Digital Business & Startups
Was Startups über Venture Clienting wissen sollten
Für aufstrebende Startups kann Venture Clienting ein sehr wirkungsvoller Weg – etwa in die Energiebranche – sein. Vorausgesetzt, ein paar Hausaufgaben sind gemacht. Ein Gastbeitrag von Karin Klaus und Florian Fichter (Enpulse Ventures).
Deutschland ist in Clean-Tech und Engineering hervorragend aufgestellt – insbesondere in der Energiebranche. An guten Ideen mangelt es nicht, an Pilotpotenzialen auch nicht. Doch zwischen Prototyp und breiter Anwendung klafft oft eine große Lücke. Die Eintrittsbarrieren sind enorm: komplexe Regulierung, hohe Investitionen, historisch gewachsene IT-Landschaften und ein Markt, der stark über persönliche Netzwerke funktioniert. Für viele Startups heißt das: Man bleibt beim Showcase hängen, statt in die Kernprozesse zu kommen.
Auch auf Unternehmensseite ist das Muster bekannt: Innovation Labs, Piloten, CVC – vieles bleibt im Testmodus. Genau hier setzt Venture Clienting an. Der Ansatz macht etablierte Unternehmen zum Kunden der Innovation und holt Startups nicht „on top“, sondern mitten ins Kerngeschäft.
Vom Piloten zum Produkt: Was Venture Clienting anders macht
Im Venture Clienting werden Startups als Partner für konkrete Probleme eingebunden, nicht als nettes Add-on. Ausgangspunkt ist immer ein scharf definiertes Problem aus einer Business Unit – etwa fehlende zeitliche Kapazitäten und Fähigkeiten für eine Innovation. Erst danach beginnt die Startup-Suche.
Entscheidend ist der Problem-Solution-Fit: Löst das Startup wirklich den Schmerzpunkt – und zwar im bestehenden Setup des Unternehmens? Ebenso wichtig sind technologische Reife, Integrationsfähigkeit in bestehende Systeme, Security- und Compliance-Fit sowie die Perspektive auf Skalierung.
Auf dieser Basis folgt ein klar strukturierter Ablauf: Problem-Discovery, Auswahl des Partners, POC im Livebetrieb mit KPIs – und danach eine Implementierungsentscheidung. Fällt diese positiv aus, gibt es einen Folgeauftrag: Die Lösung wird in den regulären Prozessen der Geschäftseinheiten verankert. Das Ziel lautet von Anfang an nicht „ein spannender Pilot“, sondern „stabiles Produkt im Alltag“.
Kurz-Case Zählerfreunde: Dynamische Tarife ohne IT-Großprojekt
Wie das in der Praxis aussieht, zeigt die Zusammenarbeit mit Zählerfreunde. Der regulatorische Trigger: Seit Anfang 2025 verpflichtet § 41a EnWG Energieversorger, mindestens einen dynamischen Stromtarif anzubieten. Parallel verlangt das Messstellenbetriebsgesetz, dass Kund:innen ihre Smart-Meter-Daten verständlich einsehen können. Für Privatkund:innen heißt das vereinfacht: Strompreise können sich je nach Tageszeit und Börsenpreis verändern – und wer ein Smart Meter hat, kann seinen Verbrauch viel genauer nachvollziehen und (mit den richtigen Tools) an günstige Zeitfenster anpassen. Was klingt wie zusätzliche Bürokratie, ist in Wirklichkeit eine technische Zäsur – gerade für Stadtwerke mit gewachsenen IT-Landschaften.
Genau hier setzt Zählerfreunde an: Das Startup verbindet Smart-Meter-Daten, Tariflogik und Visualisierung über eine offene Plattformarchitektur, die sich an bestehende Systeme wie SAP IS-U anbinden lässt. Die Daten fließen vom Smart-Meter-Gateway über Head-End-Systeme und Middleware bis ins Kundenportal, Preissignale und Lastdaten bleiben über alle Ebenen hinweg konsistent. Standardisierte Schnittstellen und Marktkommunikationsprozesse reduzieren den Integrationsaufwand; neue proprietäre Punkt-zu-Punkt-Verbindungen werden weitgehend vermieden.
Für Endkund:innen entstehen White-Label-Dashboards im Look & Feel des Stadtwerks, mit Echtzeit-Visualisierung von Verbrauch und Preisen. Damit bekommen Haushalte einen einfachen Zugang zu ihren Smart-Meter-Daten: Sie sehen ihren Stromverbrauch und die aktuellen Preise fast in Echtzeit – und verstehen, was ein dynamischer Tarif im Alltag bedeutet. Optional kann die App auch HEMS-Funktionen bieten, z. B. Prognosen, automatische Lade- und Nutzungspläne (etwa für Wallbox oder Wärmepumpe) sowie Hinweise auf günstige Zeitfenster. So lassen sich Verbrauch und Kosten ohne technisches Vorwissen gezielt optimieren. Für das Stadtwerk bedeutet das: § 41a lässt sich technisch sauber, skalierbar und ohne Parallel-IT umsetzen.
Der nächste logische Schritt ist dann die automatisierte Steuerung flexibler Verbraucher über ein Home Energy Management System (HEMS): Wenn Preissignale, Lastdaten und Geräteverfügbarkeit zusammengeführt werden, lassen sich Prozesse nicht nur sichtbar machen, sondern auch aktiv optimieren – etwa durch zeitliche Verschiebung von Verbrauch, die Ansteuerung steuerbarer Lasten oder die Priorisierung günstiger Zeitfenster. Für Stadtwerke entsteht so ein Pfad von der regulatorisch sauberen Umsetzung hin zu messbarer System- und Kosteneffizienz – ohne ein neues IT-Großprojekt, sondern als Erweiterung auf einer bereits integrierten Plattform.
Für Zählerfreunde ist es ein idealer Venture-Client-Case: Zugang zu realer Infrastruktur, scharfer Use Case, hohe Relevanz – und eine Lösung, die sich auf weitere Versorger übertragen lässt.
Was Startups über Venture Clienting wissen sollten
Für Startups kann Venture Clienting ein sehr wirkungsvoller Weg in die Energiebranche sein – vorausgesetzt, ein paar Hausaufgaben sind gemacht.
Erstens: Es braucht ein echtes Schmerzpunkt-Problem, kein Feature. Wer nur „noch ein Dashboard“ baut, wird austauschbar. Wer hilft, regulatorische Pflichten effizient zu erfüllen, Abläufe so zu strukturieren, dass sie skalierbar und teilautomatisierbar werden, oder komplexe Datenflüsse beherrschbar zu machen, wird schnell unverzichtbar.
Zweitens: Integration, Schnittstellen, Compliance und IT-Security müssen von Anfang an mitgedacht sein. Energieversorger bewegen sich in einer sicherheitskritischen, regulierten Umgebung. CIM, MSCONS, Marktkommunikation, Anbindung an SAP oder Abrechnungssysteme – all das ist kein Detail, sondern Kern des Produktdesigns.
Drittens: Wiederholbarkeit und Skalierung sind entscheidend – bei gleichzeitig hoher Flexibilität in der Umsetzung. Ein POC in einer Stadt ist gut, aber erst skalierbare Architekturen machen aus einem Projekt ein tragfähiges Geschäftsmodell. Wer Lösungen so baut, dass sie konfigurierbar statt hart verdrahtet sind und auf neue regulatorische Anforderungen reagieren können, erhöht seine Chancen auf Folgeaufträge massiv.
Hebel für die Energiewende – und für Startup-Wachstum
Die Energiewende wird nicht im Labor entschieden, sondern im Netzbetrieb, in den Leitsystemen, in der Abrechnung und auf den Endkundenschnittstellen. Genau dort sind Startups oft am stärksten – wenn sie Zugang bekommen und ihre Lösungen im Livebetrieb beweisen können.
Venture Clienting bringt Innovation schneller in den Betrieb und zu echtem Impact. Wir fungieren dabei als Brücke zwischen Startup-Ökosystem und EnBW-Business Units: Wir übersetzen Probleme der Fachbereiche in Startup-taugliche Use Cases, qualifizieren Partner, begleiten POCs und führen sie – wenn sie funktionieren – in die Implementierungsentscheidung und den Folgeauftrag.
Das Ziel ist simpel: mehr Lösungen raus aus dem Pilot, rein in die Fläche. Für Energieversorger bedeutet das Tempo und Umsetzungsstärke in einer Branche, die sich tiefgreifend verändert. Für Startups bedeutet es: weniger Pitch-Bühne, mehr produktiver Einsatz. Und für die Energiewende heißt es: gute Clean-Tech-Ideen wirken nicht nur auf Konferenzen, sondern im Zählerkasten, im Backend – und am Ende bei den Menschen, die ihren Strom, ihre Wärme und ihre Mobilität jeden Tag nutzen.
Über die Autoren
Karin Klaus und Florian Fichter sind CEOs der Enpulse Ventures GmbH, einer hundertprozentigen Tochter der EnBW. Vom Standort Stuttgart aus verantworten sie als Venture Studio das frühphasige Innovationsgeschäft des Konzerns – von Marktanalysen und Zukunftsstudien über die Entwicklung und Validierung neuer Geschäftsmodelle bis zur Gründung marktreifer Startups. Darüber hinaus fördern sie externe Gründer:innen durch Kooperationen mit der EnBW und Investments, um Innovationen für Energiewende und nachhaltige Infrastruktur zu beschleunigen.
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Elephant erhält 5 Millionen – NanoStruct sammelt 2,6 Millionen ein – inMusic rettet Native Instruments
#DealMonitor
+++ #DealMonitor +++ KI-Startup Elephant erhält 5 Millionen +++ DeepTech-Startup NanoStruct sammelt 2,6 Millionen ein +++ inMusic rettet Musik-Grownup Native Instruments +++ Aareon Group übernimmt PropTech easimo +++

Im #DealMonitor für den 11. Mai werfen wir einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages in der DACH-Region. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.
STARTUPLAND 2027: SAVE THE DATE

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INVESTMENTS
Elephant
+++ EnBW New Ventures, der Investmentarm des Energieversorgers EnBW, Wepa Ventures, der Investmentableger des Hygienepapierherstellers Wepa, und Business Angels investieren 5 Millionen Euro in Elephant Company. Das Startup aus Berlin, von Maurice Zomorrodi, Niklas Dehio und Melchior Schramm gegründet, entwickelt „eine KI-gestützte Plattform, mit der Unternehmen Wissen, Prozesse und Trainingsinhalte an operative Teams weitergeben können – etwa in Produktion, Logistik oder technischem Außendienst“. Das frische Kapital soll „in den Ausbau des Teams und die Weiterentwicklung der Plattform“ fließen. Mehr über Elephant Company
NanoStruct
+++ Der Bonner Frühphasen-Investor High-Tech Gründerfonds (HTGF), Bayern Kapital und Auxxo Female Catalyst Fund investieren 2,6 Millionen Euro in NanoStruct. Das Würzburger DeepTech-Startup, von Henriette Maaß, Enno Schatz und Kai Leibfried gegründet, entwickelt nanostrukturierte Sensorchips für die Identifikation gefährlicher Keime in Lebensmitteln. „Die Finanzierung ermöglicht Pilotprojekte im Lebensmittelanalysemarkt, den Aufbau eines strukturierten Vertriebs sowie den Ausbau des Teams“, teilt die Jungfirma mit. Mehr über NanoStruct
MERGERS & ACQUISITIONS
inMusic – Native Instruments
+++ Die US-amerikanische DJ-Tech-Firma inMusic übernimmt das insolvente Berliner Musikunternehmen Native Instruments. „Native Instruments represents everything we look for in a partner: exceptional products, a deeply engaged community, and a clear point of view on what musicians want“, teilt inMusic mit. Native Instruments, 1996 gegründet, kümmert sich um Software und Hardware für digitale Musikproduktion. Die Beteiligungsgesellschaft Francisco Partners übernahm 2021 die Mehrheit an Native Instruments. 350 Mitarbeitende wirkten zuletzt für Native Instruments. Mehr über Native Instruments
Aareon Group – easimo
+++ Die Mainzer Aareon Group, die auf Softwarelösungen für die Immobilienwirtschaft setzt, übernimmt das 2020 gegründete Bielefelder Startup easimo, ein „All-in-One Cloud-ERP für die Immobilienverwaltung“. Mit der Übernahme möchte das Unternehmen „die Grundlage schaffen, Künstliche Intelligenz effizienter in den Arbeitsalltag von Haus- und WEG-Verwaltungen zu integrieren“ und baut zugleich seine Rolle als technologischer Treiber in der Branche weiter aus“. Mehr über easimo
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Mein Freund entschied sich für sein Startup – und gegen unsere Beziehung
Unter den eher unerwarteten Folgen des KI-Wettlaufs ist eine neue Trennungsfloskel aufgetaucht: Es liegt nicht an dir, sondern an meinem Startup.
Lee Beckman, 30, Gründer eines Edtech-Startups, führte etwa fünf Monate lang eine Fernbeziehung mit seiner Freundin, als ihm klar wurde, dass ihn der Aufbau seines Unternehmens so sehr auslaugte, dass ihm kaum noch Energie für die Beziehung blieb. Wenn er sie abends anrief, sei sein Kopf „so voll mit Informationen und dem Versuch, so viele Dinge gleichzeitig zu erledigen“, dass „kein Platz mehr im Gehirn übrig war“.
„Ich habe gemerkt, dass ich mich für meine mentale Gesundheit auf sie verlassen habe – und das fand ich nicht fair“, sagt Beckman.
Die panische Angst vor der dauerhaften Unterschicht
Auch Archish Arun, 21, war rund sechs Monate mit seiner Freundin zusammen, als er beschloss, Stanford abzubrechen und Vollzeit an seinem von Y Combinator geförderten Video-Produktions-Startup zu arbeiten. Er geriet so stark in das rasante Tempo eines Frühphasen-Startups, dass er ungeduldig wurde, wenn sie Zeit brauchte, um einen Streit zu verarbeiten – er wollte eine Lösung so schnell wie einen Bugfix. Das Leben im Startup-Takt habe „viele unserer Probleme viel schneller an die Oberfläche gebracht“, sagt er.
Das ist auch mir passiert. Wie viele junge Gründer ist mein Ex-Freund überzeugt, dass in den kommenden Jahren die Gewinne des KI-Booms an diejenigen gehen werden, die jetzt darauf aufspringen – während der Rest von uns in einer dauerhaften Unterschicht feststeckt. Wir waren neun Monate zusammen, als er mir sagte, dass er nach San Francisco ziehen werde, um Fellow bei Andreessen Horowitz zu werden und sein Medien-Startup zu skalieren – und dass er dafür unsere Beziehung in New York beenden müsse.
Der ständige KI-Druck, etwas aufzubauen
„Ich habe das Gefühl, ich schulde es mir selbst, diesem Traum nachzugehen, den ich seit meiner Kindheit habe“, sagte er. „Und wenn wir zusammenbleiben, werde ich jede freie Minute damit verbringen, zu versuchen, nach New York zurückzukommen, um dich zu sehen.“
Autsch. Mich traf vor allem das Gefühl völliger Kontrolllosigkeit. Ich entwickelte eine einseitige, fast parasoziale Abneigung gegen Marc Andreessen, von dem ich das Gefühl hatte, er habe mir meinen Freund gestohlen, ohne es überhaupt zu versuchen. Gleichzeitig wurde mir klar, dass ich damit nicht allein bin.
Dating, ohnehin schon chaotisch für karriereorientierte Menschen in ihren Zwanzigern, ist aus den Fugen geraten. Die Diagnosen sind vielfältig: Swipe-Kultur, Ghosting, eine wachsende Einsamkeitskrise, die zunehmende politische Kluft zwischen Männern und Frauen, wirtschaftliche Unsicherheit, die Menschen dazu bringt, Heirat hinauszuzögern. Und für eine bestimmte Gruppe kommt heute ein weiterer, besonders heikler Faktor hinzu: der Druck, etwas aufzubauen.
Lieber aufs Startup konzentrieren, statt auf die Beziehung
Angelockt von den Versprechen der Künstlichen Intelligenz schotten sich viele junge Gründer zunehmend von ihrem sozialen Leben ab. Im vergangenen Jahr sagte ein General Partner von Y Combinator der New York Times, das Durchschnittsalter der Teilnehmer liege inzwischen bei 24 Jahren – nach 30 im Jahr 2022. Die Gründer, mit denen ich für diese Geschichte gesprochen habe, betonten, dass sie gute Partner sein wollen. Doch zwischen den ohnehin schon enormen Anforderungen eines Frühphasen-Startups und dem „Jetzt-oder-nie“-Druck des KI-Booms haben viele ihre bestehenden Beziehungen aufgegeben, um sich ganz auf die Arbeit zu konzentrieren. Ihre Ex-Partner wollten sich dazu nicht äußern.
Wenn ein junger Gründer „eine Beziehung führen will, muss er sie mit derselben Zielstrebigkeit behandeln wie sein Unternehmen – und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er dazu nicht in der Lage ist“, sagt Amy Andersen, Dating-Coach aus dem Silicon Valley. Unter ihren Gründer-Klienten seien diejenigen, die bereit für eine ernsthafte Beziehung sind, meist Mitte bis Ende 30. „Mitte 20 eher nicht“, sagt sie.
Ich frage Andersen, was sie einem 26-jährigen Gründer raten würde, der darüber nachdenkt, eine gesunde Beziehung zu beenden, um sich auf den Aufbau seines Startups zu konzentrieren. Ich erwähne nicht, dass dieses hypothetische Szenario meine eigene Realität war.
„Ich halte das für eine gute Idee, weil er auf sich selbst hört und sehr ehrlich einschätzt, was er leisten kann“, sagt Andersen. „Wenn er sich für die Beziehung entscheiden würde, hätte er am Ende wahrscheinlich Reuegefühle. Und irgendwann würden die Frustration und die Realität, dass es schwer ist, beides unter einen Hut zu bekommen, an die Oberfläche kommen.“ Hart.
Ein Grund, warum es so schwierig ist, mit einem jungen Gründer zusammen zu sein, liegt darin, wie eng ihr Startup mit ihrer Identität verknüpft ist, sagt Yariv Ganor, ein Startup-Psychologe, der häufig mit Gründern in Beziehungen arbeitet. „Der Partner muss in gewisser Weise akzeptieren, dass das Startup Priorität hat. Das Startup ist oft eine Erweiterung der Gründerperson – viele sehen es als eine Art Verkörperung ihrer selbst“, sagt Ganor.
Für viele junge Gründer rückt Dating hinter den Aufbau ihres Startups zurück – weil es sich für sie schlicht unverantwortlich anfühlt, finanziell und emotional in etwas anderes zu investieren als in ihr Unternehmen.
„Ich investiere so viel und verbrenne jeden Monat so viel Geld mit meinem Business. Da wirkt es einfach nicht wirtschaftlich sinnvoll, zusätzlich ins Dating zu investieren“, sagt Beckman. Seit der Trennung von seiner Freundin im Jahr 2024 sei er auf gerade einmal zwei Dates gewesen. Mein Ex hat mir etwas Ähnliches gesagt: Er wolle in San Francisco erst einmal ein fast mönchisches, enthaltsames Leben führen.
Der „Hackathon-Ansatz“ beim Dating
Einige Gründer, die daten, haben gleichzeitig unrealistisch hohe Erwartungen daran, wie leicht sich der perfekte Partner finden lässt. Max Marchione, 25, Gründer des Longevity-Startups und Peptid-Anbieters Superpower, sagte mir, er würde einer Frau eine einwöchige „Probezeit“ geben – und in dieser Zeit prüfen, ob er sich ein Leben für immer mit ihr vorstellen kann.
„Es gab eine Phase, in der ich strikt gesagt habe: ‚Ich gehe gar keine Beziehung ein.‘ Jetzt ist es eher so: Wenn ich denke, dass ich jemanden vielleicht heiraten könnte, teste ich das eine Woche lang – und treffe danach eine Entscheidung“, sagt Marchione.
Andersen sagt, sie habe diesen „Hackathon-Ansatz“ beim Dating schon bei mehreren Gründern beobachtet. „Sie sind es gewohnt, voll reinzugehen, mit maximalem Einsatz zu testen, ob etwas funktioniert“, sagt sie. „Genau diese Mentalität hat ihnen wahrscheinlich auch zum Erfolg im Job verholfen.“ Sie hält sieben Tage allerdings für zu kurz, um jemanden wirklich kennenzulernen – hat aber auch mit Gründern gearbeitet, die innerhalb von zwei bis vier Wochen die Liebe gefunden haben.
Gründern fehle oft die emotionale Intelligenz, die Frauen suchen, die grundsätzlich offen dafür sind, sie zu daten, sagt Andersen. „Sie suchen jemanden, der die Balance zwischen IQ und EQ mitbringt. Und genau dieser EQ ist im Silicon Valley etwas schwerer zu finden“, sagt sie. Für viele Gründer sei „Kommunikation wahrscheinlich die am meisten unterschätzte Fähigkeit“.
Seine Ex-Freundin habe nicht zu ihm gepasst, weil sie „zwei bis drei Stunden Aufmerksamkeit pro Tag“ braucht
Um mit einem Early-Stage-Gründer eine Beziehung zu führen, braucht es einen bestimmten Typ Mensch. Dmitri Mirakyan, 31, sagt, seine Ex-Freundin habe nicht zu ihm gepasst, weil sie „zwei bis drei Stunden Aufmerksamkeit pro Tag“ gebraucht habe. Das sei „extrem schwer gewesen“, da er einen 9-to-5-Job hatte und parallel sein Startup Creed aufbaute, das sich selbst als „erste KI mit christlichen Werten“ bezeichnet.
Ganor sagt, am besten kämen Gründer mit Menschen zurecht, die „geben – also in Beziehungen viel einbringen, ohne ständig etwas im Gegenzug zu erwarten“.
Mirakyans aktuelle Freundin scheint genau so jemand zu sein. Sie spürt, was er braucht. Er erzählt, dass er vor einigen Monaten während der Hochzeitszeremonie eines Freundes in Indien in Panik geriet, weil es ein Problem mit seiner App gab.
Warum ich keine Gründer mehr date
„Eine völlig nachvollziehbare Reaktion wäre gewesen: ‚Du bist auf der Hochzeit meiner Freunde, du blamierst mich – was machst du da?‘ Das ist schon die zweite Hochzeit dieses Jahr, bei der ich meinen Laptop rausholen musste“, sagt Mirakyan. „Ich war sichtbar gestresst und am Handy – und statt genervt zu sein, hat sie mir das WLAN organisiert, einen Platz zum Sitzen gesucht und mir Snacks gebracht.“
„Für mich war es kein großes Problem, dass er einen Arbeitsnotfall hatte“, sagt seine Freundin. „Für mich war eher entscheidend: Es stresst ihn, und es stresst mich, ihn so zu sehen. Also wollte ich einfach helfen.“
Ich bin mir nicht sicher, ob ich so viel Geduld gehabt hätte. Mich hat es schon genervt, wenn mein Ex vergessen hat, ein Restaurant zu reservieren und wir dann irgendwo anstehen mussten – oder wenn er Pläne abgesagt hat, um nicht mit zu den Partys meiner Freunde zu kommen, sondern stattdessen die Nacht durchzucoden.
Ich date inzwischen keine Early-Stage-Gründer mehr. Mein neuer Freund ist verlässlich, entspannt und macht um 18 Uhr Feierabend. Er ist Engineer bei einem Big-Tech-Konzern. Vielleicht wird er eines Tages von KI ersetzt und landet in der permanenten Unterschicht – aber wenigstens haben wir Zeit füreinander.
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5 neue Startups: Delta Labs, modulo8, BubbleTax, GuardAero, Lobby
#Brandneu
Es ist wieder Zeit für neue Startups! Hier einige ganz frische Firmen, die jeder kennen sollte. Heute stellen wir diese Jungunternehmen vor: Delta Labs, modulo8, BubbleTax, GuardAero und Lobby.

deutsche-startups.de präsentiert heute wieder einmal einige junge Startups, die zuletzt, also in den vergangenen Wochen und Monaten, an den Start gegangen sind, sowie Firmen, die vor Kurzem aus dem Stealth-Mode erwacht sind. Übrigens: Noch mehr neue Startups gibt es in unserem Newsletter Startup-Radar.
Delta Labs
Hinter Delta Labs aus Zürich steckt eine KI-basierte Plattform zur Vorhersage von Kundenverhalten. „Our platform generates calibrated synthetic populations that simulate how audiences will respond to decisions, powered by our global population models and enriched with first-party data when available“, heißt es zum Konzept der Gründerinnen Anne Scherer und Cindy Candrian.
modulo8
Bei modulo8 aus Lübeck, von Torben Rogge angeschoben, geht es um „KI-Lösungen für den Mittelstand“. Die Bandbreite reicht dabei von einer automatisierten Dokumentenverarbeitung über Absatzprognosen bis hin zu Datenextraktion aus E-Mails.
BubbleTax
BubbleTax aus Regensburg bringt sich als „Steuerlösung für Interactive Brokers“ in Stellung. „Unsere Software ist darauf ausgelegt, selbst komplexe Brokerdaten zu ordnen und daraus klar strukturierte Buchhaltungsinformationen zu erzeugen“, verspricht das von Thomas Ortmeier und Dominik Schröter gegründete FinTech.
GuardAero
Das junge DefenseTech GuardAero aus Graz, von Lukas Kerschdorfer und Clemens Bader ins Leben gerufen, hat „eine autonome Schutzlösung, die Drohnen erkennt, verfolgt und neutralisiert“ im Angebot. Dabei sind die Systeme für verschiedenste Fahrzeugtypen ausgelegt.
Lobby
Die frische Firma Lobby aus Zürich, von Romy Abbrederis, Alex Mugrauer und Muhammad Abdullah an den Start gebracht, bietet ein KI-basiertes Buchungssystem. „Instead of manually checking availability, creating and sending proposals, following up, and entering data into the reservation system, Lobby automates the entire booking workflow“, heißt es zum Konzept.
Tipp: In unserem Newsletter Startup-Radar berichten wir einmal in der Woche über neue Startups. Alle Startups stellen wir in unserem kostenpflichtigen Newsletter kurz und knapp vor und bringen sie so auf den Radar der Startup-Szene. Jetzt unseren Newsletter Startup-Radar sofort abonnieren!
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