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Was für eine Schrift! Und was für eine Geschichte! › PAGE online


12 Jahre lang arbeitete Nina Stössinger, Schweizer Typedesignerin bei der ikonischen New Yorker Foundry Frere-Jones, an der Cassis, die so persönlich wie unique ist und aus ihrem Leben, von belgischen Straßenschildern und amerikanischer Typografie erzählt.

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Diese Schrift hat eine lange Geschichte. Sie geht zurück bis ins Jahr 2014, als die Schweizer Typedesignerin Nina Stössinger, die seit 10 Jahren für die renommierte Foundry Frere-Jones Type arbeitet, ihren Abschluss im TypeMedia Programm in Den Haag gemacht hatte und anschließend nach Norwegen reiste.

Um ihre Abschlussarbeit hinter sich zu lassen, begann sie eine neue Schrift zu zeichnen. Eine geometrische Sans-Serif mit offenen und lebendigen Kurven und vertikal angeschnittenen Anschlüssen.

Sie sollte großzügig in ihren Proportionen sein, aber dennoch kompakt, einfach, klar, optimiert für größere Darstellungen. Und Nina Stössinger wollte, dass »sie handwerklich wirkt, nicht akademisch; dass sie eher Selbstbewusstsein als Eleganz ausstrahlt. Und gefühlvoller und sympathischer, als geometrische Sans-Serifs oft wirken – nicht autoritär oder kalt.«

Gestisch nahezu, direkt, frisch und fröhlich.

So begann sie eine Schrift zu entwerfen, die später die Cassis wurde.

Und sie ging ihr so von der Hand. Dass sie nicht aufhören konnte, an ihr zu arbeiten, wie sie Kolleg:innen schrieb und dass es sich so selbstverständlich anfühle, sie zu zeichnen.

Nicht glatt, sondern mit Charakter

In einem Blogpost der New Yorker Foundry Frere-Jones Type beschreibt Stössinger nicht nur, wie die Cassis entstand, sondern auch, wie generell ihre eigenen Schriften entstehen.

Dass sie dabei selten analytisch arbeitet, sondern dass sie plötzlich aus dem »großen Topf mit Buchstabensuppe« hervorstechen, der in ihrem Kopf hin- und herschwankt, voller Eindrücke der Buchstaben, die ihr auf der Straße begegnen, der vielen Fotos, die sie davon macht. Jeder, der mit ihr unterwegs sei könne ein Lied davon singen, sagt sie.

Plötzlich entstehen Verbindungen oder Muster, der Keim einer Idee melde sich zu Wort und möchte gezeichnet werden.

Deshalb hatte die Cassis auch erst den Namen »Anvers«, der französische Name von Antwerpen. Einige Jahre zuvor hatte Nina Stössinger die Stadt auf einer Art Klassenfahrt mit TypeMedia besucht – und die Straßenschilder dort ließen sie nicht mehr los.

Gerade auch, weil sie aus mehreren Generationen stammten. Die einen waren aus emailliertem Blech und mit geradlinigen, geometrischen Buchstaben versehen, andere mit vertikalen Einschnitten an den Kurvenenden. Und beide sah man immer wieder auf verschiedenen Straßenseiten.

Selbst in der Schweiz aufgewachsen, in »einer geordneten und gepflegten visuellen Umgebung, in der die serifenlosen Schriftarten so sauber sind wie die Bürgersteige und Oberflächen«, faszinierten die charaktervollen Schilder in Antwerpen umso mehr.

Haltung statt Genauigkeit

Aus diesem Hintergrund heraus entstand die Cassis als geometrische Sans-Serif-Schrift mit einer »einfachen, monolinearen Buchstabenform, bei der runde Formen ins Kreisförmige tendieren und die Proportionen zumindest so tun, als würden sie einem geradlinigen Rezept folgen«.

Die Geometrie der Cassis beschreibt Nina Stössinger als »ein wenig schief; gelebt, praktisch, abgenutzt«.

Die Haltung habe Vorrang vor der Genauigkeit. Auch deshalb sei die Cassis nur annähernd symmetrisch, die Breiten nie wirklich gemessen und die Rundungen etwas zu kantig.

Klar war von Anfang an, dass die Enden der Kurven vertikal geschnitten sind, um sie schärfer und aktiver wirken zu lassen. Den Kontrast hingegen hat sie »ein wenig weiter in Richtung mathematischer Gleichheit zwischen Horizontalen und Vertikalen getrieben als es als ausgewogen und „korrekt“ gilt« und so kein völlig glatter und monolinearer Eindruck entsteht.

Insgesamt entstand im Laufe der Arbeit das Ziel, nicht eine bestimmte Epoche heraufzubeschwören, sondern einen ganz eigenen Raum zu schaffen. Selbstbewusst und unique.

Heimweh und scharfe Enden

So sind die Kurven ein wenig »zu« aufgeblasen, die Kurvenenden gestisch und neigen dazu, ihre »ideale« Breite ein wenig zu überschreiten, und die Querbalken nehmen so viel Breite ein, wie sie können, ohne dabei »falsch« zu wirken, heißt es von ihr.

Und neben den Schildern in Antwerpen kamen dann irgendwann noch die Eindrücke aus New York hinzu, wo Nina Stössinger im Sommer 2016 mit zwei Koffern ankam, um als Senior Typeface Designerin bei Frere-Jones Type zu starten.

Dort fand sie unendliche Inspiration bei ihrer Suche nach rauer Geometrie, gleichzeitig wurde die Cassis, durch die Einflüsse der US-amerikanischen, sanfteren Typografie, deren Entwicklung nicht durch zwei Weltkriege unterbrochen wurde,» lockerer und gestischer.«

Aber auch etwas Heimweh umweht die Cassis, die jetzt erschienen ist. Und das ist in ihrem Namen zu finden, der an die Schwarzen Johannisbeeren erinnert, die in dem Garten ihrer Kindheit wuchsen und der aber gleichzeitig auch an die scharfen Enden der Schrift erinnert.

Die Cassis ist in sieben Schriftstärken erhältlich und unterstützt über 200 Sprachen. Sie deckt alle wichtigen Sprachen des lateinischen Alphabets in West-, Mittel- und Osteuropa, Nord-, Mittel- und Südamerika sowie Vietnam ab und eignet sich für Branding genau wie für Corporate Identitys oder Titeldesign.

 

 



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Koto rebrandet die Erfolgsapp Yazio › PAGE online


Statt Silhouetten schlanker Körper, Kilo-Zeichen oder einem bunten Apfel, wie er das Keyvisual von Yazio zuvor bestimmte, hat die Agentur Koto die erfolgreiche Abnehm-App jetzt mit einem fröhlichen Yeti versehen – und setzt so auf Emotion.

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Wie lässt man ein Musikmagazin Klang werden? Heartbeat zeigt es! › PAGE online


Der kanadische Verlag Broccoli ist ein Leuchtturm in Sachen Print. Regelmäßig erscheinen dort spannende und aufregend gestaltete Publikationen. Die neueste ist das Musikmagazin Heartbeat, das die Artdirektorin JJ Wright zum Klingen gebracht hat. Und sie verrät auch wie.

Wie lässt man ein Musikmagazin Klang werden? Heartbeat zeigt es! › PAGE online

Sobald etwas zu Mainstream ist, scheint Anja Charbonneau, die als Kreativdirektorin der Hipster-Bibel »Kinfolk« begann und heute in ihrem eigenen Verlag beste Print-Erzeugnisse herausbringt, das Interesse zu verlieren.

So geschah es mit ihrem ikonischen Cannabis-Magazin Broccoli, das Kiffen aus weiblicher Perspektive umkreiste. Ihr Verlag ist immer noch nach dem Gemüse benannt, aber nach sieben erfolgreichen Jahren hat sie es 2024 eingestellt. Marihuana war längst keine Subkultur mehr und Charbonneau wollte Platz für neue Projekte schaffen.

Für Magazine wie »Catnip«, das sich auf ganz eigene Weise der Katzenkultur widmet, für »Mushroom People«, für Bücher wie »Snail World« der Artists Aleia Murawski und Sam Copeland, die Schnecken in den unglaublichsten Universen inszenieren, für das Pferdemagazin »Calling All Horse Girls«, »Mildew« das sich Vintage widmet – oder jetzt eben »Heartbeat«.

Wie gewohnt ist auch das ganz nah am Zeitgeist und herrlich unique, widmet es sich Klang und Emotionen. Die Geschichten reichen dabei von Wasserplätschern über die Stille des Waldes zu dem Knistern von Hörgeräten – und Musik.

Auf Papier festgehalten, möchte Artdirektorin Jennifer James (»JJ«) Wright die Geschichten, die jeweils mit einer Mini-Playlist der jeweiligen Autor:innen versehen sind, zum Klingen bringen.

Artdirektorin Jennifer James (»JJ«) Wright

Jedes Magazin-Design eine Welt!

Schon allein diese Mini-Playlists sind eine tolle Idee. Doch wie entfernt man sich so weit wie es geht von Bandfotos und lässt das Magazin selbst Musik werden?

Artdirektorin JJ Wright entwickelt jedes Mal eine Mini-Welt, die sie im Editorial Design dann nach und nach zusammensetzt.

Für »Heartbeat« war die Erzählung, dass die Handlung in dieser Mini-Welt den 1980er Jahren spielt, in denen ein außerirdisches Bewusstsein auf die Erde gekommen ist, um deren Schönheit in Computervisuals und Elektronik übersetzen wollte.

Mit diesen Fantasien im Kopf entwarf JJ Wright erste Konzepte – und wie immer fing sie dabei mit der Typografie an und stöberte in Schriftkatalogen, um das Fundament für ihre Mini-Welt zu legen.

Orchestriertes Design

Zentral in der Gestaltung ist, dass sie, um das Magazin visuell zum Klingen zu bringen, die einzelnen Geschichten wie Orchester-Sätze voneinander abgeteilt hat – und sie jeweils durch verschiedene Texturen, Farben, Schriften und Layout-Raster mit einem anderen Ton versah.

Manchmal erinnert das Design dabei an Risodruck, ist klar, körnig und bold. Dann wieder wird es sehr lebendig, ist collagiert oder übereinander geschichtet oder wird durch verschiedene Schriften bestimmt, die an die Kalligrafie des 17. Jahrhunderts ebenso angelehnt sind wie an Eighties Hip-Hop oder an frühe Computerschriften.

Schon auf dem Cover fällt die Liebe zur Typografie auf: in der Logoschrift mit ihren herrlichen dreieckigen A’s und kugelrunden Punzen der Maxi Round von Dinamo, die sehr retro und gleichzeitig futuristisch wirkt.

Vielfältige Farben – und Töne

Die Farbpalette hingegen ist so vielfältig wie Klänge es sind, und in ihr sind sanfte Pastelltöne ebenso wie Neonfarben zu finden, Erdtöne, ein leuchtendes Retro-Orange – und alles, was dazwischen liegt.

Ganz so Musik mit ihren Zwischentönen – und wie die Musik, die JJ Wright zurzeit hört. Instrumentale Streichermusik, die von dem malischen Kora-Spieler Ballaké Sissoko, das Instrumentalalbum Echolocations des Geigers Andrew Bird zu persischer Santur-Musik reicht.

Ausklang schließlich bestimmt »On The Pulse«, der die verschiedensten kleinen Infos bereitstellt und dabei jedes Raster hinter sich lässt, sich ganz den Inhalten hingibt und, um nicht ganz in Free Jazz zu versinken, von einer definierten Farbpalette strukturiert wird.

Erhältlich ist »Heartbeat« wie auch andere Publikationen des Verlags aus Portland, Oregon, in sehr ausgewählten Buchhandlugen und auch anderen Läden – oder man kann das Magazin direkt bei Broccoli bestellen. Es hat 208 Seiten und kostet 24,95 Dollar.

 



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KI-Workflow für Designer – Schritt fur Schritt vom Briefing bis zum Ergebnis


Nicht das Tool entscheidet, wie gut du mit KI arbeitest. Der Workflow entscheidet es. Erfahre in diesem Artikel wie du KI in deinen Arbeitsablauf sinnvoll integrieren kannst.

Wer Midjourney oder ChatGPT einfach irgendwo in seinen Prozess einstreut, ohne zu wissen wo und warum, bekommt zufällige Ergebnisse.

Manchmal gut, oft nicht. Wer dagegen versteht, an welcher Stelle KI wirklich hilft und an welcher sie eher stört, der spart Zeit und kommt zu besseren Lösungen.

Dieser Artikel beschreibt einen Workflow, der sich in der Praxis bewährt hat. Nicht als starres Schema, das du 1:1 übernehmen sollst, sondern als Orientierung. Du wirst ihn an deinen eigenen Prozess anpassen. Das ist ausdrucklich erwünscht.

KI-gestütztes DesignKI-gestütztes Design
KI-gestütztes Design

Was ist ein KI-gestützter Designworkflow?

Ein KI-gestützter Designworkflow bedeutet nicht, dass KI deinen Job übernimmt. Es bedeutet, dass du KI-Tools gezielt in bestimmte Phasen deines Prozesses einbindest, während du die Kontrolle über Richtung, Entscheidungen und Qualität behältst.

Der Unterschied zum gelegentlichen Tool-Einsatz ist die Absicht. Wer ab und zu einen Prompt eintippt, wenn ihm nichts einfällt, nutzt KI als Notlösung. Wer seinen Workflow strukturiert, weiss von Anfang an:

Diese Phase beschleunige ich mit KI, diese Phase mache ich bewusst selbst, und hier prüfe ich das Ergebnis kritisch.

KI ist ein Assistent, kein Autopilot.

Diese Unterscheidung klingt einfach, wird aber im Alltag schnell verwischt. Deshalb lohnt es sich, sie am Anfang einmal klar zu formulieren.

KI-Workflow für Designer – Schritt fur Schritt vom Briefing bis zum Ergebnis 1KI-Workflow für Designer – Schritt fur Schritt vom Briefing bis zum Ergebnis 1

Phase 1: Das Briefing verstehen und schärfen

Die meisten Projekte scheitern nicht in der Ausarbeitung. Sie scheitern am Anfang, weil das Briefing unklar ist oder Fragen stellt, die niemand laut ausgesprochen hat. KI kann dir helfen, diese Lücken frühzeitig zu entdecken.

Briefings mit KI analysieren

Gib ein Briefing vollständig in ChatGPT oder Claude ein und bitte darum, Ungenaues, Widersprüchliches oder Fehlendes zu benennen. Das Ergebnis überrascht regelmässig: Fragen tauchen auf, die du sonst erst in der zweiten Projektbesprechung gestellt hättest.

Ein typischer Prompt dafür könnte so aussehen:
„Hier ist ein Projektbriefing für eine Website. Identifiziere offene Fragen, unklare Anforderungen und Punkte, die vor dem Start geklärt werden müssen.“

Mehr brauchst du nicht. Die KI liefert eine strukturierte Liste, die du im nächsten Kunden-Call direkt abarbeiten kannst.

Konzeptions Kit mit hilfreichen VorlagenKonzeptions Kit mit hilfreichen Vorlagen
Konzeptions Kit mit hilfreichen Vorlagen

Zielgruppen-Personas entwickeln

Personas entstehen oft aus Annahmen, nicht aus Fakten. KI kann dabei helfen, diese Annahmen zu schärfen und auf Plausibilität zu prüfen.

Beschreibe, was du über die Zielgruppe weisst, und lass dir Fragen stellen, die du noch nicht beantwortet hast. Kombiniert mit echten Nutzeraussagen oder Kundenfeedback, das du einspielst, entsteht eine deutlich präzisere Grundlage.

Wettbewerbsrecherche beschleunigen

Statt stundenlang durch Konkurrenz-Websites zu scrollen, kannst du KI bitten, typische Muster einer Branche zu beschreiben. Nicht als Ersatz für eigene Recherche, sondern als ersten Überblick:

  • Was sind gängige Positionierungsansätze?
  • Welche visuellen Sprachen dominieren?
  • Wo liegen offensichtliche Lücken?

Das gibt dir einen strukturierten Ausgangspunkt für die eigene Recherche.

Ein gutes Briefing ist die Hälfte des Projekts. KI hilft dir, die Fragen zu stellen, die das Briefing besser machen.

KI-Workflow für Designer – Schritt fur Schritt vom Briefing bis zum Ergebnis 2KI-Workflow für Designer – Schritt fur Schritt vom Briefing bis zum Ergebnis 2

Phase 2: Konzept und Ideenfindung

Die frühe Konzeptphase ist die Phase, in der KI am meisten bringt und gleichzeitig am stärksten in die Irre führen kann. Beides hängt davon ab, wie du sie einsetzt.

Visuelle Richtungen schnell erkunden

Früher bedeutete das Sondieren von Designrichtungen: stundenlange Moodboard-Recherche und -Erstellung, Abgleich mit Referenzprojekten, erste Skizzen. Heute kannst du mit Midjourney, Adobe Firefly oder Nano Banana in kurzer Zeit zwanzig visuelle Ansätze generieren, die unterschiedliche Stimmungen und Stile abbilden.

KI-Workflow für Designer – Schritt fur Schritt vom Briefing bis zum Ergebnis 3KI-Workflow für Designer – Schritt fur Schritt vom Briefing bis zum Ergebnis 3
Schnelle Moodboard-Richtungen dank KI.

Der Wert liegt nicht im generierten Bild selbst. Der Wert liegt darin, dass du dich schnell positionieren kannst:
Diese Richtung stimmt, diese nicht, und jene hat etwas, das ich weiterentwickeln will. Du fungierst als Kurator, nicht als Produzent.

Kreativtechniken mit KI kombinieren

Wer klassische Kreativitätstechniken kennt, kann sie direkt mit KI verknüpfen. Die SCAMPER-Methode zum Beispiel lässt sich wunderbar als Prompt-Struktur nutzen:
Substituieren, Kombinieren, Anpassen, Modifizieren, Anders verwenden, Eliminieren, Umkehren.

Bitte die KI, eine bestehende Idee durch jede dieser Linsen neu zu betrachten, und du bekommst Variationen, auf die du alleine vielleicht nicht gekommen wärst. Eine Übersicht weiterer Kreativtechniken, die auch mit KI gut funktionieren, findest du im Kreativtechniken-Artikel im Webdesign Journal.

Wann du den KI-Output verwirfst

Nicht jedes KI-Ergebnis ist ein Ausgangspunkt wert. Wenn du merkst, dass alle generierten Varianten generisch wirken, kein visueller Charakter erkennbar ist und das Ergebnis genauso gut zu zehn anderen Projekten passen würde, dann verwirfst du es und änderst den Ansatz.

Das ist keine Niederlage. Das gehört zum Prozess. KI macht Fehlversuche günstiger, nicht unmöglich.

KI-Workflow für Designer – Schritt fur Schritt vom Briefing bis zum Ergebnis 4KI-Workflow für Designer – Schritt fur Schritt vom Briefing bis zum Ergebnis 4

Phase 3: Das Design ausarbeiten

In der Ausarbeitungsphase verändert sich die Rolle von KI. Weniger Exploration, mehr gezielte Unterstützung bei konkreten Aufgaben.

Farb- und Typografiesysteme entwickeln

KI-Tools können Farbpaletten vorschlagen, die auf einem Stimmungsbild oder einer kurzen Beschreibung basieren. Das ist nützlich als Ausgangspunkt, aber selten das Endergebnis. Farbe trägt in guten Designs immer Bedeutung. Diese Bedeutung musst du selbst setzen.

Bei Typografie funktioniert ähnliches:
Beschreibe die Persönlichkeit einer Marke und lass dir Schriftkombinationen vorschlagen. Google Fonts Kombinator oder dedizierte KI-Typo-Tools liefern Vorschläge, die du dann auf ihre Eignung prüfst.

Bildinhalte generieren und vorbereiten

KI-generierte Bilder haben ihren Platz im Webdesign, aber dieser Platz ist nicht überall. Für abstrakte Hintergründe, generische Illustrationen oder schnelle Visualisierungen in Präsentation und Konzeptphase sind sie gut geeignet. Für den finalen Einsatz auf einer Unternehmenswebsite, wo Authentizität und Wiedererkennbarkeit wichtig sind, sind echte Fotos oder spezialisierte Illustrationen meist die bessere Wahl.

Kenne diesen Unterschied und kommuniziere ihn transparent gegenüber deinen Kunden.

KI-Workflow für Designer – Schritt fur Schritt vom Briefing bis zum Ergebnis 5KI-Workflow für Designer – Schritt fur Schritt vom Briefing bis zum Ergebnis 5
Die linken Bilder gehen noch durch, die rechten wirken dann wie Stockfotos, halt nur KI-generiert.

Copy und Microcopy vorformulieren

Button-Beschriftungen, Fehlermeldungen, Formular-Labels, Abschnittsüberschriften. Diese Texte schreiben Designer häufig nebenbei, ohne viel nachzudenken. KI kann hier sinnvoll entlasten: Beschreibe den Kontext, den gewünschten Ton und die Funktion des Elements, und lass dir Formulierungsvorschläge geben. Du prüfst und entscheidest. Das spart Zeit und verbessert die Qualität.

KI in Figma

Die Figma-Integration von KI-Funktionen wächst. Auto-Layout, generative Inhalte, Styling-Vorschläge und bald auch Copilot-Funktionen direkt in der Arbeitsoberfläche. Es lohnt sich, diese Entwicklung im Blick zu behalten und neue Features früh auszuprobieren. Nicht jede neue Funktion ist sofort sinnvoll im Alltag, aber wer fruehzeitig ein Gefühl dafür entwickelt, ist später im Vorteil.

KI beschleunigt die Ausarbeitung.
Aber Komposition, Konsistenz und die letzte Entscheidung bleiben bei dir.

Phase 4: Review und Qualitätskontrolle

Dieser Schritt wird im Zusammenhang mit KI selten erwähnt. Dabei ist er einer der nützlichsten.

KI als kritischer Sparringspartner

Zeig der KI dein fertiges Design, beschreibe, was du damit erreichen willst, und bitte um eine kritische Einschätzung:

  • Was könnte missverstanden werden?
  • Welche Elemente wirken unklar?
  • Wo gibt es mögliche Zugangsbarrieren?

Die KI sieht kein Bild. Sie reagiert auf deine Beschreibung. Das zwingt dich, das Design in Worte zu fassen, und allein das kann Schwächen sichtbar machen, die dir beim Betrachten nicht aufgefallen wären.

Accessibility-Checks

Farbkontraste prüfen, Alternativtexte für Bilder formulieren, Screenreader-taugliche Strukturen sicherstellen. KI kann dabei helfen, Checklisten abzuarbeiten und Alternativtexte zu formulieren. Die finale Prüfung mit echten Tools wie dem Farbkontrast-Prufer oder einem Screenreader bleibt Pflicht.

Texte gegenlesen lassen

Kurze Texte werden im Design oft vom Designer selbst formuliert und selten noch einmal prüfend gelesen. Lass die KI Tonalität, Verständlichkeit und Konsistenz prüfen. Besonders bei mehrsprachigen Projekten kann das viel Zeit sparen.

Was KI im Review übersieht

KI prüft nicht, ob ein Design zum Unternehmen passt. Sie weiss nicht, welches Gefühl ein Kunde beim ersten Sehen haben soll. Sie kennt keine Unternehmensgeschichte und keinen Marktkontext. Diese Einschätzung bleibt deine Aufgabe.

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Phase 5: Übergabe und Dokumentation

Dokumentation ist der Teil des Designprozesses, den die meisten am liebsten überspringen würden. KI nimmt ihm zumindest einen Teil der Schwere.

Technische Dokumentation erstellen

Beschreibe die wichtigsten Design-Entscheidungen und lass dir eine strukturierte Dokumentationsvorlage daraus entwickeln. Abstands- und Grössenregeln, Farbsystem, Schrifthierarchie, Komponentenverhalten. Das Grundgerüst kann KI liefern, du füllst es mit den spezifischen Inhalten deines Projekts.

Styleguide-Texte formulieren

Erklärende Texte in Styleguides sind oft trocken und schwer verständlich. KI kann helfen, diese Texte klarer und lesbarer zu machen. Beschreibe, für wen der Styleguide gedacht ist und welchen Wissensstand du voraussetzt, dann lass dir die Formulierungen vorschlagen.

Kundenpräsentation vorbereiten

KI kann dir dabei helfen, eine schlussige Argumentationslinie für die Präsentation zu entwickeln. Welche Designentscheidung braucht welche Erklärung? Welche Fragen stellt ein Kunde typischerweise? Wie formulierst du einen Konzeptansatz so, dass er verständlich und überzeugend ist, ohne zu technisch zu werden?

Die Präsentation selbst, die Dramaturgie, der Aufbau, das Timing, das bleibt deine Aufgabe. Aber die Vorbereitung geht schneller.

Welches Tool für welchen Schritt

Eine vollständige Tool-Übersicht würde diesen Artikel sprengen. Die folgende Tabelle zeigt einen praxisnahen Einstieg.

Phase Tools (Auswahl) Hauptnutzen
Briefing ChatGPT, Claude, Gemini, Perplexity Lücken aufdecken, Fragen generieren
Design-Konzept Midjourney, Firefly, Nano Banana Visuelle Richtungen explorieren
Ausarbeitung Figma AI, ChatGPT, Claude, Typo-Tools Variationen, Copy, Systeme
Review ChatGPT, Claude, Contrast Checker Sparringspartner, A11y-Checks
Dokumentation ChatGPT, Claude, Notion AI Struktur, Formulierungen, Klarheit

Fehler, die sich leicht vermeiden lassen

Wer KI neu in seinen Workflow integriert, macht ähnliche Fehler. Die gute Nachricht: Die meisten sind schnell erkannt und schnell behoben.

  • Zu früh auf den KI-Output verlassen. Wer in der Konzeptphase den ersten visuellen Vorschlag direkt weiterentwickelt, ohne breiter zu erkunden, verschenkt das grösste Potential von KI. Erst Breite, dann Tiefe.
  • Prompts zu vage formulieren. „Mach etwas Modernes“ liefert generische Ergebnisse. Je konkreter die Beschreibung, desto nützlicher die Ausgabe. Zielgruppe, Stimmung, Kontext, Einschränkungen, all das gehört in einen guten Prompt.
  • KI-Ergebnisse unreflektiert übernehmen. Ein KI-generiertes Bild, das gut aussieht, ist kein fertiges Design. Es ist ein Ausgangspunkt. Die Entscheidung, ob es geeignet ist, triffst du.
  • Den Kunden aus dem Prozess verlieren. Wer mit KI schneller wird, läuft Gefahr, weniger rückzufragen. Kundenfeedback und echte Nutzerperspektiven lassen sich nicht durch KI ersetzen.
  • KI als Beweis behandeln. „Die KI hat gesagt, das ist gut“ ist kein Argument. KI ist ein Werkzeug ohne Urteilsvermögen. Die Verantwortung für das Ergebnis liegt bei dir.

Schneller werden ist das eine. Besser werden ist das andere. Mit einem guten KI-Workflow kannst du beides erreichen.

Fazit

Ein guter KI-Workflow macht dich nicht zum Automatisierer. Er macht dich zu einem Designer, der weiss, wo seine Zeit und Energie am meisten bringen, und wo Maschinen die Routinearbeit übernehmen können.

Der Schlüssel ist Struktur. Nicht jeder Schritt im Designprozess profitiert gleich stark von KI. Wer das versteht, setzt KI gezielt ein statt wahllos. Das spart nicht nur Zeit, es verbessert auch die Qualität der Ergebnisse.

Fang mit einer Phase an. Nicht mit fünf gleichzeitig. Such dir die Phase aus, in der du gerade den grössten Zeitaufwand hast, und experimentiere dort. Wenn das funktioniert, erweiterst du den Ansatz Schritt für Schritt.

Weiterführende Artikel

KI-Kompass für Designer – Strategie, Workflow und Tätigkeiten im Überblick
Prompting für Kreative – So sprichst du mit der KI, damit sie dich versteht
Designprozess neu gedacht – Kreativität, Struktur und die Rolle der KI
Kreativitätstechniken – Klassische Methoden, die auch mit KI funktionieren



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