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Top 10: Das beste Klapprad-E-Bike im Test – Preis-Leistungs-Sieger kostet 799 €
Engwe P20
Das Engwe P20 bietet einen 250-Watt-Motor mit Drehmomentsensor und Karbonriemenantrieb sowie innovative Rücklichter mit integrierten Blinkern und Bremsleuchten. Wie gut sich das Klapprad fährt, zeigt der Test.
- 250-Watt-Motor mit Drehmomentsensor, wendig und leicht
- Beleuchtung mit Bremslicht und Blinker
- fast wartungsfreier Karbonriemenantrieb
- Single-Speed-Karbonriemenantrieb
- für Personen über 190 cm nicht optimal
- erfüllt nicht ganz die StVZO
E-Bike Engwe P20 im Test
Das Engwe P20 bietet einen 250-Watt-Motor mit Drehmomentsensor und Karbonriemenantrieb sowie innovative Rücklichter mit integrierten Blinkern und Bremsleuchten. Wie gut sich das Klapprad fährt, zeigt der Test.
Klappbare E-Bikes sind aufgrund ihrer kompakten Abmessungen im zusammengefalteten Zustand leicht im Auto oder Zug transportierbar. Viele Exemplare wie das Engwe L20 sind mit dicken, profilstarken Reifen bestückt und bieten vor allem Winter bei schneebedecktem Untergrund besseren Halt als normalbereifte Falträder. Dafür sind letztere leichter und besonders praktisch, wenn das Rad mit Auto oder Zug transportiert werden soll.
Mit dem P20 hat Engwe nun ein solches im Angebot: Es ist mit 18,5 kg für ein E-Bike relativ leicht und wird von einem 250 Watt starken Motor mit Drehmomentsensor angetrieben. In Kombination mit einem 345-Wh-Akku soll die Reichweite bis 100 km betragen. Eine Gangschaltung bietet das Rad nicht, dafür aber einen bis zu 33.000 km wartungsfreien Karbonriemenantrieb. Außerdem gibt es Vorder- und Rücklicht, die der integrierte E-Bike-Akku zum Leuchten bringt und nicht, wie häufig bei günstigen Rädern der Fall, von einer eigenen Batterie mit Strom versorgt werden muss. In den Rücklichtern sind obendrein Blinker und Bremsleuchten integriert. Für einen schnellen Halt sollen die hydraulischen Bremsen sorgen.
Obendrein eignet sich das Engwe P20 mit einer Zuladung von 120 km auch für relativ schwere Personen, was im E-Bike-Bereich inzwischen allerdings keine Seltenheit mehr ist.
Engwe verkauft das P20 in den Farben Grün, Schwarz und Weiß zum Preis von 999 Euro. Mit dem Code DeliaKOL50OFF reduziert sich der Preis auf 899 Euro. Wie gut das Engwe P20 in der Praxis funktioniert, zeigt der Test.
Wie wird das Enge P20 montiert und wie ist es verarbeitet?
Geliefert wird Engwe P20 teilmontiert in einem großen Karton. Das zur Montage nötige Werkzeug ist im Lieferumfang enthalten. Damit das E-Bike während des Transports keinen Schaden nimmt, schützt Engwe das Rad mit vielen Schaumstoffelementen, die mit Kabelbindern ordentlich an den sensiblen Stellen montiert sind. Deshalb dauert es auch einige Minuten, bis man diese entfernt hat und die Montage beginnen kann.
Das englischsprachige Handbuch beschreibt den Aufbau nur ungenau. Der Einbau des Vorderrads ist zwar prinzipiell kein Problem. Damit aber die Vorderradbremse nicht schleift, haben wir bei unserem Modell die Unterlegscheibe zwischen Radnabe und Fahrradgabel montiert (siehe Bildergalerie). Das zeigt auch eine Grafik im Handbuch, wenn auch nur sehr grob. Textlich wird dieses wichtige Montagekriterium im Handbuch nicht erläutert.
Das Gleiche gilt für eine magnetische Scheibe, die an der Vorderradachse außen montiert werden muss, damit das Rad im zusammengeklappten Zustand mit dem am hinteren Rad vormontierten Magneten fixiert wird, sodass es beim Schieben nicht auseinanderläuft. Über diesen Sachverhalt steht nichts im Handbuch. Lediglich auf Produktseite im Shop des Herstellers ist von einem Magneten die Rede. Daher hatten wir das Rad zunächst ohne diese Vorrichtung montiert. Das nachträglich Anbringen ist hingegen kein Problem. Hierfür demontiert man die entsprechende Schraube an der Vorderachse, steckt den Magneten auf, dreht die Schraube aber noch nicht fest. Jetzt klappt man das Rad zusammen und überprüft dabei, in welcher Position der Magnet am Vorderrad montiert werden muss, damit er den am hinteren Rad vormontierten genau trifft (siehe Bildergalerie).
Andere, nahezu selbstverständliche Montageschritte, wie das Anbringen der Pedale, erklärt das Handbuch hingegen genau. Im Übrigen war bei unserem Rad der Gepäckträger über dem hinteren Rad bereits vormontiert, während im Handbuch von einem Gepäckträger nicht die Rede ist.
Der Aufbau hat bei uns etwa eine halbe Stunde gedauert, zuzüglich 15 Minuten für die Demontage der Schaumstoffeinlagen zum Schutz des Rads. Vor der ersten Fahrt ziehen wir alle Schrauben nach und pumpen die Reifen auf. Wir empfehlen für die Fahrt einen Helm, die es auch in smart gibt. Bei der Auswahl hilft unsere Top 5: Die besten smarten Fahrradhelme mit Blinker, Bluetooth & Musik im Test.
Optisch ist das Engwe P20 ein echter Hingucker, vor allem mit der mintgrünen Lackierung. Sie ist im Alltag nur selten an einem Rad zu sehen und sorgt für einen starken Kontrast zu den ansonsten in Schwarz gehaltenen Elementen wie Lenkrad, Lenkstange, Sitz, Räder, Karbonriemenantrieb und Gepäckhalterung.
Ansonsten ist das 18,5 kg leichte Engwe P20 ordentlich verarbeitet, auch wenn die Schweißnähte nicht so sauber abgeschliffen sind wie bei teureren E-Bikes. Das Kabelmanagement hinterlässt einen aufgeräumten Eindruck. Zur guten Optik tragen auch die im Rahmen integrierte Vorderleuchte sowie die Rückleuchten mit integrierten Bremslichtern und Blinkern bei. Letztere sind übrigens seit Kurzem erlaubt.
Wie ergonomisch ist das Engwe L20?
Der etwa 62 cm breite Lenker ist kaum gebogen. Die Griffe sind ergonomisch geformt und bieten eine Auflagefläche für die Handballen. Die Klingel sitzt praktisch erreichbar am rechten Bremsgriff. Dank höhenverstellbarem Sattel und Lenker können Personen mit einer Größe zwischen 155 und 190 cm eine ergonomische Sitzposition auf dem Rad finden. Für kleinere oder größere Radler ist das Engwe L20 hingegen weniger gut geeignet.
Welche Funktionen bietet das Bedienpanel?
Mit dem kleinen Bedienpanel neben dem linken Griff können Anwender den Motor aktivieren und zwischen drei Unterstützungsstufen wählen. Außerdem zeigt es Geschwindigkeit, zurückgelegte Wegstrecke und Akkustatus an.
Das Display ist relativ klein, hintergrundbeleuchtet und auch bei Sonne noch ausreichend gut ablesbar. Einen USB-A-Anschluss zum Aufladen von Smartphones bietet es leider nicht. Die Steuereinheit des Fahrrad-Computers sitzt auf der linken Seite des Lenkers. Damit kann der Fahrer über Plus- und Minustaste am unteren Rand die Unterstützungsstufe (1–3) des Motors einstellen und das Licht über ein langes Drücken auf die Plus-Taste ein- und ausschalten. Das Frontlicht ist ausgesprochen hell, hat aber den Nachteil, dass es starr montiert in Kurven den Weg nicht optimal ausleuchtet und nur etwa drei Meter weit leuchtet. Bei Nacht sollte man dementsprechend vorsichtig fahren.
Mit dem Bedienpanel kann man zudem noch einen Passwortschutz aktivieren. Hierzu drücken wir die M-Taste kurz nach dem Einschalten mehrere Sekunden. Dann öffnet sich das Einstellungsmenü, das standardmäßig die Optionen Unit, AutoOf, Wheel, Passwo, Batter, Info und P-Set bietet. Unter AutoOf kann man die Zeit definieren, nach deren Ablauf sich das Rad ausschaltet. Zur Auswahl stehen 5, 10, 15, 20, 30 und 60 Minuten. Unter Unit kann man Anzeige von km/h auf mph umstellen. Und mit Passwo können Anwender eine vierstellige Ziffernfolge festlegen, die nach Aktivierung beim Einschalten eingegeben werden muss, damit der Motor aktiv ist. Die Menüoptionen Batter, Wheel und Info zeigen nur Details zu den jeweiligen Einstellungen, können aber nicht verändert werden.
Bilder: Engwe P20
Wie wird der Blinker aktiviert?
Neben dem Haupt-Bedienpanel gibt es zwei Pfeil-Tasten, mit denen man die beiden Blinker links und rechts aktiviert. Leider gibt es an den Tasten kein optisches Feedback, die signalisieren, ob eine Fahrtrichtungsanzeige aktiv ist. Die Blinker hören auch nicht nach einer bestimmten Zeit auf zu leuchten. Man muss die entsprechende Taste nach dem Abbiegevorgang erneut drücken, um den Blinker auszuschalten.
Wie wird das Licht eingeschaltet?
Das Einschalten der Beleuchtung erfolgt über die Plus-Taste, mit der man auch die Unterstützungsstufe des Motors auswählt. Statt die Taste nur kurz zu drücken, um etwa eine höhere Unterstützungsstufe festzulegen, drückt man sie zur Aktivierung der Beleuchtung mehrere Sekunden. Ein nochmaliges langes Drücken schaltet das Licht wieder aus.
Wie fährt sich das Engwe P20?
Ein Klapp-E-Bike mit 20-Zoll großer Bereifung fährt sich natürlich nicht so bequem wie ein großes Rad mit Federung. Auch gegenüber kleinen E-Bikes mit dicker Bereifung wie dem Enge L20 (Testbericht) spürt man beim P20 nahezu jede Fahrbahnunebenheit. Für Ausflüge ins Gelände oder auf Waldwege ist das P20 somit nur bedingt geeignet. Auch auf unebenen Fahrbahnen wie gepflasterten Straßen wird man mit dem P20 ordentlich durchgeschüttelt.
Spaß beim Fahren stellt sich also erst ein, wenn das Rad auf einen ebenen und optimal asphaltierten Untergrund trifft. Dann ist das P20 komfortabel und dank seiner Wendigkeit auch bei unvorhergesehenen Ereignissen sicher zu steuern. Dazu tragen auch die hydraulischen Scheibenbremsen mit einem Durchmesser von 160 mm bei, die das Engwe schnell zum Stehen bringen, ohne dass dabei die Bremswirkung eine aus dem Sattel hievt. Hinterher fahrende Verkehrsteilnehmer können dabei die beiden Bremsleuchten gut sehen und so auf den Bremsvorgang des Vordermanns gut reagieren.
Dankbar sind wir auch über die montierten Schutzbleche aus Plastik, die bei nasser Fahrbahn vor Spritzer an der Kleidung schützen. Und dank des leisen Motors und des Karbonriemenantriebs halten sich die Fahrgeräusche auf einem niedrigen Niveau.
Wie gut ist der Motor mit Drehmomentsensor?
Der Heckmotor bietet die erlaubten 250 Watt Nennleistung und ein Drehmoment von maximal 42 nm. Dank Drehmomentsensor stellt sich auf dem Engwe P20 ein natürliches Fahrgefühl ein. Je stärker man in die Pedale tritt, desto stärker fällt die Unterstützung des Motors aus. Die Unterstützung des Motors liegt sofort an. Man muss also nicht erst einige Meter fahren, bevor sie einsetzt, wie das bei E-Bikes ohne Drehmomentsensor der Fall ist. Wer dennoch nach einem Halt bei einer Ampel nicht auf die Technik vertraut, kann den Gashebel nutzen, um das Rad sofort in Gang zu setzen. Dieser ist auf 6 km/h begrenzt und entspricht damit den gesetzlichen Anforderungen.
Dass nur drei statt der bei den meisten anderen E-Bikes üblichen fünf Fahrstufen zur Verfügung stehen, ist in der Praxis nahezu irrelevant. Sprich: Man kommt damit gut klar. Bei flacher Wegstrecke reichen die ersten beiden für eine Geschwindigkeit von etwa 20 km/h aus. Die dritte Stufe ermöglicht eine Beschleunigung auf gesetzlich erlaubte 25 km/h. Sie ist vor allem bei Steigungen sinnvoll, wo die ersten beiden Stufen nicht ausreichen, um das maximale Drehmoment des Motors von 42 nm abzurufen.
Länger Strecken mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit zu fahren, ist zwar möglich, macht aber keinen Spaß. Das verhindert die Übersetzung des Single-Speed-Karbonriemens, die für dieses Tempo eine hohe Trittgeschwindigkeit erfordert.
Mit dem Engwe P20 würden wir also keine langen Radtouren unternehmen. Aber zum Ausflug in das nahe gelegene Schwimmbad oder für kleinere Einkäufe ist das Rad gut geeignet – auch dank des vormontierten Gepäckträgers, der eine Tragkraft von 15 kg bietet.
Wie lange hält der Akku?
Engwe verspricht für das P20 mit einem knapp 346 Wh starken Akku eine Reichweite von bis zu 100 km. Unter bestimmten Voraussetzungen wie einer ebenen Strecke, niedriger Unterstützungsstufe und einem 70 kg schweren Fahrer kann das durchaus sein. Mit einem Fahrergewicht von 90 kg, der höchsten Unterstützungsstufe und bergigem Streckenprofil sind wir im Test knapp 50 km weit mit dem P20 gekommen. Außerdem sollte man den Akku auch nicht komplett leer fahren, weil das die Haltbarkeit erheblich negativ beeinflusst. Das Aufladen des Akkus mit dem mitgelieferten Netzteil dauert im Test knapp sechs Stunden.
Wie gut funktioniert das Zusammenklappen des Rads?
Der Klappmechanismus beim Enge P20 funktioniert ausgezeichnet. Hierzu öffnet man lediglich den Hebel am Rahmen und klappt das Rad ein, bis die magnetische Halterung haftet. Das gelingt in der Praxis relativ zügig. Zudem lassen sich noch Lenker und Sitz dank Schnellverschlüssen im Handumdrehen einklappen, sodass das P20 schnell in einem Kofferraum verstaut ist.
Erfüllt das Engwe P20 die StVZO?
Laut Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) darf ein E-Bike höchstens von einem 250 Watt starken Motor angetrieben werden und die Höchstgeschwindigkeit muss auf 25 km/h begrenzt sein. Diese beiden Voraussetzungen erfüllt das Engwe P20. Allerdings sind auch zwei Reflektoren pro Rad vorgeschrieben und auch nach vorn und hinten müssen Reflektoren vorhanden sein. Während ein rückwärtig ausgerichteter Reflektor zum Lieferumfang gehört, erfüllt das Vorderlicht nicht die gesetzlichen Anforderungen. Auch ist pro Rad nur ein Reflektor montiert. Allerdings lassen sich Reflektoren für wenig Euro nachrüsten.
Preis
Engwe verkauft das P20 in den Farben Grün, Schwarz und Weiß zum Preis von 999 Euro. Mit dem Code DeliaKOL50OFF reduziert sich der Preis auf 899 Euro. Wie gut das Engwe P20 in der Praxis funktioniert, zeigt der Test.
Fazit
Das klappbare E-Bike Engwe P20 hat im Test größtenteils überzeugt. Für lange Strecken würden wir es wegen des Single-Speed-Karbonriemens jedoch nicht verwenden. Um die Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h zu erreichen, ist eine hohe Trittfrequenz nötig. Wer allerdings ein E-Bike für kürzere und ebene Strecken benötigt und es außerdem mit Auto oder Zug transportieren möchte, den enttäuscht das P20 nicht. Es lässt sich zügig zusammenfalten und bietet dank Drehmomentsensor ein natürliches Fahrverhalten, ist zudem wenig und leicht. Und der 250-Watt-Motor bewältigt auch steilere Anstiege problemlos. Sicher mit dem Rad unterwegs zu sein, ist für viele ein wichtiger Faktor. Auch diesbezüglich überzeugt das P20 mit seinen hydraulischen Bremsen, die in jeder Situation das Rad sicher zum Stehen bringen. Dank integrierter Bremsleuchten erkennen auch hinterherfahrende Verkehrsteilnehmer sofort, wenn man mit dem P20 einen Bremsvorgang einleitet. Das erhöht die Sicherheit, genauso wie die integrierten Blinker, die man zur Fahrtrichtungsanzeige verwenden kann.
Hinweis: Der Testbericht wurde am 3.9.2024 veröffentlicht. Bei attraktiven Angeboten, etwa zur Black Week, wird er aktualisiert.
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Das Metaverse und seine Geisterstädte: Warum es Social-VR-Apps so schwer haben
Am 1. Juni 2026 um 21 Uhr zieht die Social-VR-Plattform „Rec Room“ nach zehn Jahren den Stecker. Wenige Wochen zuvor, im März 2026, hatte Meta das Ende von „Horizon Worlds“ in seiner bisherigen Form angekündigt. In diese Plattform hatte der Konzern einen erheblichen Teil seines zweistelligen Milliardenbudgets zum Aufbau eines Metaversums samt der dafür nötigen Hardware versenkt. Was vor wenigen Jahren als unausweichliche Zukunft des Internets vermarktet wurde, ist 2026 auf ein paar funktionierende Nischen geschrumpft. Ein Blick auf zwei Jahrzehnte sozialer Online-Welten zeigt, warum ausgerechnet die VR-getriebenen Plattformen den schwersten Stand haben.
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Eine kurze Geschichte der digitalen Parallelwelten
Den Begriff „Metaverse“ prägte Neal Stephenson 1992 in seinem Roman „Snow Crash“. Er beschrieb damit einen persistenten digitalen Raum, in dem Menschen als Avatare zusammenleben. Lange, bevor Tech-Konzerne wie Meta diese Idee für sich entdeckten, hatte Linden Lab 2003 mit „Second Life“ bereits ein überraschend umfassendes Vorab-Modell gebaut. Die offene 3D-Plattform hatte eine eigene Währung samt Wechselkurs in Echtgeld, nutzergenerierte Inhalte und florierenden Handel mit virtuellen Gütern. Zwischen 2006 und 2008 herrschte auf der Plattform regelrechte Goldgräberstimmung und viele träumten vom Reichtum durch virtuelle Geschäfte.

Heutzutage mag „Second Life“ etwas altbacken wirken, hat aber noch immer eine treue Fangemeinde.
(Bild: Linden Lab)
4,3 Millionen Bewohner vermeldete „Second Life“ 2007. Der Boom ebbte zwar nach und nach ab, geblieben ist aber eine stabile Nische. Aktuelle Community-Auswertungen zeigen, dass „Second Life“ 2025 die Marke von 50.000 gleichzeitig eingeloggten Avataren nicht mehr knackt. Inklusive Bots pendelt sich der Wert eher bei rund 35.000 ein. Gemessen an den damaligen Prognosen, „Second Life“ werde das nächste World Wide Web, ist das ernüchternd. Gemessen an dem, was die meisten Nachfolger erreicht haben, ist es bemerkenswert.
Andere Konzepte verfolgten ähnliche Ideen mit anderen Mitteln. „Habbo Hotel“ zog mit isometrischer Pixelgrafik Millionen Jugendliche an, kämpfte aber mit Scams, Mobbing und einer verschleppten Mobile-Anpassung. „IMVU“ etablierte einen 3D-Avatar-Chat samt Creator-Marktplatz, und „PlayStation Home“ (2008 bis 2015) sollte das Konsolen-Metaverse werden. Sonys Versuch scheiterte vor allem an seinen Bugs und einem aus dem Ruder laufenden Budget. Die Einnahmen aus Mikrotransaktionen und Werbung deckten die Entwicklungskosten nie.
Die VR-Welle und ihre gescheiterten Social-Pioniere
Mit der Rückkehr von Konsumenten-VR ab Mitte der 2010er-Jahre folgte eine neue Generation sozialer Welten. „High Fidelity“, gegründet von „Second-Life“-Erfinder Philip Rosedale, sammelte 2015 erst 22 Millionen US-Dollar Risikokapital ein, nur um seine Social-VR-Aktivitäten 2019 wieder einzustellen. Linden Lab versuchte mit „Sansar“ einen Neustart auf Steam und gab das Projekt nach mäßigem Erfolg wieder ab. Auch Microsoft übernahm 2017 ein Metaverse-Start-up. „AltspaceVR“ startete als funktionierender VR-Space mit diversen Räumen für Stand-up-Comedy, Seminare, Roundtables oder Firmenfeiern. Sechs Jahre später stampfte der Windows-Konzern die Plattform allerdings ein. Und so verschwand oder verkleinerte sich Plattform für Plattform, lange bevor sich der Facebook-Konzern das „Metaverse“ in den eigenen Namen kritzelte.
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„Rec Room“ verfolgte stets einen spielerischen Ansatz, sowohl in den Inhalten als auch in der Darstellung.
(Bild: Rec Room)
„Rec Room“ schien lange eine Ausnahme zu sein. Die 2016 gestartete Plattform setzte konsequent auf Crossplay zwischen VR-Brillen, Konsolen und Smartphones und erreichte so laut eigenen Angaben 150 Millionen Nutzerinnen und Nutzer. Sie integrierte Minispiele, kreative Bauwerkzeuge, In-App-Käufe und optionale kostenpflichtige Mitgliedschaften. Zugänglich war sie, eine lebendige Community hatte sie auch. Trotzdem reichte es nicht. Der Fokus auf nutzergenerierte Inhalte brachte zwar Wachstum, aber nur geringe Margen. Kostenpflichtige Inhalte von „Rec Room“ selbst kamen nie über eine Nebenrolle hinaus und Investitionen in neue Features wie KI-Tools verursachten mehr Kosten, als sie Einnahmen generierten. Nach einer ersten Entlassungswelle 2025 folgte die Ankündigung, dass der Dienst 2026 nach zehn Jahren eingestellt wird.

Was fehlt: In der rapiden Technikwelt häufig die Zeit, die vielen News und Hintergründe neu zu sortieren. Am Wochenende wollen wir sie uns nehmen, die Seitenwege abseits des Aktuellen verfolgen, andere Blickwinkel probieren und Zwischentöne hörbar machen.
Metas Milliarden-Wette
Den dicksten Brocken hat allerdings Meta in den Sand gesetzt. Mit der Umbenennung von Facebook in Meta 2021 erklärte Mark Zuckerberg das Metaverse zum strategischen Leuchtturm des Konzerns. In den folgenden Jahren häufte die Sparte Reality Labs Investitionen im Bereich der 100-Milliarden-Dollar-Marke an. „Horizon Worlds“, das Herzstück dieser Strategie, sollte Ende 2022 mindestens 500.000 monatlich aktive Nutzer erreichen. Tatsächlich waren es im Februar 2022 aber nur rund 300.000, und der Kurs wurde zum ersten Mal angepasst.
Interne Dokumente, die das Wall Street Journal einsehen konnte, zeigten ein noch düstereres Bild. Die meisten nutzergenerierten Welten waren leer oder erhielten weniger als 50 Besuche. Selbst Meta-Mitarbeitende sollen die Plattform gemieden haben, und in Foren kursieren Zahlen von einem Rückgang auf zuletzt rund 900 tägliche Nutzer. Offiziell verifiziert sind diese Werte nicht, sie passen aber zum „Geisterstadt“-Narrativ, das sich um das Projekt verfestigt hat. Die Konsequenzen fielen drastisch aus. Meta entließ rund 1.500 Mitarbeitende in Reality Labs und schloss interne VR-Studios wie Sanzaru und Twisted Pixel. Im März 2026 folgte die Ankündigung der Abschaltung der VR-Version von „Horizon Worlds“, nur um sie nach einem Community-Aufstand kurz darauf wieder an den Tropf zu hängen. Wirklich investieren wird Meta in diesen Bereich jedoch nicht mehr.
Nicht jedes Metaverse geht unter
Während viele soziale VR-Welten einbrechen, liefern andere Plattformen genau jene Erfahrungen, die Zuckerberg und Co. versprochen hatten. Dabei kommen sie ganz ohne Headset aus und benutzen den mittlerweile negativ konnotierten Begriff „Metaverse“ nicht einmal. „Roblox“ etwa erwirtschaftet stabile Umsätze über die interne Währung Robux, schüttet substanzielle Anteile an Entwickler aus und läuft auf praktisch jedem Endgerät – inklusive VR-Brillen. Epic Games hat „Fortnite“ vom Battle Royale zur sozialen Bühne entwickelt. Konzerte von Travis Scott oder Ariana Grande zogen Millionen Menschen gleichzeitig an. Fans beschreiben das Spiel längst als „Digital Third Space“, einen Ort, an dem man sich mit Freunden trifft, auch wenn gerade niemand spielen will.
Discord wiederum bildet die unsichtbare soziale Infrastruktur dahinter. Über 200 Millionen tägliche Nutzer gibt das Unternehmen an, finanziert primär über das Nitro-Abo, ohne Werbung. Twitch und YouTube ergänzen das Bild mit Livestreaming, Kurzvideos und Creator-Ökonomien. All das passiert in 2D, mobil und mit niedriger Einstiegshürde. Doch selbst innerhalb der VR-Welt gibt es eine bemerkenswerte Ausnahme: „VRChat“.

Bei der Avatargestaltung in „VRChat“ sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt.
(Bild: VRChat)
Die Plattform erreichte eigenen Angaben zufolge an Silvester 2025 einen neuen Spitzenwert an gleichzeitig aktiven Nutzern von fast 150.000 – ein Plus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders dynamisch entwickelt sich VRChat in Japan. Der Anteil an den Web-Zugriffen durch japanische Nutzer hat sich binnen zweier Jahre von 12,9 auf über 27 Prozent mehr als verdoppelt. Der „Economy in Metaverse Report“, den die vTuberinnen Nem und Mila in Zusammenarbeit mit japanischen Forschern durchgeführt haben, ergab, dass rund 40 Prozent der Befragten mindestens 350 US-Dollar pro Jahr für kosmetische Inhalte ausgeben. Befragt wurden 901 Social-VR-Nutzer, 82 Prozent davon regelmäßig in „VRChat“ unterwegs. Japanische Creator erzielen demnach Erlöse von 20 bis 55 US-Dollar für Ingame-Inhalte wie Base Models über den Kreativ-Marktplatz „Booth“.
Die übermächtige Konkurrenz
Der größte Klotz am Bein von Social-VR-Plattformen ist natürlich die Hardware-Hürde. VR-Brillen sind bis auf wenige Ausnahmen teuer, vergleichsweise schwer und ziehen Menschen physisch aus ihrer Umgebung. Für längere Sessions sind sie oft unbequem. Eine Wahrheit, die selbst Apple leugnete, mit der teuren und schweren Vision Pro aber gerade selbst zu spüren bekommt. Leistungsstarke und hochpreisige VR- und Mixed-Reality-Brillen finden vor allem in beruflichen Nischen wie Design oder Engineering ernsthafte Anwender, die deren Entwicklung refinanzieren könnten. Die Nachfrage auf dem Konsumentenmarkt ist weiterhin überschaubar und vor allem von technikbegeisterten Enthusiasten durchzogen. Der Markt für Social-VR-Erfahrungen ist also von Natur aus limitiert, weshalb die meisten Plattformen ihre Apps auch außerhalb der Virtual Reality anbieten. Doch dort ist die Konkurrenz gigantisch.
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Smartphones stecken in jeder Hosentasche und bieten eine umso interessantere Nutzerbasis für unzählige Anbieter verschiedenster Inhalte. Auch wenn es immer wieder für tot erklärt wird, erreicht Facebook noch immer über drei Milliarden monatlich aktive Nutzer weltweit. TikTok soll allein 2023 rund 23,6 Milliarden US-Dollar Werbeumsatz generiert haben. Dazu kommen Instagram, WhatsApp, Snapchat, X, Bluesky, YouTube, Netflix, Spotify und viele mehr. Jede Plattform konkurriert um die gleiche begrenzte Zeit ihrer Nutzer. Wer den Tag mit Reels, Shorts, Videospielen, Filmen, Serien und Discord-Chats füllt, hat selten den Drang, sich danach noch ein Headset aufzusetzen. Dieses Wettbuhlen um Aufmerksamkeit geht auch nicht mehr spurlos an Monolithen wie „Fortnite“ vorbei, das ebenfalls über eine Delle in den sonst so makellosen Spielerzahlen klagt. Seit ein paar Jahren mischt zudem ein neuer, aufstrebender Mitbewerber um emotionale Bindung mit: KI-Companions.

Die unzähligen individuellen Chatbots von Character.AI binden ein Millionenpublikum.
(Bild: Character.AI)
Character.ai-Nutzer verbrachten 2024 im Schnitt 93 Minuten pro Tag mit Chatbots. Der ursprünglich von Microsoft entwickelte Chatbot Xiaoice tritt schon seit 2018 in China als Moderatorin, Songwriterin und emotionale Begleiterin auf. Das mittlerweile aus dem Konzern ausgegliederte gleichnamige Unternehmen setzt auch auf Deepfake-Livestreams zur Produktanpreisung und erreicht damit ein Millionenpublikum. Dazu kommen die neuen Möglichkeiten, die generative KI rund um ChatGPT, Googles Gemini und Co. bietet, um damit den Tag zu füllen. Natürlich folgt das heißgeliebte Risikokapital dieser Verschiebung. Analysten zufolge flossen 2025 rund 226 Milliarden US-Dollar an KI-Unternehmen, 48 Prozent des gesamten globalen Risikokapital-Volumens. Metaverse-Startups können von diesen Zahlen nur träumen.
Der Feind im Inneren
Viele Social-VR-Angebote scheiterten aber nicht allein an Hardware, Kosten oder zu starker Konkurrenz. Die meisten Menschen dürften einfach keinen überzeugenden Grund sehen, sie zu nutzen. Das von Meta stark beworbene „Horizon Worlds“ hat mit seiner fehlenden strategischen Klarheit zum Aufbau eines negativen Images für die gesamte Branche beigetragen. Durch fragwürdige PR-Manöver wie Mark Zuckerbergs Eiffel-Turm-Selfie und die noch immer nicht geklärte Frage, wie man Virtual Reality für Außenstehende eigentlich begreifbar macht, werden die Plattformen häufig als grafisch unausgereifte Sammlung von Minigames wahrgenommen und gar nicht erst ausprobiert. Ohne kritische Masse bricht ein sozialer Raum jedoch schnell in sich zusammen. Wer eine leere Welt betritt, hat keine Motivation, wiederzukommen.

Mit diesem lustlosen Screenshot zog Mark Zuckerberg 2022 die Häme des Internets auf sich.
(Bild: Meta)
Hinzu kommen strukturelle Probleme und mangelndes Vertrauen. Moderation in dreidimensionalen Echtzeit-Räumen ist ungleich schwieriger als in Textforen und Belästigung in Social-VR-Apps bleibt ein Thema. Auch einige Web3-Metaversen mit ihren Sicherheitslücken und „Rug Pulls“, bei denen Entwickler ein Krypto-Projekt nach Einsammeln der Investorengelder plötzlich aufgeben und mit dem Kapital verschwinden, haben nicht gerade zur Popularität dieser Welten beigetragen. Mit solchen Missständen verspielt eine Branche schnell Vertrauen und verliert Nutzer, Investoren und Werbekunden gleichermaßen.
Das Metaverse muss sich selbst finden
Verloren haben vor allem jene, die auf den ganz großen Wurf setzten. Meta mit seiner fehlgeleiteten VR-Strategie, Sony mit dem unausgegorenen PlayStation Home, Linden Lab mit dem voreiligen „Sansar“, „Rec Room“ mit seinem mangelhaften Geschäftsmodell und eine ganze Riege von nicht durchdachten Web3-Projekten. Überlebt haben hingegen Nischen mit klarer Identität wie „Second Life“, „IMVU“ oder „VRChat“. Die eigentlichen Gewinner sind allerdings Plattformen, die nie behaupteten, ein Metaverse zu sein. „Roblox“, „Fortnite“, Discord und TikTok liefern viele der versprochenen Funktionen – persistente Avatare, Live-Events, Creator-Ökonomien – ohne sich hinter einem Buzzword zu verstecken.
Auch wenn „Rec Room“ und „Horizon Worlds“ ihre Pforten schließen oder die Weiterentwicklung einstellen, wird Social VR nicht verschwinden. „VRChat“ wächst und für bestimmte Communitys sind immersive Räume durch nichts zu ersetzen. Doch die schon immer waghalsige Idee, dass VR-Brillen das Smartphone als zentrale soziale Online-Schnittstelle ablösen, ist endgültig beerdigt. Ein funktionierendes Metaverse muss offenbar weder räumlich noch immersiv sein. Es muss vor allem dort stattfinden, wo die Menschen ohnehin sind, organisch wachsen, ihnen etwas geben, das sie regelmäßig erleben wollen, und sich nicht auf eine geschlossene Plattform beschränken.
(joe)
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Blue Origin-Explosion wird auch für die NASA zum Problem
Die Explosion einer Blue-Origin-Rakete am Donnerstag könnte weitreichende Folgen für die Raumfahrtindustrie haben. Dabei wurden auch das Launchpad und weitere wichtige Bodeninfrastruktur zerstört. Der Wiederaufbau könnte lange dauern und wichtige Missionen der NASA verzögern.
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Der Startplatz LC-36A von Blue Origin in Florida hat laut einem Bericht von Arstechnica erhebliche Schäden erlitten. Das hat auch jahrelange Bauarbeiten und mehrere hundert Millionen US-Dollar an Investitionen zunichtegemacht, ebenso das einzige Launchpad für die Schwerlastrakete New Glenn, welches das Unternehmen besaß. Auf der Vandenberg Space Force Base in Kalifornien arbeitet Blue Origin an einer New-Glenn-Startvorrichtung, doch das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen.
Es könnte noch mindestens ein Jahr dauern, bis wieder Raketenstarts von LC-36A möglich sind, schätzt Eric Berger von Arstechnica, auch die enormen Ressourcen von Amazon-Gründer Jeff Bezos – dem auch Blue Origin gehört – könnten daran nichts ändern. Die Vulcan Centaur des US-Raumfahrtunternehmens United Launch Alliance (ULA) muss zurzeit wegen technischer Probleme ebenfalls am Boden bleiben. In der US-Raumfahrtindustrie ist SpaceX damit zurzeit der einzige Anbieter mit flugfähigen Schwerlastraketen. Besonders bitter ist diese Situation für Kunden von Blue Origin, denn in der zweiten Hälfte des Jahres waren diverse New-Glenn-Starts für die NASA, AST SpaceMobile und Co geplant.
Es könnte auch für erhebliche Verschiebungen beim Artemis-Programm sorgen, bei dem die NASA im Jahr 2028 Menschen auf den Mond bringen will. Im kommenden Jahr soll die Raumkapsel Orion im Weltraum mit einer oder gar zwei Mondlandern von SpaceX und Blue Origin gekoppelt werden, um das ausgiebig zu testen, allerdings noch ohne Mondlandung.
Blue Origin selbst wird das mit seinen Raketen vorerst nicht ermöglichen können. Bliebe noch die Möglichkeit, mit SpaceX oder ULA zu kooperieren, wobei die Kapazitäten der ULA durch die oben genannten Probleme auch beschränkt sein dürften. Mit SpaceX würde sich Blue Origin mit einem direkten Konkurrenten zusammentun müssen. Letzteres ist eher unwahrscheinlich. Die NASA steht nun vermutlich vor der Entscheidung, ob sie mit ihrem fürs kommende Jahr geplanten Testlauf auf Blue Origin wartet oder ihn ohne das Unternehmen durchführt.
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Jagd auf Regierungsgegner: US-Justiz will Daten von Reddit- und X-Nutzer
Das US-Justizministerium verschärft sein Vorgehen gegen Kritiker der staatlichen Migrationspolitik. Aus Gerichtsdokumenten geht hervor, dass die US-Staatsanwaltschaft für die Hauptstadtregion Washington von Reddit und X umfangreiche Nutzerdaten anfordert. Sie verlangt etwa Klarnamen, Adressen und Bankverbindungen von Personen, die sich kritisch über die Abschiebelinie der Regierung geäußert haben.
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Die Behörde wird von Jeanine Pirro geleitet, einer ehemaligen Fox-News-Moderatorin und Vertrauten von Präsident Donald Trump. Der Fall zeigt laut der Nachrichtenagentur Bloomberg, wie entschlossen die Regierung unter dem Republikaner vorgeht, um anonyme Aktivisten im Internet zu identifizieren.
Im Fokus stehen mindestens zwei anonyme Accounts, über die die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE kritisiert worden war. Die Betroffenen erfuhren erst durch Benachrichtigungen der Plattformen von den Datenanfragen und schalteten Anwälte ein. Welche Straftatbestände konkret geprüft werden, teilte die Staatsanwaltschaft nicht mit. Die Verteidigung vermutet Vorwürfe im Zusammenhang mit veröffentlichten Informationen über Bundesbeamte. Ein strafbares Verhalten ihrer Mandanten weisen die Anwälte zurück und sprechen von einem Versuch, kritische Stimmen einzuschüchtern.
Juristisches Tauziehen hinter verschlossenen Türen
Bundesrichter James Boasberg prüft derzeit, ob die Vorladungen rechtmäßig sind. Das Verfahren läuft weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Auseinandersetzung gilt als weitere Stufe beim Einsatz strafrechtlicher Mittel gegen Regierungskritiker. Sie fügt sich ein in eine Reihe von Vorhaben, mit denen das Department of Homeland Security (DHS) die Identität von ICE-Agenten stärker schützen will. Diskutiert werden unter anderem Regelungen, die Beamten das Tragen von Masken erleichtern und die Kontrolle ihrer Einsätze einschränken sollen.
Die US-Regierung nutzt hier auch den Vorwurf des Doxxing, also des böswilligen Veröffentlichens privater Daten. Damit will sie ein hartes Vorgehen gegen die digitale Beobachtung von Abschiebebeamten rechtfertigen. Die Republikaner im Senat bereiten parallel Gesetze vor, um solche Bloßstellungen generell unter Strafe zu stellen.
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Bürgerrechtsorganisationen reagieren alarmiert. Angesichts der umstrittenen Abschiebepolitik und wachsender Proteste warnen sie vor einem Angriff auf die verfassungsrechtlich geschützte Meinungsfreiheit. Bereits im Februar hatte das Heimatschutzministerium Vorladungen an Unternehmen wie Google, Discord und Meta verschickt, um Daten von Nutzern zu erhalten, die ICE-Agenten kritisiert hatten. Die aktuellen Fälle verstärken den Eindruck einer systematischen Überwachung digitaler Debatten.
Wechsel zu schärferen Mitteln
Besonders umstritten ist die Vorgehensweise der Behörden. Laut Gerichtsunterlagen setzte die Regierung zunächst auf administrative Anordnungen, die ohne richterliche Prüfung auskommen. Als Betroffene diese rechtlich angriffen, zogen die Strafverfolger diese zurück. Kurz darauf beantragte die Staatsanwaltschaft aber „Grand-Jury-Subpoenas“ – deutlich schärfere Instrumente mit größerem rechtlichen Gewicht.
Lauren Regan vom Civil Liberties Defense Center sieht darin den Versuch, Kritiker gezielt zu enttarnen. In einem der Fälle bezogen sich die beanstandeten Reddit-Beiträge laut Verteidigung teils lediglich auf Beschimpfungen der Behörde. Ähnlich verhält es sich bei einem von Anwalt Joshua Koltun vertretenen X-Nutzer, der einen sarkastischen Kommentar über einen ICE-Beamten veröffentlicht hatte. Auch hier sei keine Gewaltandrohung erkennbar gewesen. Dennoch griff die Regierung nach dem Scheitern der ersten Datenanfragen auf die geheimen Grand-Jury-Anordnungen zurück.
Kampf um Anonymität
Für die Betroffenen ist die Lage heikel. Die zuletzt genutzten strafbewehrten rechtlichen Ersuchen gelten als mächtiges Instrument, das Staatsanwälte mit vergleichsweise geringen Hürden einsetzen können. Wer sich ihnen nicht beugt, riskiert Geldstrafen oder weitere rechtliche Konsequenzen. Ehemalige Strafverfolger betonen, dass solche Anordnungen nur selten erfolgreich angefochten werden können.
Da Plattformen wie Reddit und X die Ersuchen meist nicht selbst gerichtlich bekämpfen, müssen Nutzer die Kosten und Risiken einer Verteidigung allein tragen. Reddit erklärte zwar, die Anonymität seiner Nutzer im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten schützen zu wollen. Rechtliche Schritte müssten die Betroffenen aber selbst finanzieren.
Angesichts landesweiter Abschiebungen und gewaltsamer Zusammenstöße zwischen Einsatzkräften und Demonstranten wächst der zivile Widerstand gegen den harten Kurs. Bereits im Februar hatte das DHS Anordnungen an Internetgiganten wie Google, Discord und Meta übermittelt, um Daten von Nutzern zu erzwingen, die ICE-Agenten kritisiert hatten. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die Regierung Foren und Kommentarspalten systematisch überwachen lässt, um juristisch gegen unliebsame Meinungsäußerungen vorzugehen.
Bürgerrechtler verweisen auf die lange Tradition anonymer politischer Redefreiheit in den USA. Gründerväter nutzten schon im 18. Jahrhundert Pseudonyme wie „Publius“, um die Verfassung ohne Angst vor Repressalien voranzutreiben. Gegner monieren daher, dass schon die Androhung strafrechtlicher Ermittlungen wegen sarkastischer oder polemischer Online-Beiträge einen Abschreckungseffekt erzeugen könnte. Und das unabhängig davon, ob es am Ende zu Anklagen kommt. Der Schaden für die freie Meinungsäußerung sei so bereits entstanden.
(nen)
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