Künstliche Intelligenz
Waymo in London: Der ultimative Härtetest fürs autonome Fahren
Ein Vorhaben aus dem Hause Google gleicht einer globalen Reifeprüfung: Die Stadtverwaltung von London arbeitet seit Jahrzehnten mit Nachdruck daran, die Anzahl der Autos in der Innenstadt zu reduzieren. Doch Waymo schickt nun just dort eine neue Flotte auf die Straße. Die Google-Tochter, die in zehn US-Städten bereits zum urbanen Bild gehört, hat mit der detaillierten Kartierung der britischen Metropole begonnen.
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Ein Pilotprojekt im Frühjahr soll den Weg für einen öffentlichen Rollout noch in diesem Jahr ebnen. Für Waymo steht dabei mehr auf dem Spiel als nur ein neuer Markt. Da in ganz Europa bisher kein kommerzieller Robotaxi-Dienst existiert, fungiert London als Testbett und prestigeträchtige Bühne. Bestehe die Technologie hier, schreibt Politico in seinem Newsletter Forecast, beschleunige das die Expansion selbstfahrender Shuttles auf den gesamten Kontinent.
Die Herausforderung ist groß: London ist kein gewöhnliches Pflaster für autonome Systeme. Bisherige Einsätze außerhalb der USA oder Chinas fanden oft unter vergleichsweise einfachen Bedingungen statt, etwa auf den breiten, modernen Boulevards in Golf-Staaten oder in Singapur. Die britische Hauptstadt ist dagegen ein historisch gewachsenes Labyrinth.
Was für menschliche Fahrer lediglich eine Umstellung beim Lenken bedeutet, scheint für die KI zunächst auch nur ein kleiner neuer Teil der Gleichung zu sein. Die wahre Schwierigkeit liegt Politico zufolge aber in der Unvorhersehbarkeit der über Jahrhunderte gewachsenen Infrastruktur. Es gibt dort kein strenges Schachbrettmuster wie in San Francisco. Stattdessen münden im Mittelalter angelegte Gassen in unübersichtliche Kreisverkehre. Lieferfahrräder tauchen an Stellen auf, die keine Simulation perfekt vorhersehen kann. Zudem fehlen strikte Gesetze gegen das unachtsame Überqueren der Fahrbahn durch Fußgänger, was die Komplexität der Grenzfälle weiter erhöht.
Mittelalterliche Anlage als digitale Herausforderung
Waymo begegnet diesem Chaos mit einem stufenweisen Ansatz. Der Google-Ableger setze auf manuelles Mapping, überwachte Testfahrten und spezielle Fahrten für Mitarbeiter, heißt es bei Politico. Dieses Verfahren solle helfen, Erfahrungen aus über 200 Millionen gefahrenen Meilen in den USA zu ergänzen. Die Firma hoffe zudem auf Synergieeffekte: Die Navigation durch den dichten Nebel San Franciscos etwa könne sich direkt auf Londoner Wetterverhältnisse übertragen lassen. Zudem liefere die Kartenerstellung in Tokio bereits wertvolle Erkenntnisse außerhalb der US-Infrastruktur.
Dennoch bleibt London ein Unikum. In den USA ist das Auto oft Teil der Identität der Bürger. In London verfolgt die Politik dagegen das Ziel, 80 Prozent aller Wege ohne Auto zurückzulegen. Kritiker geben zu bedenken, dass fahrerlose Autos ohne Passagiere die verhassten Staus sogar noch verschlimmern könnte. Waymo hält dagegen und positioniert sich als Partner der Stadtplanung. Im Vordergrund stehe, Lücken im öffentlichen Nahverkehr zu schließen und die Verkehrssicherheit zu erhöhen.
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Gerade beim Thema Sicherheit legt das Unternehmen Wert auf Transparenz und veröffentlicht seine Daten regelmäßig. Das gilt auch als Seitenhieb gegen die verschwiegenere Konkurrenz aus China mit Konkurrenten wie Baidu. Doch die Messlatte in Großbritannien liegt hoch, da das Land bereits zu den sichersten Verkehrsräumen der Welt gehört. Politisch hat die britische Regierung mit dem Automated Vehicles Act – vergleichbar zu Deutschland – zwar bereits einen rechtlichen Rahmen für autonomes Fahren geschaffen. Aber viele Detailbestimmungen sollen erst 2027 finalisiert sein – lange nach dem vorgesehenen Start der Waymo-Autos.
Rechtssicherheit trifft auf verstopfte Straßen
Der Erfolg in London wird zudem maßgeblich davon abhängen, wie die Stadt den menschlichen Faktor einberechnet. Als Uber vor über zehn Jahren startete, zog die Plattform viele Migranten und Geringverdiener an, die auf bessere Bezahlung hofften. Heute klagen Gewerkschaften über Stundenlöhne weit unter dem Mindestniveau. Die Angst vor einer Flotte, die keine Ruhezeiten benötigt, schürt in diesem Umfeld weitere soziale Spannungen.
So fehlen Konzepte für den Übergang der rund 120.000 Mietwagenfahrer, deren Existenz durch die Automatisierung bedroht ist. Zudem trifft die neue Technik auf eine gespaltene Landschaft aus App-Fahrern und traditionellen Besitzern von Taxis, den sogenannten Black Cabs. Wie London diesen Konflikt löst, könnte zur Blaupause für andere europäische Metropolen wie Berlin, Paris oder Madrid werden, in die ebenfalls Robotaxis einziehen sollen. In London entscheidet sich so nicht nur, ob die KI mit engen Kurven klarkommt, sondern ob sie einen Platz in europäischen urbanen Zentren findet.
(nen)
Künstliche Intelligenz
Satellitenbilder-Stopp: Planet Labs folgt Aufforderung der US-Regierung
Das Unternehmen Planet Labs stellt aufgrund einer Aufforderung der US-Regierung mit Verweis auf den Iran-Krieg die Veröffentlichung aktueller Satellitenaufnahmen aus dem Nahen Osten weitestgehend ein. Das berichteten unter anderem die „New York Times“ und das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf eine E-Mail des US-Anbieters an dessen Kunden. Aufnahmen sollen demnach bis auf Weiteres nur noch in Einzelfällen freigegeben werden. Die Einschränkung gelte unter anderem für den Iran sowie die betroffenen Staaten rund um den Persischen Golf.
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Unter anderem Journalisten und Forscher nutzen solche Satellitenaufnahmen, um zum Beispiel die Folgen von Angriffen in der Region oder die Bewegung von Schiffen zu dokumentieren. Die Aufnahmen sind vor allem hilfreich für Gebiete, die sonst schwer zugänglich sind – sei es wegen laufender Kampfhandlungen, ihrer Lage oder Beschränkungen durch die örtlichen Behörden. Inzwischen gehen die iranischen Behörden auch massiv gegen Satelliteninternet-Terminals vor, um den Informationsfluss zu kontrollieren.
Planet Labs hatte die Veröffentlichung von Aufnahmen aus der Region nach Beginn des Iran-Kriegs vor gut fünf Wochen bereits aus Sicherheitsgründen verzögert. Auch das Konkurrenzunternehmen Vantor habe die Veröffentlichung von Satellitenaufnahmen aus der Region bereits eingeschränkt, hieß es in den Berichten weiter. Die US-Regierung befürchtet, dass aktuelle Satellitenaufnahmen Gegnern wie dem Iran für deren Angriffe nutzen könnten.
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(nen)
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10 Jahre HTC Vive: Vom gescheiterten Smartphone-Pionier zum VR-Vorreiter
Als HTC Anfang der 2010er-Jahre zunehmend an Bedeutung im Smartphone-Geschäft verlor, stand das taiwanesische Unternehmen vor einer grundlegenden Neuausrichtung. 2011 hielt HTC noch rund 14 Prozent Marktanteil, doch wenige Jahre später war davon kaum etwas übrig. Apple und Samsung festigten ihre Vorherrschaft, chinesische Hersteller fluteten den Markt und interne Fehlentscheidungen sowie eine unklare Produktstrategie führten zu einem drastischen Absturz. In dieser Phase begann für HTC die Suche nach neuen Geschäftsfeldern. Virtual Reality rückte gerade wieder in den Fokus der Tech-Welt.
Innerhalb des Unternehmens wuchs die Überzeugung, dass VR eine Chance bot, sich in einem noch wenig besetzten Technologiebereich neu zu positionieren. Als HTCs damalige Chefin Cher Wang den strategischen Wandel absegnete, legte sie den Grundstein für das „Viverse“, das HTCs XR-Ambitionen bündeln sollte. Doch ohne einen starken Partner hätte HTC diese Transformation wohl nicht geschafft.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „10 Jahre HTC Vive: Vom gescheiterten Smartphone-Pionier zum VR-Vorreiter „.
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Künstliche Intelligenz
iX-Workshop: Einführung in die Software-Architektur
Eine durchdachte Softwarearchitektur ist unerlässlich, um hohe Qualitätsanforderungen zu erfüllen und die Komplexität moderner Anwendungen beherrschbar zu machen. In der schnelllebigen IT-Welt kommt dabei den Software-Architekten eine Schlüsselrolle zu. Sie müssen nicht nur über technologische, sondern auch über kommunikative und unternehmerische Fähigkeiten verfügen.
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Der zweitägige Workshop Einführung in die Softwarearchitektur führt Sie Schritt für Schritt in die zentralen Aspekte der Software-Architektur ein. Sie erfahren, wie Sie aus Anforderungen systematisch eine tragfähige Architektur ableiten. Anhand von Übungen und Best Practices lernen Sie zentrale Entwurfsprinzipien kennen. Darüber hinaus vermittelt der Workshop Maßnahmen zur Qualitätssicherung über den gesamten Lebenszyklus eines Softwaresystems. Weitere Themen sind Architekturbewertung, DevOps, Microservices sowie die Rolle der Kommunikation.
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Juni 01.06. – 02.06.2026 |
Online-Workshop, 09:00 – 17:00 Uhr 10 % Frühbucher-Rabatt bis zum 04. Mai 2026 |
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Oktober 19.10. – 20.10.2026 |
Online-Workshop, 09:00 – 17:00 Uhr 10 % Frühbucher-Rabatt bis zum 21. Sep. 2026 |
Aktive Mitarbeit und praktische Anwendung
In Übungen wenden Sie Ihr neu erworbenes Wissen direkt an, diskutieren Fallbeispiele und erarbeiten Lösungsansätze. Der erfahrene Trainer Marwan Abu-Khalil stellt dabei stets den Bezug zur Praxis her und geht auf Ihre individuellen Fragen ein.
Durch den Workshop führt Marwan Abu-Khalil, ein erfahrener Senior Software-Architekt der Siemens AG. Herr Abu-Khalil ist auf parallele und verteilte Systeme spezialisiert und gibt sein Wissen regelmäßig in Konferenzvorträgen und Seminaren weiter. Er ist auch Ausbilder für zertifizierte Softwarearchitekten bei Siemens.
Der Workshop richtet sich sowohl an Softwareentwickler und Softwarearchitekten, die ihr Vorgehen auf eine solide Basis stellen wollen, als auch an Entscheider, die einen Einblick in das Zusammenspiel von Business, Technologie und Architektur gewinnen wollen. Erfahrung in Softwareprojekten wird vorausgesetzt.
(ilk)
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