Künstliche Intelligenz
Nervöse Börsen: Gedankenexperiment über KI lässt Techaktien sacken
Die Nervosität an den Aktienmärkten nimmt infolge des KI-Hypes immer weiter zu. Ein am Sonntag veröffentlichtes Szenario des kleinen Analystenhauses Citrini Research, das fiktiv erhebliche Negativwirkungen von KI auf die US-Wirtschaft im Jahr 2028 schildert, war möglicherweise Auslöser für Abverkäufe zahlreicher Techaktien.
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Citrinis Gedankenexperiment zeichnet eine Abwärtsspirale, die dadurch ausgelöst wird, dass Firmen immer stärker auf KI statt auf menschliche Wissensarbeit setzen. Nach anfänglichen Produktivitätsgewinnen und Rekordaktienkursen zeigen sich im Szenario die gesamtwirtschaftlichen Konsequenzen: Ein großer Teil der Wissensarbeiter und Büroangestellten büßt seine Stellen ein und muss in deutlich schlechter bezahlte Jobs wechseln. So führt der Verlust vieler gut bezahlter Jobs zu rasant sinkenden Konsumausgaben, was auch andere Firmen klassischer Wirtschaftszweige in Mitleidenschaft zieht.
Auch die Immobilienmärkte kommen ins Trudeln, weil wegen der Jobverluste viele Menschen ihre Hypotheken nicht mehr bedienen können. Da mit den Jobs auch Steuereinnahmen wegbrechen, sind zugleich die Interventionsmöglichkeiten des Staates eingeschränkt. Angesichts der zunehmenden Krise setzen die Firmen auf Sparmaßnahmen, was noch mehr KI-Einsatz und Entlassungen bedeutet – und damit eine weitere Verschärfung der Lage. Soweit Citrinis düsteres Bild, von dem noch niemand sagen kann, ob es im Jahr 2028 zutreffen wird oder einfach nur Science-Fiction ist.
Vom Gedankenexperiment zum Kursrutsch
Dessen unbenommen zeigte die Schwarzmalerei laut Wall Street Journal aber Wirkung bei den Investoren und zog gerade im Citrini-Szenario erwähnte Branchen und Firmen nach unten. Neben Softwareaktien etwa von Microsoft und ServiceNow traf es die als Verlierer erwähnten Kreditkartenanbieter Visa, Mastercard und American Express mit erheblichen Tagesverlusten. Auch aufgeführte Beteiligungsgesellschaften wie KKR und Blackstone ließen deutlich Federn.
Besonders hart traf es am Montag IBM mit einem Minus von 13 Prozent. Allein im Februar verlor die IBM-Aktie damit mehr als 26 Prozent an Wert. Big Blue kam nicht in Citrinis Zukunftsbild vor, könnte aber von einer Mitteilung Anthropics nach unten gezogen worden sein. Der große Konkurrent von OpenAI pries darin die Fähigkeit seines KI-Tools Claude Code, Modernisierungsprojekte für COBOL-Code erheblich beschleunigen zu können. Laut Anthropic lässt sich eine COBOL-Codebasis dank der KI nun in Quartalen modernisieren statt wie bisher in Jahren. Zuletzt haben immer wieder Befürchtungen, KI könne bestimmte Branchen disruptieren und Firmen überflüssig machen, zu Kursrutschen geführt, unter anderem im Bereich der SaaS-Anbieter.
(axk)
Künstliche Intelligenz
Microsofts Silica: Glas speichert Daten für 10.000 Jahre
Etablierte Datenspeicher wie Magnetbänder oder Festplatten erreichen nach nur wenigen Jahren oder Jahrzehnten das Ende ihrer Lebensdauer. Sollen Daten über längere Zeiträume erhalten bleiben, müssen sie regelmäßig auf neue Medien kopiert werden – ein teurer und zeitaufwendiger Vorgang. Eine Lösung sollen Datenspeicher aus Glas sein, in die Informationen mithilfe eines Lasers geschrieben werden.
Glas gilt als besonders vielversprechendes Medium für langfristige Datenspeicher, da es robust gegenüber Wärme, Feuchtigkeit oder dem Einfluss elektromagnetischer Felder ist. Eine Schwierigkeit lag in der Vergangenheit besonders darin, Daten effizient zu schreiben und auszulesen und die Datenträger günstig zu produzieren.
Ein Team von Microsoft Research in Cambridge präsentiert im Fachmagazin Nature nun Fortschritte bei der Entwicklung seines vollautomatisierten Archivierungssystems mit dem Namen Silica, das Daten für mehr als 10.000 Jahre verlustfrei speichern können soll.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Microsofts Silica: Glas speichert Daten für 10.000 Jahre“.
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Künstliche Intelligenz
Meta investiert Milliarden in AMD-GPUs mit Option auf Firmenanteile
AMD und Meta einigen sich auf einen Rahmenvertrag im Wert vieler Milliarden US-Dollar. Über fünf Jahre hinweg will Meta KI-Beschleuniger von AMD mit einer Kapazität von insgesamt sechs Gigawatt kaufen. Im Gegenzug bekommt Meta AMD-Firmenanteile, wenn alles nach Plan verläuft.
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Die öffentlich bekannt gegebenen Konditionen sind weitgehend vom Abkommen zwischen AMD und OpenAI kopiert. Meta will noch in der zweiten Jahreshälfte die erste Tranche von KI-Beschleunigern für das erste Gigawatt kaufen. AMD passt laut Ankündigung seinen Instinct-MI450-Beschleuniger für eine Custom-Version an. Meta kauft komplette Helios-Server von AMD, inklusive Epyc-Venice-Prozessoren (Zen 6) und Netzwerktechnik der Firma. Zusätzlich will Meta einzelne Epyc-CPUs kaufen.
Nach heutigem Standard entsprächen sechs Gigawatt fast 4,3 Millionen GPUs vom Typ Instinct MI355X, die eine Thermal Design Power (TDP) von jeweils 1400 Watt haben. Bis 2030 soll die elektrische Leistungsaufnahme pro Beschleuniger weiter steigen: Bei 2000 Watt wären es drei Millionen GPUs, bei 3000 Watt zwei Millionen.
60 Milliarden US-Dollar minus Rabatt
Laut der Nachrichtenagentur Reuters hat der Meta-Deal einen Wert von etwa 60 Milliarden US-Dollar über die gesamten fünf Jahre hinweg. Das entspricht derzeit 51 Milliarden Euro. Einen derart konkreten Wert nennen die beiden Unternehmen selbst nicht. Zum Vergleich: Das wäre mehr als AMDs aktueller Jahresumsatz. Er lag 2025 bei 34,6 Milliarden US-Dollar.
Wie schon bei OpenAI hat AMD auch mit Meta Meilensteine ausgemacht. Meta muss bestimmte, aber nicht kommunizierte GPU-Mengen kaufen, um Kaufoptionen für bis zu 160 Millionen AMD-Aktien zu erhalten. Diese kosten dann jeweils nur einen symbolischen Cent und entsprächen derzeit einer Firmenbeteiligung von zehn Prozent. Im Gegenzug muss AMD bestimmte Kursziele an der Börse erreichen. Nach OpenAI hat somit auch Meta ein direktes Interesse an AMDs Erfolg.
Aktuell hätten 160 Millionen Aktien einen Wert von etwa 33 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 28 Milliarden Euro. Sofern Meta die Kaufoptionen einlöst, entsprechen sie indirekt einem Rabatt für die Hardware.
Bereits im Jahr 2024 war Meta AMDs größter Kunde für KI-Beschleuniger. Damals soll die Firma 173.000 Instinct-MI300-GPUs gekauft haben. Seitdem haben Hyperscaler den Ausbau von KI-Rechenzentren erheblich beschleunigt.
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Unmittelbar nach Bekanntgabe des Meta-Abkommens schoss AMDs Aktie um fast 15 Prozent hoch. Inzwischen hat sie sich bei sieben bis acht Prozent Plus eingependelt. Das Hoch vom Januar ist derzeit noch rund 20 Prozent entfernt.
(mma)
Künstliche Intelligenz
Kunststoffe werden mithilfe von Sonnenlicht zu Essigsäure recycelt
Plastikmüll ist weltweit ein Problem, und weltweit suchen Forscher nach Lösungen, um seiner Herr zu werden. Kanadische Forscher wollen Altplastik mithilfe von Sonnenlicht in Essigsäure verwandeln.
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Das Team der Universität von Waterloo in der kanadischen Provinz Ontario hat eine von biologischen Prozessen inspirierte Kaskaden-Photokatalyse ersonnen. Ziel sei, das Problem mit Plastikmüll zu lösen und diesen gleichzeitig in ein hochwertiges Produkt umzuwandeln, sagte Projektleiter Yimin Wu. Das Verfahren lasse sich auf diverse gängige Kunststoffe anwenden.
Dabei kommt ein Katalysator zum Einsatz, der aus Eisenatomen besteht, die in ein Trägermaterial aus Kohlenstoffnitrid eingebettet sind. Unter dem Einfluss von Sonnenlicht entstehen Hydroxylradikale, sehr reaktive Wasserstoff-Sauerstoff-Moleküle. Diese spalten die langen Kunststoffketten in Zwischenprodukte auf, die dann auf die gleiche Weise zu Essigsäure reduziert werden.
Das Verfahren ähnelt der Art und Weise, wie einige Pilzarten organische Stoffe abbauen. Die Reaktion läuft bei Zimmertemperatur und Umgebungsdruck ab und findet im Wasser statt. Dadurch soll sich das Verfahren auch gut dazu eignen, Plastikmüll im Wasser abzubauen.
An verschiedenen Kunststoffen getestet
Das Team hat das Verfahren erfolgreich mit gängigen Kunststoffen getestet. Darunter waren beispielsweise Polyethylen (PE), Polyethylenterephthalat (PET), Polypropylen (PP) und Polyvinylchlorid (PVC). Die Ausbeute war dabei unterschiedlich und am besten bei PVC.
„Dieses Verfahren ermöglicht es, mithilfe der reichlich und kostenlos zur Verfügung stehenden Sonnenenergie Plastikmüll abzubauen, ohne zusätzlich Kohlendioxid in die Atmosphäre freizusetzen“, sagte Wu. Die Essigsäure kann in der Lebensmittelproduktion oder in der chemischen Industrie verarbeitet werden, etwa als Geschmacksstoff, in Lösungsmitteln oder Klebstoffen.
Das Team um Wu hat das Verfahren in der Fachzeitschrift Advanced Energy Materials beschrieben. Es ist nach Angaben der Forscher derzeit noch im Laborstadium. Sie gehen aber davon aus, dass es sich für Anwendungen im industriellen Maßstab skalieren lässt.
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(wpl)
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