gestützt.
Der Politiker verweist auch auf eine Recherche des Bayerischen Rundfunks, von netzpolitik.org und Wired, in der es schon 2024 darum gegangen war, dass online zum Verkauf stehende Standortdaten Bewegungsprofile um militärische Einrichtungen in ganz Deutschland ermöglichen. Mit den Daten könnten etwa Wohnorte und Arbeitswege von Personen mit Zugang zu einer Kaserne rekonstruiert werden. Wyden fordert, dass die dem zugrundeliegende Datensammlung auf Geräten von US-Militärs deaktiviert werden müsse. Zugleich müssten Webbrowser von Firmen entfernt werden, deren Geschäft auf der Sammlung solcher Daten beruht. Das gilt primär für Chrome von Google. Gegenüber Reuters hat der Konzern versichert, über „branchenweit führende Sicherheitsmaßnahmen“ zu verfügen und sich für strengere Vorschriften einzusetzen.
Die mit den Werbe-IDs von Smartphones verbundene Datenschutzproblematik wird seit Jahren immer wieder thematisiert, geändert hat sich an den Praktiken aber nichts. Damit sollen eigentlich die Profile verschiedener Apps auf einem Gerät zusammengeführt werden, um die Werbung personalisieren zu können. Auch wenn die ID aber lediglich mit den Geräten und nicht mit Personen verknüpft ist, kann sie für die Überwachung eingesetzt werden, was auch schon lange getan wird. Wer damit die Bewegung eines Smartphones über Tage, Wochen, Monate oder gar Jahre nachverfolgen kann, kann den Benutzer oder die Benutzerin entanonymisieren. Sogenannte Datenbroker verkaufen solche Daten, zu den Kunden gehört beispielsweise auch die Bundesregierung.
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(mho)
Künstliche Intelligenz
Bericht: Tesla FSD-Sicherheit statistisch verzerrt – und Zulassung in Estland
Geht es nach Teslas Werbedarstellung, ist das überwachte teilautonome Fahren (FSD Supervised) etwa zehnmal sicherer als das Fahren ohne FSD. Ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, die sich auf verschiedene namentlich nicht genannte Tesla-Mitarbeiter beruft, zeichnet ein anderes Bild: Der Autohersteller von Elon Musk vergleiche Äpfel mit Birnen, sagen sie. Unterdessen wurde FSD Supervised nach den Niederlanden und Litauen jetzt mit Estland in einem weiteren EU-Land zugelassen.
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Laut dem Reuters-Bericht vergleiche Tesla FSD-Unfälle mit Airbag-Auslösung mit Unfalldaten der US-Bundesbehörden, die weit weniger schwere Unfälle ohne Auslösung der Airbags beinhalten. Würde die Airbag-Auslösung als Maßstab herangezogen werden, verringere sich die zusätzliche Sicherheit von FSD bereits von 10 zu 1 auf 3 zu 1.
Mitarbeiter berichten von Schwächen
Hinzu kommt laut dem Bericht, dass Tesla bei den Vergleichen das Fahrzeugalter ignoriert. Die eigene Flotte habe mit einem Durchschnittsalter von 4,1 Jahren alleine schon wegen der moderneren Sicherheitssysteme die Nase vorn – dies sei nicht ausschließlich FSD zuzuschreiben und verzerre damit die Statistik zugunsten von Tesla. Im US-Bundesschnitt sind Autos 12,8 Jahre alt. Weitere Kritik betrifft die Zählweise: Tesla werte nur Unfälle innerhalb von fünf Sekunden nach FSD-Abschaltung aus. Die US-Verkehrsbehörde NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) schreibe aber 30 Sekunden vor.
Neben den statistischen Verzerrungen will Reuters aber auch von Unzulänglichkeiten der FSD-Software erfahren haben. Die befragten Mitarbeiter arbeiten in der Auswertung von Videoaufnahmen und Datenaufzeichnungen der Fahrzeuge. Ihre Arbeit soll die eingesetzte KI der Fahrzeuge verbessern. So erkenne das System zum Beispiel Schulbusse nicht zuverlässig, die mit ausfahrbaren Stopp-Schildern und Warnlichtern das Überholen an Haltestellen unterbinden. Diese Hinweise würden ignoriert. Auch komme es vermehrt zu Problemen mit Einsatzfahrzeugen, Baustellen, die das Auto nicht richtig erkenne, und Fußgängern, die Zebrastreifen passieren.
Ständiges Streitthema im Netz
Über die Zuverlässigkeit von FSD findet in sozialen Netzwerken ein reger Austausch statt. Kritiker zeigen immer wieder Videos von Fahrzeugen, die Situationen nicht richtig erkennen und sich falsch verhalten. FSD-Befürworter kontern mit Aufnahmen, die zeigen, wie Verkehrsunfälle vermieden wurden und sich die Fahrzeuge geschmeidig in den Straßenverkehr einfügen. Tesla flankierte dies jeweils mit seiner Sicherheitsstatistik.
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Die Rohdaten legt das US-Unternehmen laut Reuters jedoch nicht offen. Auch mache es intern bestimmte Aufnahmen zur Geheimsache. Beinahe-Kollisionen mit Fußgängern würden etwa von ausgewählten Mitarbeitern ausgewertet, die sich „Trauma Team“ nennen.
Erheblicher Vorbereitungsaufwand für Robotaxi
Die mutmaßlichen Unzulänglichkeiten beträfen auch Teslas Robotaxi-Dienst im texanischen Austin. Dem Start seien nächtliche Streckenaufzeichnungen und hunderte Stunden Daten-Labeling vorausgegangen, während Musk behauptete, FSD funktioniere überall ohne Kartierung. Aktuell sollen außerdem nur 50 statt der avisierten 500 Fahrzeuge im Einsatz sein, teilweise immer noch begleitet von Sicherheitsfahrern.
In den USA laufen laut Reuters vier Untersuchungen der Verkehrsbehörden, in denen es um FSD oder die Autopilot-Funktion Teslas geht.
FSD Supervised jetzt auch in Estland
In Europa wurde FSD Supervised derweil nach den Niederlanden und Litauen in einem weiteren Land zur Benutzung freigegeben: Die Verkehrsbehörde in Estland teilte am Freitag mit, dass es die Typgenehmigung der niederländischen Straßenverkehrsbehörde RDW erkenne. In den Niederlanden hatte es vor der Zulassung umfangreiche Testreihen gegeben, in denen FSD Supervised seine Verlässlichkeit unter Beweis stellen musste. Für Deutschland gibt es aktuell noch keine Aussage dazu, ob FSD Supervised hier auch zugelassen wird.
(mki)
Künstliche Intelligenz
Sieben Millionen BMWs aus China: Neue-Klasse-Produktion ab Ende des Jahres
Das Joint Venture BMW Brilliance Automotive (BBA) hat an seinem Produktionsstandort im chinesischen Shenyang das siebenmillionste Fahrzeug gefertigt. Bei dem Jubiläumsfahrzeug handelt es sich um einen BMW 3er „Horse Edition“, wie die BMW-Group mitteilt. Seit dem Start der lokalen Produktion im Jahr 2003 hat BMW den Standort in der Provinz Liaoning zu einem der wichtigsten Produktions- und Innovationszentren des Konzerns weltweit ausgebaut.
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Der Konzern sieht den Meilenstein als Beleg für die Leistungsfähigkeit der lokalen Fertigung. „Seit über 30 Jahren sind wir tief in China verwurzelt. Der siebenmillionste BMW aus unserem Produktionsstandort in Shenyang ist ein bedeutender Meilenstein dieser Erfolgsgeschichte“ sagte Raymond Wittmann, Mitglied des Vorstands der BMW AG für Produktion. Er kündigte zudem an, dass mit dem Beginn der lokalen Produktion von Modellen der Neuen Klasse Ende des Jahres „eine neue Ära für BMW in China“ starte.
Der Standort Shenyang, der mehrere Werke umfasst, wird derzeit für die Serienproduktion der batterieelektrischen Neue-Klasse-Modelle umgerüstet. Rund 20 Milliarden Yuan, etwa 2,53 Milliarden Euro, fließen laut Berichten in die Modernisierung. Auch die Hochvoltbatterien für die neuen E-Modelle sollen lokal gefertigt werden, was BMW eine engere Kontrolle über Lieferketten und Kosten in seinem wichtigsten und dem weltweit größten E-Auto-Markt verschafft. Die Serienproduktion ist für 2026 vorgesehen.
KI und Digitalisierung in der Fertigung
BMW bezeichnet den Standort als globalen Kompetenzhub für intelligente Fertigung. Digitalisierungs- und KI-Technologien seien „umfassend in alle Produktionsprozesse“ integriert. Das umfasst laut dem Unternehmen unter anderem virtuelle Produktionsplanung, Echtzeit-Datenanalyse und KI-gestützte Qualitätskontrolle, etwa bei der Erkennung von Lack- oder Montagefehlern. Das Konzept dieses flexiblen, hochvernetzten Produktionssystems bezeichnet BMW als „BMW iFACTORY“.
BMW hält seit Februar 2022 eine Mehrheitsbeteiligung von 75 Prozent an BBA, zuvor lag das Verhältnis bei 50:50. Der Joint-Venture-Vertrag wurde bis 2040 verlängert. Seit 2010 hat BBA rund 105 Milliarden Yuan, etwa 13,31 Milliarden Euro, in den Standort investiert. China fungiert damit nicht nur als größter Einzelmarkt, sondern auch als Drehscheibe für Produktions- und Entwicklungskompetenzen, die sich auf andere asiatische Märkte übertragen lassen, von Batterietechnologie über softwarebasierte Fahrzeugarchitekturen bis zu schnelleren Modellzyklen für die Region.
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(fpi)
Künstliche Intelligenz
Lankeleisi Golf-X im Test: Klapprad-E-Bike mit tiefem Einstieg & 200 kg Zuladung
Das Lankeleisi Golf-X mit 200 kg Zuladung und kräftigem Heckmotor mischt Tiefeinsteiger, Fatbike und Klapprad zu einem ungewöhnlichen Gesamtpaket.
Klapprad, Lastenrad und Fatbike in einem? Das Lankeleisi Golf-X versucht den Spagat zwischen drei Fahrradgattungen. Obendrauf gibt es einen Tiefeinsteiger-Rahmen, einen Frontkorb sowie Sozius-Fußrasten. Damit schlägt es in eine ähnliche Kerbe wie das Fafrees F20 X Max (Testbericht).
Knapp 37,5 kg bringt das Golf-X auf die Waage. Trotzdem lässt es sich falten. Die maximale Zuladung von 200 kg gehört zu den höchsten, die uns je in einem Klapprad begegnet sind. Der 250-W-Heckmotor mit Drehmomentsensor liefert laut Hersteller bis zu 85 Nm – ordentlich für ein Pedelec. Der 960-Wh-Akku von Samsung verspricht Reichweiten, die manchen ausgewachsenen Tourer alt aussehen lassen. Allerdings gibt es rechtliche Bedenken. Die maximale Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h zeigt im Test Inkonsistenz und lässt sich zudem einfach entsperren.
Wir haben das ungewöhnliche E-Bike auf die Straße geschickt. Aktuell kostet das Golf-X ab etwa 1899 Euro direkt beim Hersteller.
Aufbau, Optik & Verarbeitung
Geliefert wird das Golf-X weitgehend vormontiert. Wir setzen Lenker, Vorderrad, vorderes Schutzblech, Bedieneinheit, Pedale, Fußstützen für den Gepäckträger und Frontkorb an – nach rund 45 Minuten ist das Bike fahrbereit. Werkzeug, Luftpumpe und ein Schloss liegen bei. Die englische Anleitung ist logisch bebildert. Auch ungeübte Nutzer kommen klar, das hohe Gewicht macht den Aufbau allerdings unhandlich.
Ebenfalls dabei: ein Gasgriff. Diesen sollte man weglassen, in Deutschland sind solche Hebel nur bis 6 km/h erlaubt.
Optisch ist das Golf-X ein Hingucker. Die metallic-glänzende Lackierung gibt es in Grau, Grün und Violett. Der massige Rahmen, der tiefe Einstieg und die 20-Zoll-Laufräder mit 4 Zoll breiten Fatbike-Reifen lassen das Rad im Alltag auffallen. Langgezogen und wuchtig steht es auf der Straße.
Lankeleisi Golf-X Bilder
Der Rahmen wirkt verwindungssteif. Bei 200 kg erlaubter Gesamtlast muss er das auch. Der Frontkorb trägt bis zu 20 kg. Die Kabel verlaufen sichtbar vom Lenker in den Rahmen – kaum anders machbar bei einem höhenverstellbaren Lenker. Die Kunststoff-Schutzbleche wirken funktional, aber nicht hochwertig. Frontkorb, Gepäckträger und Fußstützen aus Metall und Holz machen dagegen einen edlen Eindruck.
Falten lässt sich das Golf-X über ein Rahmengelenk, einen klappbaren Vorbau und einen einziehbaren Lenker. Die Pedale bleiben starr. Für das regelmäßige Pendeln mit der Bahn ist das Rad zu schwer. Das Hineinhieven in einen Kofferraum erinnert dank der knapp 37,5 kg an Kraftsport.
Lenker & Display
Der höhenverstellbare Aluminiumlenker sitzt auf einem klappbaren Vorbau. Daraus ergibt sich eine aufrechte, entspannte Sitzposition. Die breite Form sorgt für Kontrolle bei niedrigem Tempo. Wegen der hohen Fahrzeugmasse lenkt das Golf-X dennoch träge. Die ergonomisch geformten Handgriffe liegen gut in der Hand und bleiben auch auf längeren Touren komfortabel.
Mittig thront ein gut ablesbares Farb-LC-Display. Es zeigt Geschwindigkeit, Akkustand, Unterstützungsstufe, Kilometerstand und Durchschnittswerte. Die Bedieneinheit sitzt direkt am Lenker. Eine App gibt es nicht, die Unterstützungsstufen sind aber schnell erreichbar.
Heikel: Über einen langen Druck auf die Menütaste lässt sich die Geschwindigkeitsbegrenzung über die in Deutschland erlaubten 25 km/h hinaussetzen. Das ist hierzulande nicht zulässig. Noch kurioser wird es in der Praxis, selbst wenn das Limit korrekt auf 25 km/h steht. Hebt man das Hinterrad an und dreht die Pedale mit den Händen, zeigt das Display Geschwindigkeiten von 60, 70 oder sogar 80 km/h. Offenbar treibt der Motor auch oberhalb des eingestellten Limits minimal weiter an. Beim Fahren bemerkt man das nicht – die Kraft reicht nicht aus, das schwere Bike dann spürbar zu beschleunigen. Bei einer Polizeikontrolle könnte das zu Problemen führen. Die Beamten heben gerne das Hinterrad an und drehen die Pedale per Hand, um zu prüfen, wann abgeregelt wird.
Der LED-Frontscheinwerfer leuchtet hell und lässt sich im Winkel verstellen. Das Rücklicht arbeitet auch als Bremslicht. Schwächer fallen die Blinker aus. Sie sitzen seitlich links und rechts neben dem Hinterrad, sind aber zu tief montiert und leuchten zu schwach. Im Tagesverkehr sieht man sie kaum, in der Nacht funktionieren sie besser. Einen Dämmerungssensor gibt es nicht. Die Lichtanlage wird komplett über die Bedieneinheit gesteuert.
Fahren
Auf dem Golf-X sitzt man beinahe so bequem wie auf einem Sessel. Der tiefe Einstieg erleichtert das Auf- und Absteigen. Lenker und Sattel lassen sich in der Höhe an unterschiedliche Körpergrößen anpassen – auch größere Personen finden eine ergonomische Position. Die Federgabel mit 10 cm Federweg und die gefederte Sattelstütze nehmen zusammen mit den breiten Fatbike-Reifen viel Härte aus dem Untergrund. Auf Kopfsteinpflaster und schlechten Radwegen bleibt das Fahrverhalten ruhig.
Der 250-W-Heckmotor reagiert dank Drehmomentsensor direkt und natürlich. Kein künstliches „Luftpedalieren“ wie bei Modellen mit Trittfrequenzsensor. Die Hersteller-Angabe von 85 Nm Drehmoment macht sich beim Anfahren bemerkbar. An der Ampel zieht das Bike kräftig los, moderate Steigungen meistert es souverän. Wer mehr will, kann optional eine 1000-W-Version bestellen. Diese ist im deutschen Straßenverkehr allerdings nicht zulässig.
Geschaltet wird über eine Shimano-8-Gang-Schaltung. Der M315-Schalthebel und das M310-Schaltwerk arbeiten zuverlässig zusammen, eine KMC-Kette läuft über ein 52-Zahn-Kettenblatt. Das reicht für Stadt und moderate Steigungen. Eine hochwertige Trekking- oder MTB-Gruppe ist das nicht.
Die hydraulischen Vierkolben-Scheibenbremsen von Zoom mit 180-mm-Scheiben bringen das Bike sicher zum Stehen. Sie packen kraftvoll zu und lassen sich gut dosieren. Beim hohen Eigengewicht plus möglicher Zuladung von 200 kg ist das beruhigend.
Die Fatbike-Reifen mit 20 x 4,0 Zoll sorgen für Stabilität und guten Grip. Auf schlechten Wegen fühlt man sich pudelwohl. Auf glattem Asphalt zahlt man dafür mit einem höheren Rollwiderstand. In engen Kurven reagiert das Bike bei langsamem Tempo träge.
Spannend ist das Lastenrad-Konzept. Der Frontkorb trägt bis zu 20 kg, der gepolsterte Heck-Gepäckträger erlaubt 100 kg Zuladung und kommt mit Fußstützen für einen Sozius. Die Idee klingt charmant, in der Praxis ist die Personenmitnahme aber wenig vergnüglich. Der Holz-Rücksitz ist glatt und hart, eine Federung gibt es hinten nicht. Außerdem sitzen die Fußrasten für Erwachsene sehr hoch. Für kurze Strecken geht das, ein gemütlicher Ausflug zu zweit wird daraus nicht.
Akku
Im Rahmen steckt ein Samsung-Lithium-Ionen-Akku mit 48 V und 20 Ah. Das ergibt satte 960 Wh. Damit spielt das Golf-X in einer Liga mit dem Himiway Cobra (Testbericht) und schlägt viele Konkurrenten im selben Preissegment. Lankeleisi verspricht Reichweiten zwischen 120 und 150 km. Diese Werte entstehen unter idealen Bedingungen mit leichtem Fahrer und geringer Geschwindigkeit. Realistisch sind eher 40 bis 70 km – abhängig von Fahrergewicht, Temperatur, Streckenprofil und Fahrstil.
Das hohe Eigengewicht und die breiten Reifen kosten Energie, dafür belohnen sie mit Komfort. Zum Laden lässt sich der Akku entnehmen. Mit dem mitgelieferten 3-A-Ladegerät dauert eine volle Ladung grob sechs bis acht Stunden.
Preis
Das Lankeleisi Golf-X kostet aktuell 1899 Euro direkt beim Hersteller.
Fazit
Das Lankeleisi Golf-X ist ein E-Bike mit Charakter. Es vereint Tiefeinsteiger, Fatbike, Lastenrad und Klapprad zu einem ungewöhnlichen Mix. Der Spagat gelingt. Der kräftige Heckmotor mit Drehmomentsensor, die hydraulischen Vierkolben-Bremsen, die üppige Federung und der riesige 960-Wh-Akku machen Lust auf längere Touren. Der Rahmen wirkt stabil, die Verarbeitung ist solide, die Zuladung von 200 kg ist Klassenbestwert.
Seine Stärken spielt das Golf-X als komfortabler City-Cruiser mit Einkaufsfunktion aus. Auf schlechten Radwegen, mit Last im Frontkorb oder auf entspannten Ausflugstouren fühlt sich das Konzept richtig an. Als klassisches Klapprad zum Pendeln taugt es nicht. Dafür ist es schlicht zu schwer und zu sperrig. Auch der harte Holz-Sozius und die zu schwachen Blinker trüben das Bild leicht.
Heikel sind die Tuning-Option im Menü und das eigenartige Geschwindigkeits-Phänomen bei angehobenem Hinterrad. Alleine deswegen können wir einen Kauf für die Nutzung im deutschen Straßenverkehr nicht empfehlen. Wer diesem Risiko aus dem Weg gehen will, greift lieber zu unserem Testsieger Engwe L20 3.0 Pro (Testbericht).
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