Künstliche Intelligenz
Blade‑Battery 2.0 und Flash-Charger: BYD beschleunigt Laden weiter
Autofahrer lernen gerade, dass Elektroautos in ihrer aktuellen Erscheinungsform in den meisten normalen Anwendungsszenarien bereits ein vollwertiger Ersatz für solche mit Verbrennungsmotor sein können und auf längere Sicht deutlich geringere Kosten verursachen. Teile der Autoindustrie werben weiter mit immer neuen Rekorden bei Ladezeiten und Reichweiten – Stichwort: „Laden so schnell wie Tanken“. Das Rennen scheint noch nicht beendet. BYD begründet seine Bemühungen mit Marktbeobachtungen. Das Unternehmen stellt seine Blade‑Battery 2.0 inklusive eines für ihre hohe Ladeleistung nötigen Schnellladers vor. Ein dazu passendes Auto soll bald folgen.
Weiterlesen nach der Anzeige
(Bild: Mercedes )
Gewaltige Strommengen
Der chinesische Großkonzern BYD, der Mitte der 90er-Jahre als Akkuproduzent gestartet ist und heute auch Elektroautos fertigt, kündigt mit dem „Flash Charger“ nun eine Ladestation an, die mit 1,5 Megawatt Leistung die Ladedauer auf nur wenige Minuten verkürzen soll. Das wäre tatsächlich so schnell wie Tanken inklusive Bezahlen. Allerdings funktioniert das nur mit einer schwerwiegenden Einschränkung: Das Auto muss mit einer Batterie inklusive der entsprechenden Ladetechnik ausgestattet sein, die solche gewaltigen Strommengen auch entgegennehmen kann. Das gibt es bislang serienmäßig nur für Lkw und da nur bis 1 MW.
Gleichzeitig verspricht BYD eine weiter gesteigerte Reichweite durch eine höhere Energiedichte der Akkuzellen. Beide gegensätzlichen Anforderungen zu vereinen, funktioniert nur mit einer Weiterentwicklung der Zellchemie. Dazu hat BYD nach eigenem Bekunden die Grenzen der robusten und preiswerten Lithium-Eisenphosphat-Technologie weit hinausgeschoben. So verfügt die Kathode über eine richtungsorientierte, mehrstufige Partikelgrößenarchitektur, die eine dichte Packung und schnelle Deinterkalation ermöglicht. BYD nennt das „Flash-Release“, um den Geschwindigkeitsgewinn zu betonen.
Senkung des Widerstands
Wie üblich wird auch in der Blade 2.0 beim Laden Li+ von der positiven Elektrode mit geringerem Widerstand ausgelagert („de-interkaliert“) und in die negative Elektrode eingelagert („interkaliert“), bis sie sich vollgeladen im maximal lithiumreichen Zustand befindet. Unterstützt wird diese Senkung des Widerstands in BYDs neuer Zellchemie durch einen KI-optimierten Elektrolyt, der eine hohe Ionenleitfähigkeit und schnelle Ionenbeweglichkeit sicherstellen soll. Bei BYD heißt das „Flash‑Flow“. Um den Widerstand für die Einlagerung an der Anode zu verringern, besitzt diese eine Verbesserung ihrer multidimensionalen Struktur mit zusätzlich senkrecht zur Elektrodenebene ausgerichteten Graphitpartikeln. Beides soll die Interkalation von Lithium-Ionen beschleunigen helfen.
Der verringerte Innenwiderstand lässt höhere Ladeströme zu, ohne die thermische Belastungsgrenze zu überschreiten, und ermöglicht gleichzeitig eine um fünf Prozent höhere Energiedichte, wie BYD weiter ausführt. Zusätzlich hat BYDs neuer Zellaufbau eine „extrem dünne“ Festelektrolyt-Zwischenschicht, die trotz einer gesteigerten chemischen Strukturstabilisierung inklusive Selbstreparaturmechanismus eine Steigerung der Ionenleitfähigkeit erreicht. Weiter in diese Details der Zellchemie geht BYD noch nicht, verspricht aber außer der gesteigerten Leistung eine noch bessere Haltbarkeit und Schutz vor thermischem Durchgehen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Hohe Leistung auch bei Kälte
Ohne Kapazitätsangaben relativieren sich die zweifellos beeindruckenden Angaben, nach denen eine Ladung von 10 auf 70 Prozent fünf Minuten dauern soll, und eine von 10 auf 97 Prozent in neun Minuten möglich sei. Fast noch interessanter liest sich da das Versprechen, selbst bei minus 30 Grad in nur zwölf Minuten von 20 auf 97 Prozent laden zu können. Das ist insofern bemerkenswert, als herkömmliche LFP-Akkus bei solchen Temperaturen ihre Ladefähigkeit längst eingebüßt haben. Ähnliche Entwicklungen hat der Konkurrent CATL kürzlich bekanntgegeben – mit Heizung. Möglicherweise hat auch BYD eine leistungsstarke Heizung installiert, ohne darüber weitere Worte zu verlieren.
Möglich ist diese hohe Ladeleistung nur dort, wo auch entsprechende Ströme fließen können. BYD verspricht, dazu ein Netzwerk mit 1,5-Megawatt-Ladern aufzubauen. Aktuell stehen in China bereits über 4239 solcher Stationen, bis Ende 2026 will man dort die Marke von 20.000 Ladestationen erreichen und in der Folge international expandieren. Die Stationen sind dazu so ausgelegt, dass sie mit einem internen Speicher ausgestattet werden können, wo das vorhandene Stromnetz nicht die volle Leistung ermöglicht. Dieser Pufferspeicher füllt sich zwischen den Ladepausen, um die Differenz zwischen der maximalen Leistungsabgabe aus dem Netz und dem Ladestrombedarf des Autos als Booster ausgleichen zu können.
Premiere im Luxus-GT
Die neuen Akkus sollen mit ihrer um fünf Prozent höheren Energiedichte eine Reichweite „über 1000 Kilometer“ im CLTC (entsprechend rund 820 km im WLP) ermöglichen, was ohne Angabe der Akkukapazität freilich kaum aussagekräftig ist. Zu vermuten ist ein Akku mit deutlich mehr als 100 kWh netto. Man wird warten müssen, bis diese Akkus erstmals im Shooting Brake Denza Z9GT, einer Marke von BYD, erscheinen.

Denza Z9GT
(Bild: Denza)
Die finalen Spezifikationen der europäischen Version dieses Elektroautos mit Flash Charging und Blade‑Battery 2.0 im Stil und Format eines Porsche Taycan sollen in den kommenden Wochen veröffentlicht werden. Aktuell und mit herkömmlicher Technologie stehen noch ein Nettoenergiegehalt von 100,1 kWh und eine Reichweite von 630 km im CLTC (entsprechend ca. 480 bis 510 km im WLTP) im Katalog.
Ob sich BYDs Hoffnung „Flash Flow gleich Cash Flow“ auch in Europa schnell erfüllt, steht angesichts der Infrastruktur und der Preise von 80- bis über 100.000 Euro für einen Denza Z9GT infrage. Sollten die Schnelllader aber fürs allgemeine Laden kompatibel sein und geöffnet werden, wird das Ladenetz insgesamt dichter. Das wäre schon eine gute Nachricht für die E-Mobilität insgesamt. Allerdings gibt es da einen Haken: CCS ist für so hohe Ströme nicht geeignet, die Stationen und Autos haben daher einen eigenen Standard. Wollte BYD seine Stationen öffnen, müssten sie mit einem weiteren Ladekabel für Autos mit CCS-Anschluss ausgerüstet werden.
Mehr über Elektroautos
(fpi)
Künstliche Intelligenz
SK Hynix verfünffacht Gewinn in der Speicherkrise
Das Ringen um den ersten Platz der weltweit größten Speicherhersteller geht in eine neue Runde. SK Hynix legt mit seinem vierten Rekordquartal in Folge vor: 52,6 Billionen koreanische Won (KRW) hat die Firma im ersten Quartal umgesetzt. In nur drei Monaten steigt der Umsatz somit um 60 Prozent. Im Jahresvergleich sind es 200 Prozent. SK Hynix‘ größter Konkurrent Samsung veröffentlicht seine Zahlen kommende Woche.
Weiterlesen nach der Anzeige
52,6 Billionen KRW entsprechen nach aktuellem Umrechnungskurs 30,5 Milliarden Euro. Noch stärker steigen der Betriebs- und Nettogewinn auf umgerechnet 21,8 Milliarden beziehungsweise 23,4 Milliarden Euro. Im Jahresvergleich entspricht das jeweils einer Verfünffachung.
Weil Cloud-Hyperscaler seit Monaten allen Speicher kaufen, können Hersteller die Preise erheblich anheben. Infolgedessen explodieren die Geschäftszahlen förmlich.
SK Hynix‘ Bruttomarge liegt inzwischen bei 79 Prozent, die Operativmarge bei 72 Prozent. Damit übertrifft der Hersteller sogar Nvidias Bruttomarge, die mit 75 Prozent bereits enorm ist. Andere Chipfirmen können von solchen Werten nur träumen. Zum Vergleich: Intel liegt unter 40 Prozent.
Das meiste Geld macht SK Hynix mit DRAM, etwa für DDR5-Arbeitsspeicher, LPDDR5X und High-Bandwidth Memory (HBM). 78 Prozent des Umsatzes kommen von dem Speichertyp. 21 Prozent stammen von NAND-Flash, primär für SSDs.

Umsatzverteilung bei SK Hynix. DRAM macht den größten Anteil aus.
(Bild: SK Hynix)
Papiergewinne an der Börse
Weiterlesen nach der Anzeige
Finanzgewinne hieven SK Hynix‘ Nettogewinn über den Betriebsgewinn: Umgerechnet mehr als acht Milliarden Euro nicht operativen Gewinn hat die Firma gemacht. Der größte Batzen von mehr als sieben Milliarden entspricht Papierplus in Form von „Bewertungsgewinnen aus Anlagevermögen“. Fast eine weitere Milliarde kommt aus Währungseffekten zugunsten von SK Hynix. Den Rest führt der Speicherhersteller nicht aus. Umgerechnet rund 6,5 Milliarden Euro hat SK Hynix an Steuern gezahlt.
Das Anlagevermögen dürfte maßgeblich der japanische NAND-Flash-Hersteller Kioxia (früher Toshiba Memory) hochgetrieben haben. Dessen Börsenwert hat sich seit Jahresbeginn mehr als verdreifacht. SK Hynix ist über eine Investorengruppe seit 2018 beteiligt; rund zehn Prozent Anteil könnte die Firma heute besitzen.

SK Hynix veranschaulicht selbst, wie der Nettogewinn höher sein kann als der Operativgewinn.
(Bild: SK Hynix)
Preise steigen erheblich
SK Hynix hat die Produktion im ersten Quartal nicht erhöht. Im Gegenteil: Bei NAND-Flash ging die Produktionsmenge sogar um zehn Prozent zurück, vermutlich aufgrund von Produktionsumstellungen, die Wochen in Anspruch nehmen. Der durchschnittliche DRAM-Verkaufspreis ist bei SK Hynix verglichen mit Ende 2025 um 60 Prozent gestiegen, der durchschnittliche NAND-Flash-Preis um 70 Prozent.
SK Hynix will 2026 mehr Geld in die eigenen Halbleiterwerke investieren als 2025, ohne ins Detail zu gehen. Wie oft bei asiatischen Firmen gibt es auch keinen konkreten Ausblick auf das jetzt laufende zweite Quartal.
Die an westlichen Börsen gehandelten Global Depository Receipts (GDR) von SK Hynix sind seit Bekanntgabe der Geschäftszahlen rund zwei Prozent im Plus. Die koreanische Aktie stagniert. Seit Jahresbeginn ist SK Hynix an der Börse allerdings schon über 75 Prozent im Plus.
(mma)
Künstliche Intelligenz
XR-Visualisierung in der Industrie: Von 3D-Modellen bis hin zu Gaussian Splats
Ob Maschinen, Fertigungshallen oder Kunstausstellungen: Auf der Hannover Messe zeigten Aussteller wie MR4B, CMC Engineers oder das Fraunhofer IAO, wie sie sich eine räumliche Visualisierung im Jahr 2026 vorstellen. Neben VR-Brillen und großflächigen Holowänden kamen auch Lösungen zum Einsatz, die 3D-Modelle mit Gaussian Splats oder der realen Außenwelt verbanden.
Weiterlesen nach der Anzeige
Team CMC
Besonders spannend war es, im „CMC ViewR“ in eine gemischte Welt aus herkömmlichen 3D-Drahtgittermodellen und nahezu fotorealistischen Gaussian Splats abzutauchen.
Im „ViewR Showroom“ von CMC Engineers können sich beispielsweise mehrere Personen eine 3D-Brille aufsetzen, um sich gemeinsam vor einer großen 3D-Holowall durch ein animiertes Sägewerk oder einen Anlagenpark zu bewegen. Wir haben uns dazu zu zweit Shutterbrillen aufgesetzt, um mit einem Vive-Controller zu den mechanischen Feinheiten der Anlagen zu schweben. CMCs Viewer nutzte dazu Daten, die zuvor mit der XGrids PortalCam aufgezeichnet und nach der Prozessierung in die Unity-Kulisse geladen wurden. Diese Kamera, die rund 4500 Euro kostet, wurde zur Aufnahme von Gaussian Splat entwickelt. Damit lassen sich fotorealistische Kulissen relativ ressourcenschonend darstellen.

Hier tauchten wir mit der Vive Pro 2 in die räumliche Kulisse ein, davor auch an der Wand dahinter.
(Bild: Jan Philipp Wöbbeking / heise medien)
Bei dem Gaussian-Splat-Verfahren werden aus den Aufnahmen von vier Kameras und einem Lidar-Sensor Ellipsoide berechnet, die Werte wie Farbe, Deckkraft, Größe und Ausrichtung besitzen. Die vielen kleinen räumlichen Farbkleckse ergeben zusammen ein authentisches 3D-Bild, das nur bei nahen Details und an den Rändern ein wenig ausfranst. Das Prinzip erinnert an Pop-Art-Bilder aus den Sechzigern, die sich ebenfalls aus vielen einzelnen Punkten zusammensetzten.
In einem Vortrag am Stand des CAE-Forums hob CMC-Geschäftsführer Max Hirlinger die Schnelligkeit und geringen Kosten der Aufnahme hervor. Bereits nach zehn Minuten Aufnahme und rund drei bis vier Stunden Berechnung könne man fotorealistische Kulissen präsentieren. Mit einer Genauigkeit von etwa drei Zentimetern erreichen die Gaussian Splats zwar nicht die Millimetergenauigkeit anderer Modelle, für viele Präsentationszwecke reicht dies jedoch völlig aus. Dazu gehören der Vertrieb auf einer Messe oder Sicherheitsbegehungen der Polizei. Auch anderen Sicherheitskräften fehlten vor einer Veranstaltung häufig Innenraumdaten von Gebäuden, so Hirlinger.
In der Kulissenhälfte mit den Gaussian Splats konnten wir kaum unscharfe „Wölkchen“ am Boden oder in den Ecken entdecken, unter denen einfachere Splat-Aufnahmen leiden. Für noch mehr Immersion erkundeten wir das Modell später auch mit der VR-Brille Vive Pro 2, mit der allerdings die Kommunikation zur Außenwelt kniffliger wurde. Durch die Kulisse verlief eine Linie, über die wir uns in den Bereich mit detailreich dargestellten Drahtgittern von Maschinen bewegen konnten – inklusive angehefteter Notiz-Panels mit Technikdetails. Ein Nachteil von Gaussian Splats ist hingegen die fehlende Animation. Dieses Problem könnte in Zukunft das „vierdimensionale“ oder dynamische Gaussian Splatting (4DGS) lösen, das auch Bewegungen einbindet. Dafür ist derzeit allerdings noch teure Aufnahmetechnik notwendig.
Weiterlesen nach der Anzeige
MR4B
Auch das vom Bund geförderte „WIR!-Bündnis“ MR4B arbeitet in der Metropolregion Berlin-Brandenburg an verschiedenen räumlichen Forschungsprojekten für Präsentationen oder Trainings. Dazu gehört etwa die Planung und Installation einer Wärmepumpe (MR4Heatpump). Wir konnten uns mit einer Meta Quest 3 durch das Projekt „Kepler“ bewegen, das nahtloses, kollaboratives Pre-Engineering für Anlagen und Gebäude erleichtern soll. Die Lösung für mehrere Nutzer bringe die traditionell getrennt verfügbaren IFC-Daten von Gebäuden und DEXPI-Dateien für Anlagen frühzeitig zusammen, erklärte uns Softwareentwickler Markus Gottschalk von X-Visual Technologies. Nach einer gemeinsamen Begehung mit VR-Brillen lassen sich die geänderten Daten sofort wieder in beide Ausgangsformate exportieren. Die Einbindung von Gaussian Splats war hierbei noch nicht möglich, ist laut Gottschalk aber in Planung.
Immersiver gestaltete sich „MR4Safe Operations“ zur Mixed-Reality-Wartung von Maschinen, das nach dem OpenXR-Standard verschiedene VR- und AR-Brillen unterstützt. Derzeit arbeitet das Projekt mit der Meta Quest 3, die auch wir uns aufsetzten. In der Mixed-Reality-Durchsicht steckten wir an einem echten Maschinenmodell Schläuche an und gingen die eingeblendeten Checklisten durch. Das Tracking unserer Hände funktionierte selbst im Messegewimmel intuitiv. Zudem hatten wir stets die Hände frei, statt eine physische Liste oder ein Tablet halten zu müssen.
Fraunhofer IAO
Das Fraunhofer IAO aus Stuttgart präsentierte auf der Messe zwei Projekte zum „Industrial Metaverse“ gleichzeitig. An der kollaborativen Powerwall können sich zwei Nutzer durch beliebige 3D-Echtzeitdaten bewegen, etwa für Engineering-Reviews, Simulationen oder virtuelle Showrooms. Dabei kommen ein Projektor und selbst entwickelte Shutterbrillen mit einer Bildwiederholrate von 240 Hertz zum Einsatz. Die Bilder werden auf die vier Brillengläser der zwei Zuschauer aufgeteilt. Jedes Glas erhält also 60-mal pro Sekunde ein Bild. Die perspektivisch korrekte Umsetzung wirkte sauber, auch wenn das Bild durch die sich immer wieder schließenden Gläser zwangsläufig etwas dunkler ausfällt als auf der Leinwand. Für die Erfassung der Brillen kommt ein Optitrack-System zum Einsatz. Es ähnelt Valves altem Lasertracking Lighthouse, bietet für Businessanwendungen aber eine höhere Präzision.

Hier testen Tobias Gabeler (links) und Frank Sulzmann vom Fraunhofer IAO die kollaborative Powerwall. Für bessere Fotos und Videos wurden die KI-Avatare nebenan auch auf 2D-Bildschirmen präsentiert.
(Bild: Jan Philipp Wöbbeking / heise medien)
Auf der Leinwand konnten wir uns mit KI-Avataren wie dem vor 200 Jahren verstorbenen Optiker und Instrumentenbauer Joseph Fraunhofer unterhalten, der zum Vorbild und Namensgeber der heutigen Fraunhofer-Gesellschaft wurde. Auch einige Mitarbeiter hatten einen mit Prompts vorbereiteten persönlichen Avatar (auch Persona genannt) vor Ort. Derzeit kommen dafür die Unreal Engine, Epics Metahuman-Framework und ChatGPT (via API) zum Einsatz. In Stuttgart experimentiert die Forschungseinrichtung neben einer lokal installierten Version von ChatGPT auch mit lokalen Modellen. Das Institut sieht in den Avataren unter anderem Potenzial für die Bildung, Verwaltung, den Tourismus oder digitale Vorarbeiter. Josef Fraunhofer gab am Stand Auskunft über seine Vita, seine Reitkenntnisse und seine technischen Errungenschaften.
Solid Bytes Interactive
Am meisten Spaß machte uns auf der Hannover Messe aber die Mixed-Reality-Ausstellung von Solid Bytes Interactive, die sich am Rande des HannoVR-Meetups ausprobieren ließ. Dort setzten wir uns einfach eine Meta Quest 3 auf den Kopf und schritten durch eine etwa 20 Meter lange, reale Themeninsel, in der ein virtuelles Stadtmodell und virtuelle Kugeln schwebten. Wenn man sich auf einen der Hocker setzte, über denen die Kugeln in der Luft hingen, wurde man plötzlich von einem 360-Grad-Video umhüllt. In diesem Fall zeigten die Videos mit angenehm scharfer Auflösung (etwa 6K) einen Rundgang durch verschiedene Stadtviertel Hannovers.

Jan Philipp Wöbbeking / heise medien
)
Passend dazu stellte Solid Bytes Interactive sein noch namenloses, in der Entwicklung befindliches Content-Management-System (CMS) für Mixed-Reality-Anwendungen vor. Die Software zielt darauf ab, Museen und Ausbildungsprojekten einen leichteren Einstieg in Mixed-Reality-Ausstellungen zu ermöglichen. Veranstalter und Dozenten sollen sich nicht mit komplizierter Technik herumschlagen müssen, die das Medium XR bisher häufig zurückhielten, erklärte Unternehmensgründer Dennis Griethe. Stattdessen lädt man im CMS auf dem Computer verschiedene 2D- oder 3D-Medien in Ausstellungs-Slots, die mithilfe der dazugehörigen Quest-App in der realen Welt erscheinen. Bei unserem Messebesuch experimentierten die Entwickler gerade mit der geplanten Einbindung eines frisch aufgenommenen Gaussian Splats.
Da wir als Nutzer die reale Welt sahen, war der „Spaziergang“ durch die Ausstellung meist mühelos und das Inside-Out-Tracking funktionierte auch im Messetrubel einwandfrei. Zwischendurch sorgte allerdings ein Bug dafür, dass die Objekte im Boden versanken. Ein entsprechender Patch ist laut Griethe bereits in Arbeit. Dank Metas „Shared Spatial Anchors“ können mehrere Personen gleichzeitig perspektivisch korrekt durch die Mixed-Reality-Exposition schreiten. Auf der Messe setzten die Entwickler vorerst nur einen einzigen, mittig platzierten Anker ein, um die verschiedenen Points of Interest (POI) auszurichten. Derzeit arbeitet das Studio mit der Quest 3; zukünftig könnten aber auch andere Mixed-Reality-Headsets zum Einsatz kommen.

(Bild: Jan Philipp Wöbbeking / heise medien)
(jpw)
Künstliche Intelligenz
Jugendschutz 2025: Hoher Anstieg gemeldeter Missbrauchsdarstellungen im Netz
Die digitale Welt birgt für Minderjährige zahlreiche Gefahren, wie der aktuelle Jahresbericht der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) bestätigt. Mit insgesamt 28.598 eingegangenen Meldungen verzeichnete die Online-Beschwerdestelle der Einrichtung 2025 die zweithöchste Anzahl an Hinweisen seit ihrer Gründung 1997. Bezeichnend ist dabei nicht nur die schiere Menge, sondern auch die Passgenauigkeit der gemeldeten Inhalte: In 74 Prozent der Fälle (21.072 Meldungen) bestätigte eine umfassende juristische Einzelfallprüfung tatsächliche Verstöße gegen deutsche Jugendschutzgesetze.
Weiterlesen nach der Anzeige
Damit stieg die Quote der begründeten Beschwerden im Vergleich zum Vorjahr (68 Prozent) um sechs Prozent an. Die Experten der FSM führen das hauptsächlich auf eine massive Zunahme im Bereich der Darstellungen des sexuellen Missbrauchs von Kindern (CSAM) zurück.
Klassische Problemfelder wie Pornografie, Hasskriminalität und Gewalt sind in der am Freitag veröffentlichten Statistik für 2025 sogar leicht rückläufig. CSAM hat sich dagegen mit einem Anteil von 58 Prozent an den begründeten Fällen zur mit Abstand größten Kategorie entwickelt. Die FSM verweist dabei auch auf das Erstarken virtueller Missbrauchsdarstellungen, die mit 2332 registrierten Fällen bereits rund 19 Prozent der CSAM-Meldungen ausmachen.
Dazu zählen neben klassischen Zeichnungen im Manga-Stil (Hentai) zunehmend Inhalte, die mithilfe Künstlicher Intelligenz entstanden sind. Diese Entwicklung stellt den Jugendschutz der Organisation zufolge vor völlig neue Herausforderungen, da die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwömmen. Die rechtliche Bewertung in Deutschland bleibe aber eindeutig: Auch virtuelle, mit KI erstellte Darstellungen seien unzulässig und strafbar.
Hosting-Standorte erschweren Löschung
Parallel zu inhaltlichen Verschiebungen beobachtet die FSM eine starke Verlagerung der Hosting-Standorte. War 2024 noch über die Hälfte der gemeldeten illegalen Inhalte auf deutschen Servern gespeichert, sank dieser Anteil im vorigen Jahr auf nur noch etwa 23 Prozent. Vorn dabei sind inzwischen Server in den USA, Malaysia und Großbritannien.
Diese Internationalisierung erschwert die Rechtsdurchsetzung durch Löschanträge, da die Inhalte in Ländern wie den USA oder Kanada oft nicht verboten sind. Die Kooperation mit internationalen Partnern wie dem Hotline-Verbund Inhope bleibe zwar essenziell, stoße aber an ihre Grenzen.
Im Inland zeigt sich die Beschwerdestelle dagegen hocheffektiv. Trotz eines leichten Anstiegs der durchschnittlichen Bearbeitungsdauer auf zwei Tage konnten 99,68 Prozent der rechtswidrigen Inhalte auf deutschen Servern innerhalb einer Woche entfernt werden. Diese schnelle Abhilfe ist ein Kernpfeiler des deutschen Jugendschutzsystems, das primär auf dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) basiert. Die FSM fungiert dabei mit ihrem Juristenteam als Bindeglied zwischen besorgten Nutzern, den Hostern und den Strafverfolgungsbehörden.
Weiterlesen nach der Anzeige
Rückgang bei Hasskriminalität
Ein positiver Trend lässt sich bei den Mitgliedsunternehmen der FSM beobachten, zu denen Größen wie Amazon, Microsoft, Google (YouTube), Meta (Facebook/Instagram) und TikTok zählen. Die Zahl der begründeten Beschwerden gegen Plattformen, die sich der freiwilligen Selbstkontrolle unterworfen haben, sank erheblich von 4849 Fällen im Vorjahr auf nur noch 430. Zudem konnte bei all diesen Vorkommnissen direkt Abhilfe geschaffen werden.
Das deutet darauf hin, dass die Selbstverpflichtung und die Implementierung technischer Schutzmaßnahmen zunehmend Wirkung zeigen. Auch in anderen Bereichen wie Hasskriminalität und Volksverhetzung sind die Fallzahlen spürbar gesunken. Dennoch bleibt das Gesamtbild herausfordernd: Die Kombination aus steigenden Meldezahlen bei Missbrauchsdarstellungen und technologischen Sprüngen durch KI verlangt laut der FSM nach einem kontinuierlichen und nachhaltigen Förderansatz, um Kinder und Jugendliche weiterhin wirksam schützen zu können. Die parallel betriebene Beschwerdestelle des eco-Verbands meldete vor Kurzem eine Rekordzahl bei berechtigten Beschwerden.
(mki)
-
Künstliche Intelligenzvor 2 Monaten
Top 10: Die beste kabellose Überwachungskamera im Test – Akku, WLAN, LTE & Solar
-
Social Mediavor 2 MonatenCommunity Management und Zielgruppen-Analyse: Die besten Insights aus Blog und Podcast
-
Social Mediavor 2 MonatenCommunity Management zwischen Reichweite und Verantwortung
-
UX/UI & Webdesignvor 3 MonatenEindrucksvolle neue Identity für White Ribbon › PAGE online
-
Entwicklung & Codevor 1 MonatCommunity-Protest erfolgreich: Galera bleibt Open Source in MariaDB
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenSmartphone‑Teleaufsätze im Praxistest: Was die Technik kann – und was nicht
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 2 MonatenIntel Nova Lake aus N2P-Fertigung: 8P+16E-Kerne samt 144 MB L3-Cache werden ~150 mm² groß
-
Social Mediavor 1 MonatVon Kennzeichnung bis Plattformpflichten: Was die EU-Regeln für Influencer Marketing bedeuten – Katy Link im AllSocial Interview
