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Rasterfahndung 2.0: Starke Zunahme der polizeilichen Gesichtserkennung


Die digitale Überwachung im öffentlichen Raum erreicht eine neue Dimension. Zahlen des Bundesinnenministeriums belegen einen deutlichen Anstieg bei der Nutzung des polizeilichen Gesichtserkennungssystems (GES). Im vorigen Jahr nutzten deutsche Behörden das beim Bundeskriminalamt (BKA) angesiedelte System deutlich häufiger zur Identifizierung von Personen als zuvor. Mit insgesamt rund 343.856 Suchläufen 2025 hat sich die Schlagzahl gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt.

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Die Kriminalämter von Bund und Ländern stechen laut einer Antwort von Innenstaatssekretär Christoph de Vries (CDU) auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Lea Reisner (Die Linke) hervor: 2024 generierten diese noch rund 121.000 Abfragen. Doch zuletzt schnellte der Wert 2025 auf über 313.500 Suchläufe hoch. Auch die Bundespolizei intensivierte die Nutzung und griff etwa 30.000 Mal auf die zentrale Fotodatenbank zu – ein Plus von rund 50 Prozent.

Das 2008 etablierte System dient offiziell als assistierendes Werkzeug, um die Identität von Tatverdächtigen oder Opfern zu klären. Das Verfahren basiert auf dem Abgleich von Bildmaterial aus Überwachungskameras oder Mobiltelefonen mit der Inpol-Datei. Darin lagern derzeit 7,6 Millionen Lichtbilder von etwa 5,4 Millionen Menschen.

Die Software codiert anatomische Merkmale eines Gesichts in ein mathematisches Template und vergleicht dieses sekundenschnell mit dem Bestand. Das Ergebnis ist eine nach Wahrscheinlichkeit sortierte Kandidatenliste. Resultate müssen im Anschluss von Lichtbildexperten manuell verifiziert werden.

Treiber ist die technische Modernisierung. Seit September 2024 setzt das BKA auf ein System, das auf Künstlicher Intelligenz (KI) basiert. BKA-Chef Holger Münch betonte die gesunkene Fehlerrate, die nun unter einem Prozent liege. Diese Effizienz hat personelle Konsequenzen: Durch den hohen Automatisierungsgrad plant das Amt, bis Ende 2026 etwa 50 Stellen aus der Gesichtserkennung abzuziehen. Nur die mit der KI-Verordnung der EU vorgeschriebene Endkontrolle bleibt als menschliches Korrektiv erhalten.

Die Bundespolizei verzeichnete eine hohe Erfolgsquote. Mit 5328 direkten Treffern führt sie die Liste der Identifizierungen an. Jeder sechste Suchlauf war erfolgreich. Experten führen dies auf den Einsatzschwerpunkt an den Binnengrenzen und die Migrationskontrolle zurück.

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Da mehr als die Hälfte der in Inpol gespeicherten Personen Asylsuchende oder Menschen mit abgelehntem Status sind, ist die Trefferwahrscheinlichkeit in dieser Gruppe mathematisch weitaus höher. Bei den Kriminalämtern fiel die Zunahme der Identifizierungen mit 1833 Fällen moderater aus. Hier verdoppelte sich aber die Zahl der „Ermittlungshinweise“ – Informationen über Ähnlichkeiten ohne direkten Treffer – auf rund 22.000.

Auftrieb erhält die Fahndung durch mobile Einsatzoptionen. Eine von der hessischen Polizei entwickelte App ermöglicht es Streifenbeamten, Gesichter direkt vor Ort per Smartphone mit dem GES des BKA abzugleichen.

Rechtswissenschaftler warnen: Da Menschen aus sozioökonomisch schwachen Schichten oder Personen, die als ausländisch wahrgenommen werden, häufiger kontrolliert würden, landeten sie überproportional oft in Inpol. Bei künftigen Delikten würden sie so mithilfe von Gesichtserkennung mit höherer Wahrscheinlichkeit identifiziert.


(wpl)



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Künstliche Intelligenz

CERN-Rat beschließt Strategie-Update: FCC-ee soll LHC-Nachfolger werden


Das europäische Kernforschungszentrum CERN hat einen wegweisenden Schritt in Richtung seiner wissenschaftlichen Zukunft unternommen: Der CERN-Rat hat am 22. Mai 2026 die europäische Strategie für Teilchenphysik aktualisiert und dabei den „Electron-Positron Future Circular Collider“ (FCC-ee) als bevorzugtes nächstes Großprojekt empfohlen. Das Strategie-Update war im März 2024 eingeleitet worden und stützt sich auf 263 schriftliche Eingaben aus der weltweiten Teilchenphysik-Community. Die Empfehlungen der Europäischen Strategiegruppe wurden dem CERN-Rat im Dezember 2025 vorgelegt und bilden die Grundlage des nun verabschiedeten Beschlusses.

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Von größtem Interesse bei dieser Langzeitplanung ist das Higgs-Boson. Seit seiner Entdeckung am LHC im Jahr 2012 gilt es als zentrales Werkzeug, um offene Fragen zur Struktur und Entwicklung des Universums zu beantworten. Der FCC-ee würde laut CERN das breiteste Erkundungsprogramm in der Grundlagenphysik bieten – mit herausragendem Entdeckungspotenzial rund um das Higgs-Boson und weitere Elementarteilchen sowie Möglichkeiten zur Entdeckung neuer Physik jenseits des Standardmodells.

Höchste Priorität auf mittlere Sicht hat dem Strategie-Update zufolge jedoch zunächst die vollständige Ausschöpfung des wissenschaftlichen Potenzials des bestehenden LHC durch den Abschluss seiner Hochluminositäts-Upgrades (HiLumi LHC). Der LHC soll bis 2041 in Betrieb bleiben.

Der FCC-ee wäre ein gewaltiges Infrastrukturvorhaben: Bereits 2019 hatte CERN das Konzept vorgestellt – ein ringförmiger Beschleuniger in einem rund 91 km langen Tunnel, rund 200 Meter unter der Erde, mit einem Umfang fast so groß wie das Genfer Becken. Zum Vergleich: Der LHC kommt auf lediglich 27 km Umfang.

Der Grund für die schiere Größe liegt in der Physik: Elektronen und Positronen verlieren beim Durchlaufen von Kurven Energie in Form von Synchrotronstrahlung – je kleiner der Ringradius, desto größer dieser Verlust. Um höhere Kollisionsenergien wirtschaftlich darstellbar zu machen, muss der Ring also zwingend größer werden. Wie der hauseigene CERN Courier berichtet, ist der FCC-ee als Doppelring-Collider mit vier Wechselwirkungspunkten geplant. Er soll Schwerpunktenergien von bis zu 365 GeV erreichen soll – deutlich mehr als die 209 GeV, die sein Vorgänger LEP maximal erzielte. Als Higgs-, Elektroschwach- und Top-Quark-Fabrik soll er in 15 Betriebsjahren unter anderem rund 6 × 10¹² Z-Bosonen, fast 3 × 10⁶ Higgs-Bosonen und 2 × 10⁶ Top-Quark-Paare erzeugen.

In einem zweiten Schritt könnte im selben Tunnel ein Hadronen-Beschleuniger (FCC-hh) mit Kollisionsenergien von bis zu 100 TeV folgen – mehr als siebenmal so viel wie der LHC in seiner finalen Ausbaustufe erreicht. CERN-Generaldirektor Mark Thomson betonte, der FCC-ee würde durch „ultra-präzise Messungen des Higgs-Bosons und anderer Elementarteilchen“ das Wissen über die fundamentalen Bausteine des Universums vertiefen.

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Die abgeschlossene Machbarkeitsstudie zum FCC kommt zu dem Ergebnis, dass der FCC-ee „technisch bereit für den Bau“ ist – sie war im März 2025 veröffentlicht und im November 2025 vom CERN-Rat geprüft worden.

Die Finanzierung bleibt die größte Herausforderung. Die Kosten für die erste Projektphase werden auf rund 16 Milliarden Euro beziffert. Im Dezember 2025 hatten mehrere IT- und Internetmilliardäre insgesamt 860 Millionen Euro zugesagt – darunter die Stiftung von Ex-Google-CEO Eric Schmidt, der französische Internetmilliardär Xavier Niel, der italienische Unternehmer John Elkann und die Breakthrough Prize Foundation.

Der CERN-Rat hat das Management nun beauftragt, Gespräche mit relevanten Behörden und Institutionen in den Mitglieds- und assoziierten Mitgliedstaaten sowie mit der Europäischen Union aufzunehmen, um einen finanziell tragfähigen Finanzierungsplan zu entwickeln. Jährliche Berichte sollen die nationalen Entscheidungsprozesse unterstützen. Auch öffentliche Konsultationen in den CERN-Gastgeberstaaten Frankreich und Schweiz sind vorgesehen.

Eine Entscheidung der CERN-Mitgliedstaaten und internationaler Partner wird um 2028 erwartet. Mehrere Quellen, darunter eine aktuelle Studie im Fachjournal „Frontiers in Physics“, nennen übereinstimmend Mitte bis Ende der 2040er-Jahre als anvisierten Betriebsstart des FCC-ee – nahtlos anschließend an das Ende der LHC-Ära.

Ratspräsident Costas Fountas zeigte sich zuversichtlich: Die Teilchenphysik-Community und der CERN-Rat seien sich einig, dass der FCC-ee das bevorzugte Flaggschiff-Projekt sei, um CERNs weltführende Rolle in der Beschleunigerphysik in den kommenden Jahrzehnten zu sichern.

Welche Entdeckungen ein solcher Collider ermöglichen könnte, deutet bereits die aktuelle Forschung am LHC an: Erst im März 2026 meldete die LHCb-Kollaboration die Entdeckung eines neuen, protonenähnlichen Teilchens.

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(vza)



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Taskforce sieht keine Knappheit bei Kerosin


Die nach dem Beginn des Iran-Kriegs eingesetzte Taskforce der Koalition sieht die Versorgungslage in Deutschland als stabil an. „Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet“, sagte der Co-Vorsitzende Sepp Müller (CDU). Der Sommerurlaub sei sicher. Die Abgeordneten tauschten sich mit Vertretern der Logistikbranche, der chemischen Branche und der Luftverkehrsbranche über die aktuelle Lage aus, wie der Co-Vorsitzende Armand Zorn (SPD) in Berlin sagte. „Im Moment haben wir kein Problem mit der Versorgungssicherheit“, sagte Zorn.

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Sorgen gab es zuletzt wegen einer möglichen Kerosinknappheit. Zorn sagte nun: „Wir haben eine Preisfrage, aber keine Mengenfrage.“ Die Lage sei aber sehr dynamisch. Es gehe darum, beispielsweise in der chemischen Industrie bei Helium, Aluminium, Schwefel oder Düngemittel, dafür zu sorgen, dass die Lieferketten langfristig gesichert seien.

Noch keine Entscheidung gibt es zu einer möglichen Verlängerung des Tankrabatts über Ende Juni hinaus. Zorn hatte sich bereits ablehnend dazu geäußert. Es müsse vielmehr über einen Spritpreisdeckel nachgedacht werden. Einen solchen lehnt aber etwa Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ab. Die seit Anfang Mai geltende Senkung der Energiesteuer für Kraftstoffe soll die Spritpreise in der Summe um 16,7 Cent verringern. Nach Angaben der Monopolkommission wird der Tankrabatt an der Zapfsäule weitgehend weitergegeben.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte gesagt, der Tankrabatt scheine zu wirken: „Und wenn es nicht anders geht, könnte ich mir vorstellen, dass wir darüber diskutieren müssen, ihn zu verlängern.“ Dies hänge von der Preissituation ab. Müller sagte: „Wir scouten und schauen uns die ganze Zeit die Lage an.“ Aktuell sei vereinbart, den Tankrabatt am 30. Juni auslaufen zu lassen. „Ob es darüber hinaus ein weiteres Maßnahmenpaket bedarf, das wird die Lage dann zeigen.

Zorn sagte zu Verstößen gegen die 12-Uhr-Preisregel, die Landesbehörden seien in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass geltendes Recht eingehalten werde. Einer Untersuchung zufolge halten sich Tausende Tankstellen nicht an die Vorschrift. Die Regel gilt seit dem 1. April und schreibt vor, dass Tankstellen nur einmal am Tag – um 12.00 Uhr mittags – die Preise anheben dürfen. Verstöße können laut Gesetz mit einer Geldbuße bis zu einhunderttausend Euro geahndet werden.

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(nie)



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Google Pics und Tiger-Selfies – die Fotonews der Woche 21/2025


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It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Wenn Technologiegiganten wie Google ihre jährlichen Entwicklerkonferenzen abhalten, ist das meist der Moment, in dem sie versuchen, uns zu zeigen, wie die Zukunft aussehen soll. Auf der Google I/O 2026 war das nicht anders – und für Fotografen und Kreative gab es dabei tatsächlich etwas Spannendes zu sehen: Google Pics, ein neues KI-gestütztes Bildbearbeitungswerkzeug, das verspricht, endlich das größte Problem der KI-Bilderzeugung zu lösen.

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Das Titelbild der Ausgabe 03 2026 des Foto-Magazins c't Fotografie

Das Titelbild der Ausgabe 03 2026 des Foto-Magazins c't Fotografie

(Bild: 

heise

)

Wer schon mal mit KI-Bildgeneratoren gespielt hat, kennt das Problem: Man tippt eine Beschreibung ein, wartet gespannt – und bekommt ein Bild, das zu 90 Prozent genau das ist, was man wollte. Nur leider trägt die Person die falsche Farbe, der Hund schaut in die falsche Richtung, oder der Text im Bild ist unleserlich. Und dann? Zurück auf Los, neuer Versuch, wieder würfeln. Google Pics will genau das nun ändern.

Das neue Tool, das auf dem hauseigenen Nano-Banana-Modell basiert, erlaubt es, einzelne Objekte in einem generierten oder hochgeladenen Bild auszuwählen und gezielt zu bearbeiten – ohne das ganze Bild neu generieren zu müssen. Man kann Objekte verschieben, ihre Größe ändern oder sogar komplett transformieren: aus einem roten Pullover wird ein blauer, aus einer Katze ein Hund. Auch Text lässt sich direkt im Bild bearbeiten oder in andere Sprachen übersetzen, wobei Schriftart und Design erhalten bleiben. Das klingt nach einem echten Fortschritt – und könnte tatsächlich den Unterschied machen zwischen „nett, aber unpraktisch“ und „das benutze ich wirklich“. Google Pics wird zunächst nur für ausgewählte Tester verfügbar sein, ab Sommer 2026 dann für zahlende Abonnenten der Google AI Pro und Ultra Pläne sowie für Workspace-Geschäftskunden. Später soll das Tool auch direkt in Google Slides und Drive integriert werden. Ob es hält, was es verspricht, wird sich zeigen – aber die Idee, KI-Bildbearbeitung weniger zufällig und mehr kontrollierbar zu machen, ist längst überfällig. Lesen Sie auch unseren Kommentar zur Google I/O.

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Während Google versucht, Bilder mit KI zu perfektionieren, zeigt ein Video aus Thailand [Video auf X], wie weit manche Menschen für das ‚perfekte‘ Foto gehen – und welchen Preis andere dafür zahlen. Ein kürzlich viral gegangenes Video zeigt einen amerikanischen Touristen, der für über 200 Dollar ein Foto mit einem Tiger auf seinen Schultern machen lässt. Die Szene ist verstörend: Der Mann sitzt sichtlich verängstigt auf einem Stein, während Tierpfleger das riesige Raubtier auf ihn lenken. Die Pfleger selbst wirken nervös, lassen das Tier nie länger als ein paar Sekunden allein – gerade genug Zeit für ein paar Aufnahmen.

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Solche Foto-Shootings sind in Thailand leider keine Seltenheit. Orte wie Tiger World Thailand oder Tiger Kingdom in Phuket bieten Touristen die Möglichkeit, gegen Bezahlung mit Tigern zu posieren – oft mit der Behauptung, das Geld fließe in den Artenschutz. Die Realität sieht anders aus: Laut der Environmental Investigation Agency (EIA) werden die Tiere unter oft grausamen Bedingungen gehalten. Tigerbabys werden bereits nach zwei bis drei Wochen von ihren Müttern getrennt, damit diese schneller wieder trächtig werden können. Die Jungtiere werden dann den ganzen Tag von Tourist zu Tourist gereicht, oft hunderte Male täglich. Vielen werden die Krallen entfernt, damit sie keine zahlenden Kunden verletzen können. Sobald sie zu groß oder zu widerspenstig werden, verschwinden sie aus dem Fotobusiness – und landen in viel zu kleinen Käfigen.

Im vergangenen Jahr wurde ein Tourist in Phuket von einem Tiger angegriffen, als er für ein Foto posierte. Kein Wunder, dass die Pfleger so nervös sind. Die EIA rät dringend davon ab, solche Einrichtungen zu besuchen. Auch wenn das Foto auf Instagram gut aussehen mag – es ist Teil eines Systems, das Tiere ausbeutet und quält. Mehr zu dieser dunklen Seite des Foto-Tourismus findet sich in diesem ausführlichen Bericht [PDF].

Von der Gegenwart in die Vergangenheit: In Marseille zeigt das Centre Photographique noch bis September eine bemerkenswerte Ausstellung. „Photo Kegham de Gaza“ präsentiert die Arbeit von Kegham Djeghalian Sr., der 1944 das erste professionelle Fotostudio in Gaza gründete. Als Überlebender des armenischen Völkermords dokumentierte er fast 40 Jahre lang das Leben in der Stadt – Porträts, Hochzeiten, Alltag.

Sein Enkel, Kegham Djeghalian Jr., entdeckte 2018 drei Kisten voller Negative und Dokumente im Schrank seines Vaters in Kairo. Statt die Bilder chronologisch zu ordnen oder mit detaillierten Beschriftungen zu versehen, entschied er sich für einen anderen Ansatz: Die Fotos werden bewusst ohne genaue Angaben gezeigt – als „unmade archive“, ein offenes, unabgeschlossenes Archiv. Besucher sollen die Bilder auf sich wirken lassen, ohne durch Daten und Fakten in eine bestimmte Lesart gedrängt zu werden. Es ist das erste Mal, dass diese Sammlung in Frankreich zu sehen ist, und sie ist Teil der Saison Méditerranée sowie des Grand Arles Express. Mehr zur Ausstellung gibt es hier und hier.

Ebenfalls ein Ereignis für Fotoliebhaber: Die Hayward Gallery in London kündigt für November 2026 eine große Einzelausstellung von Nan Goldin an. „You Never Did Anything Wrong“ wird ihre erste institutionelle Ausstellung in Großbritannien seit 2002 sein. Goldin, die seit den 1970er-Jahren das Leben queerer Gemeinschaften, Beziehungen und Sucht dokumentiert, hat die Fotografie grundlegend verändert – indem sie die Distanz zwischen Beobachter und Beobachtetem aufhob und ihr eigenes Leben radikal offen zeigte.

Die Ausstellung läuft vom 24. November 2026 bis 7. März 2027 und rundet das 75-jährige Jubiläum des Southbank Centre ab. Goldin gilt als eine der einflussreichsten Fotografinnen der Gegenwart, und ihre Arbeit ist nicht nur künstlerisch bedeutend, sondern auch politisch – sie ist Gründerin der Aktivistengruppe P.A.I.N., die gegen die Opioid-Krise kämpft. Mehr zur Ausstellung gibt es bei FAD Magazine und Amateur Photographer.

Wer ohnehin in London ist – oder eine Reise plant –, sollte sich das Programm des Southbank Centre genauer ansehen – Skater sollten ihr Board nicht vergessen. Neben der kommenden Nan-Goldin-Ausstellung gibt es dort das ganze Jahr über Konzerte, Performances, Kunstinstallationen und kostenlose Veranstaltungen. Ein Besuch lohnt sich auch ohne konkretes Ziel: Die Architektur, die Themse-Lage und die lebendige Atmosphäre machen das Zentrum zu einem Ort, an dem man gut ein paar Stunden verbringen kann. Mehr zum Programm findet sich auf der offiziellen Website.

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(tho)



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