Digital Business & Startups
Netzwerkaufbau ist keine einmalige Sache
#Interview
„Am Anfang dachten wir, dass ein starkes Produkt und technologische Exzellenz ausreichen würden“, sagt Katharina Hesseler, Gründerin von Omegga. „In der Realität muss man Technologie, industrielle Skalierung und Go-to-Market gleichzeitig sauber aufsetzen“, führt sie aus.

Das Münchner BioTech Omegga, 2022 von Katharina Hesseler, Till Nöllgen, Paul Günther, Kyle Hiroyasu, Moritz Eder und Clara Kaufhold gegründet, entwickelt eine „optische, Methode zur in-ovo Geschlechtsklassifizierung von frühembryonalen Hühnern“. Das Team möchte so „Millionen männliche Küken davor bewahren, direkt nach dem Schlüpfen getötet zu werden“.
Der englische DeepTech-Investor IQ Capital, der Kölner Investor Capnamic und EIC Fund investierten kürzlich 10 Millionen Euro in das Unternehmen. Das frische Kapital soll unter anderem in die „kommerzielle Skalierung der Lösung zur In-Ovo-Geschlechtsbestimmung“ fließen.
Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründerin Katharina Hesseler einmal ausführlich über den Stand der Dinge bei Omegga.
Wie würdest Du Deiner Großmutter Omegga erklären?
Stell dir vor, bevor ein Küken schlüpft, können wir schon im Ei erkennen, ob es ein Hahn oder eine Henne wird. Die Geflügelindustrie tötet heute Milliarden männlicher Küken direkt nach dem Schlüpfen, weil sie keine Eier legen. Mit künstlicher Intelligenz lösen wir das, bevor es so weit kommt.
War dies von Anfang an Euer Konzept?
Von Anfang an war klar: Wir wollen etwas mit echtem Impact bauen. Wir haben verschiedene Bereiche analysiert und bei der Geschlechtsbestimmung im Ei den größten Gap zwischen Kundenbedarf und verfügbaren Lösungen gesehen – also haben wir genau dort angesetzt.
Wie hat sich Omegga seit der Gründung entwickelt?
Seit unserer Gründung 2022 ist unser Team auf 20 Mitarbeitende gewachsen. 2024 konnten wir einen non-dilutiven EIC-Grant in Höhe von 2,4 Millionen Euro sichern. Ein Kunde ist bereits vollständig operativ, zwei weitere befinden sich in der Implementierungsphase. Mit der Anfang 2026 abgeschlossenen Finanzierungsrunde über 10 Millionen Euro werden wir unser Team nun verdoppeln.
Wie seid Ihr mit euren Investor:innen in Kontakt gekommen?
Netzwerk, Netzwerk, Netzwerk. Wir haben Multiplier aus unserem Netzwerk aktiviert, die warme Intros für uns machen. Netzwerkaufbau ist keine einmalige Sache, sondern eine Beziehungspflege über Jahre.
Blicke bitte einmal zurück: Was ist seit der Gründung so richtig schief gegangen?
Am Anfang dachten wir, dass ein starkes Produkt und technologische Exzellenz ausreichen würden. In der Realität muss man im DeepTech-Umfeld Technologie, industrielle Skalierung und Go-to-Market gleichzeitig sauber aufsetzen. Diese Komplexität und die enge Verzahnung der Themen haben wir anfangs unterschätzt. Heute arbeiten wir deutlich integrierter, mit schnelleren Feedback-Loops zwischen Kunden, Produktentwicklung und Operations.
Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?
Wir haben früh auf schnelle Prototypen-Iterationen gesetzt und sehr eng mit unseren Kunden zusammengearbeitet. Dadurch konnten wir ihren Blickwinkel direkt in das Produktdesign einfließen lassen. Statt Perfektion im ersten Schritt anzustreben, haben wir schnell iteriert, gelernt und uns kontinuierlich verbessert. Gleichzeitig ist es uns gelungen, uns früh über Grants zu finanzieren. Gerade für ein CAPEX-intensives Vorhaben mit starkem Forschungsfokus war das essenziell, weil diese Finanzierungsspielräume schafft, ohne kurzfristig rein nach Umsatz bewertet zu werden.
Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?
Mein wichtigster Tipp ist: Arbeitet Kunden-fokussiert. Der echte Stresstest für jedes Produkt ist nicht die interne Meinung, sondern ob der Markt es wirklich annimmt. Deshalb so früh wie möglich mit Kunden sprechen, Feedback einholen, testen und daraus lernen. Wer nah am Kunden baut, trifft in der Regel deutlich bessere Entscheidungen – schneller und mit weniger Umwegen.
Wo steht Omegga in einem Jahr?
In einem Jahr wollen wir unser Team deutlich ausgebaut, weitere Kunden operativ live und unsere Technologie im Markt noch breiter etabliert haben. Gleichzeitig soll Omegga als einer der führenden Anbieter in unserem Segment deutlich sichtbarer geworden sein – personell, technologisch und kommerziell.
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): Omegga
Digital Business & Startups
Lidl-Konzern investiert 57 Millionen in deutsches Startup – warum?
Quantencomputer sollen Probleme lösen, an denen selbst heutige Computer scheitern. Und genau hier könnte Deutschland zeigen, dass es bei einer der wichtigsten Zukunftstechnologien vorne mitspielt. Eine große Hoffnung: Eleqtron aus Siegen. Das Startup hat gerade 57 Millionen Euro von der Schwarz-Gruppe eingesammelt – dem Konzern hinter Lidl und Kaufland. Wie überzeugt man einen der mächtigsten Konzerne Europas, Millionen in ein Quantenstartup zu stecken? Das haben wir Eleqtron-Gründer Jan Henrik Leisse gefragt.
Digital Business & Startups
Dieser Chef erhöht jedes Jahr automatisch die Gehälter seiner Mitarbeiter
Während viele Tech-Konzerne Benefits streichen und Stellen abbauen, geht das KI-Startup Lovable einen anderen Weg
Das Vibe-Coding-Startup Lovable will allen Vollzeitangestellten jedes Jahr zum Arbeitsjubiläum automatisch zehn Prozent mehr Gehalt zahlen – um Talente anzuziehen und langfristig zu halten.
„Wir betrachten Mitarbeiterbindung nicht als selbstverständlich. Sie wird als wachsender Wert gesehen, der aktiv anerkannt und belohnt wird“, schrieb Elena Varna, Growth Operator bei Lovable, am Donnerstag in einem Linkedin-Post.
Lovable setzt auf langfristige Mitarbeiterbindung
Lovable ermöglicht es Nutzern, mithilfe von KI-Prompts Apps, Websites und digitale Produkte zu bauen. Das Startup wurde erst 2023 gegründet und bereits im Dezember mit 6,6 Milliarden Dollar bewertet.
„Menschen werden wertvoller, je länger sie bleiben – und sie sollten sich keine Sorgen machen müssen, ob sie eine Gehaltserhöhung bekommen oder nicht“, schrieb Anton Osika in einem X-Post, in dem er einen Screenshot von Varnas Beitrag teilte.
„Je länger jemand bei Lovable bleibt, desto besser versteht die Person das Unternehmen, trägt zur Dynamik bei und prägt die Kultur“, sagte Maryanne Caughey zu uns. Die Regelung gilt laut Caughey für alle Vollzeitangestellten, die die Leistungserwartungen erfüllen.
Digital Business & Startups
Warum ein deutsches KI-Startup jetzt verklagt wird
„KI-Steuerberater“ klingt nach Zukunft. Die Berliner Steuerberaterkammer sieht darin ein rechtliches Problem – und verklagt jetzt das Startup Accountable.
Stell dir vor, du baust ein Startup auf, alles läuft rund, und dann klopft nicht der VC an, sondern direkt die Berliner Steuerberaterkammer mit einer Klage an die Tür. Genau das ist jetzt bei Accountable passiert.
Das Steuer-Startup hat ein KI-Produkt namens „KI-Steuerberater“. Das soll Selbstständigen alles rund um Steuern leichter machen: Fragen beantworten, Belege sortieren, Steuererklärungen vorbereiten. Die Kammer sieht das kritisch. Grund: Schon der Begriff „KI-Steuerberater“ sei problematisch, weil er gegen Wettbewerbsregeln verstoßen und den geschützten Titel „Steuerberater“ berühren könnte. Auch das Produkt selbst steht in der Kritik, weil es aus Sicht der Kammer zu nah an klassischer Steuerberatung sei, ohne dass das Unternehmen dafür entsprechend zugelassen ist.
Mitgründer Tino Keller zeigt sich überrascht und sagt zu Gründerszene: Der Begriff „KI-Steuerberater“ erwecke seiner Meinung nach nicht den Eindruck eines echten Steuerberaters. „Wir sagen ja gar nicht, dass wir Steuerberater sind. Wir sagen, dass es sich um eine KI handelt“, argumentiert er.
Zwischen Gesetz und Software-Realität
Juristisch stützt sich die Kammer unter anderem auf das sogenannte Vorbehaltsrecht von Steuerberatern. Heißt: Bestimmte Aufgaben wie echte, individuelle Steuerberatung dürfen nur von entsprechend ausgebildeten und zugelassenen Profis gemacht werden.
Das Startup kontert: Diese Grenzen werden eingehalten. Man arbeite zwar mit Steuerberatern zusammen, bleibe aber bewusst aus deren Kerngeschäft raus. Die eigenen Mitarbeiter dürften keine Steuererklärungen oder klassischen Vorbehaltsaufgaben machen, solche Fälle würden direkt an Steuerberater gehen.
Gleichzeitig räumt er ein, dass sein Produkt bei komplizierteren Fällen, etwa mit Immobilien, GmbH-Anteilen oder Krypto an seine Grenzen stößt. Dann werde ein Export erstellt und an Steuerberaterpartner übergeben, die die Steuererklärung übernehmen, erklärt er. „Unser Anspruch ist, dass wir uns ans Gesetz halten. Wir haben nur eine andere Interpretation als die Steuerberaterkammer“, so Keller.
Lest auch
Dass die Kammer jetzt juristisch vorgeht, sorgt beim Startup eher für Stirnrunzeln als für Panik, vor allem weil die Software längst von tausenden Selbstständigen genutzt wird, wie Keller erzählt.
KI trifft Regulierung: Ein struktureller Konflikt
Accountable sieht die Sache nicht nur als reinen Streit um das eigene Produkt. Für Keller geht es grundsätzlich darum, wie KI in streng regulierten Bereichen überhaupt eingesetzt werden darf. „Innovation sollte man nicht verbieten. Die Frage ist vielmehr, ob sie in Deutschland vorangetrieben wird oder woanders“, sagte er uns.
Lest auch
Auch die Klage selbst könnte aus seiner Sicht ein Signal über den Einzelfall hinaus setzen. „Ich glaube auch, die Angst vor solchen Klagen bremst Innovation.“ Gleichzeitig gehe es darum, den Streit zu klären und Regeln für KI zu entwickeln: „Wir fechten das jetzt aus und danach gibt es hoffentlich eine gesellschaftliche Diskussion und Entscheidungen dazu.“
Wie sehen das andere Steuerexperten? Wir haben dafür mit Fabian Walter, besser bekannt als „Steuerfabi“ gesprochen. Auf Tiktok und Instagram folgen mehr als 1,3 Millionen Menschen seinen Beiträgen über die komplexe Welt der Steuern. „Im Kern geht es aus meiner Sicht um den Schutz des Berufsstands“, sagt Walter zu Gründerszene. Ganz falsch sei das aus seiner Sicht nicht, weil der Titel „Steuerberater“ für Qualität und Verantwortung stehe. Gleichzeitig kritisiert er aber: „Die Kammer greift ein Symptom an, nicht die Ursache. Viele Selbstständige finden keinen Steuerberater oder können sich keinen leisten.“
Dennoch mein Walter: „Die Bezeichnung KI-Steuerberater halte ich für problematisch“. Der Begriff suggeriere eine Art Berufsausübung, die eine Software nicht leisten könne. „Eine KI haftet nicht und kann dich auch nicht vor dem Finanzamt vertreten“, so seine Kritik. Besser seien Begriffe wie Steuer-KI oder KI-Steuerassistenz. Aber er denkt auch: Hätten Berufsstand und Kammer stärker an solchen KI-Lösungen mitgearbeitet, wäre der Konflikt womöglich entspannter verlaufen.
-
Künstliche Intelligenzvor 3 Monaten
Top 10: Die beste kabellose Überwachungskamera im Test – Akku, WLAN, LTE & Solar
-
Social Mediavor 2 MonatenCommunity Management und Zielgruppen-Analyse: Die besten Insights aus Blog und Podcast
-
Entwicklung & Codevor 2 MonatenCommunity-Protest erfolgreich: Galera bleibt Open Source in MariaDB
-
Künstliche Intelligenzvor 2 MonatenBlade‑Battery 2.0 und Flash-Charger: BYD beschleunigt Laden weiter
-
Künstliche Intelligenzvor 2 Monaten
Top 10: Der beste Luftgütesensor im Test – CO₂, Schadstoffe & Schimmel im Blick
-
Social Mediavor 2 MonatenVon Kennzeichnung bis Plattformpflichten: Was die EU-Regeln für Influencer Marketing bedeuten – Katy Link im AllSocial Interview
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 2 MonatenMähroboter ohne Begrenzungsdraht für Gärten mit bis zu 300 m²
-
Künstliche Intelligenzvor 2 MonateniPhone Fold Leak: Apple spart sich wohl iPad‑Multitasking
