Künstliche Intelligenz
OpenAI beschreibt seine Mission neu: Weniger AGI, mehr Machtfrage
Eine echte allgemeine Künstliche Intelligenz (Artificial General Intelligence, AGI), die die Menschen in vielem übertrifft, soll allen nützen – so hatte es sich OpenAI im Jahr 2018 in seine Charter geschrieben. Jetzt, im Jahr 2026, legt das Unternehmen nach und zeigt sich gereift: Der Ton, den CEO Sam Altman in den am Sonntag veröffentlichten Principles anschlägt, ist persönlicher, versöhnlicher, aber auch politischer: Das neue Papier soll erkennbar nicht nur Ängsten vor einer zukünftigen AGI begegnen. Es greift auch Themen auf, bei denen OpenAI und andere KI-Entwickler heute schon in der Kritik stehen.
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So positioniert sich OpenAI in dem neuen Papier gegen die Konzentration von Macht auf wenige Unternehmen. Stattdessen ist von Demokratisierung und Dezentralisierung die Rede. Altman räumt allerdings ein, dass OpenAI heute eine viel größere Kraft in der Welt sei als noch vor wenigen Jahren.
OpenAI verteidigt massiven Infrastruktur-Ausbau
Zugleich verteidigt er den massiven Ausbau der eigenen Infrastruktur. Der Aufbau riesiger KI-Rechenzentren, hoher Energiebedarf und milliardenschwere Investitionen in Hardware mögen auf den ersten Blick im Widerspruch zu einer dezentralen Zukunft stehen, deutet Altman an. Aus Sicht des Unternehmens seien sie jedoch Voraussetzung dafür, leistungsfähige KI überhaupt in großem Maßstab verfügbar zu machen.
Auffällig ist auch, wie stark OpenAI den wirtschaftlichen Nutzen von KI betont. Die neuen Principles stellen „universellen Wohlstand“ in Aussicht – also eine Zukunft, in der Produktivitätsgewinne durch KI möglichst vielen Menschen zugutekommen sollen. Damit rückt das Unternehmen stärker soziale und ökonomische Fragen in den Mittelpunkt: Wer profitiert von Automatisierung? Wie werden neue Werte verteilt? Und welche Rolle sollen Staaten dabei spielen? Diese Fragen stellt auch die Boykott-Kampagne QuitGPT: Sie kritisiert OpenAIs enge Verflechtung mit der US-Politik und fordert Konsequenzen.
AGI als heiliger Gral wird entschärft
Im Vergleich zur Charter von 2018 verschiebt sich damit der Schwerpunkt. Damals standen vor allem Sicherheit, langfristige Risiken und die verantwortungsvolle Entwicklung einer AGI im Vordergrund. Nun beschreibt OpenAI KI stärker als Werkzeug, das bereits heute gesellschaftliche Strukturen verändert – von Arbeit über Bildung bis Verwaltung. Wie weit KI als Werkzeug bereits reicht, zeigt etwa GPT-5.5, das OpenAI explizit als agentenähnlich arbeitendes Modell für Softwareentwicklung, Recherche und Datenanalyse positioniert. Die AGI als der heilige Gral wird damit rhetorisch entschärft. Zugleich zeigt OpenAI an, dass es mehr die Regeln des heutigen KI-Zeitalters mitgestalten will. Das Unternehmen entfernt sich damit aus der rein technologischen Ecke und strebt eine gesellschaftspolitische Rolle an. Intern spiegelt sich das auch in der umgebauten Führungsstruktur wider, mit der Altman Forschung und globales Wachstum enger verzahnt.
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Für Kritiker dürfte das neue Papier dennoch Fragen offenlassen. Denn ausgerechnet OpenAI selbst zählt inzwischen zu den mächtigsten Unternehmen der Branche, eng verflochten mit Großinvestoren und auf enorme Rechenkapazitäten angewiesen. Das Bekenntnis gegen Machtkonzentration könnte daher auch als Reaktion auf wachsenden politischen Druck und drohende Regulierung gelesen werden. Altman hatte sich bereits früher für eine internationale KI-Regulierung ausgesprochen.
(mki)
Künstliche Intelligenz
KI-Enkeltrick und Deepfakes: Interpol warnt vor verschärfter Betrugswelle
Europa ist zum primären Ziel einer weltweiten Betrugswelle geworden. Laut dem „Global Financial Fraud Threat Assessment 2026“ von Interpol verzeichnete keine andere Region einen so starken Anstieg bei Betrugsmaschen: ein Plus von 69 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auslöser ist eine Kombination aus relativem Wohlstand und einer alternden Gesellschaft, die Kriminelle mit einer vergleichsweise neuen Waffe ins Visier nehmen: Künstlicher Intelligenz.
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Nick Court, leitender Beamter der City of London Police und Vize-Direktor bei Interpol, warnt im Gespräch mit Euractiv vor der neuen Qualität solcher Angriffe. Früher galt die Faustregel, dass man bei angekündigten, dann aber doch nicht erfolgenden Videoanrufen skeptisch werden sollte. „Das funktioniert heute nicht mehr.“
Dank KI könnten Täter Gesichter und Stimmen in Echtzeit klonen. Zehn Sekunden Audiomaterial aus sozialen Medien genügten oft, um eine täuschend echte Kopie eines Angehörigen zu erstellen. Die Hemmschwelle, Geld zu überweisen, sinkt rapide, wenn am Telefon scheinbar der eigene Enkel um Hilfe fleht.
Auch linguistische Barrieren fallen. Während Betrüger früher oft an mangelnden Sprachkenntnissen scheiterten, ermöglichen KI-Übersetzungstools heute eine fehlerfreie Kommunikation in fast jeder Mundart. Das führt zu einer Professionalisierung, die Abzocke zu einer regelrechten Industrie gemacht hat. Interpol schätzt die weltweiten Verluste durch Finanzbetrug allein für 2025 auf 442 Milliarden US-Dollar.
Appell an Mitgefühl
Die wichtigste Forderung von Court und Interpol bezieht sich aber nicht auf die Technik, sondern die gesellschaftliche Reaktion auf solche Taten: Eine Stigmatisierung der Opfer dürfe nicht erfolgen. Das Narrativ, jemand sei „darauf reingefallen“, schiebe die Schuld fälschlicherweise den Betrogenen zu. „Wir sagen auch nicht, dass Opfer von Sexualstraftaten auf etwas reingefallen sind“, erläutert Court.
Die sonst entstehende Scham führt dazu, dass viele Taten nicht angezeigt werden. Das erhöht die Dunkelziffer und behindert Ermittlungen. In manchen europäischen Ländern macht Betrug bereits bis zu 40 Prozent aller Straftaten aus. Eine „mitfühlende Antwort“ der Behörden und Angehörigen ist laut Interpol essenziell, um die Meldebereitschaft zu erhöhen.
Hybrid-Betrug und industrielle Ausbeutung
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Hinter den täuschend echten Profilen stecken oft keine Einzeltäter, sondern organisierte Netzwerke. Ein Trend ist der „Hybrid-Betrug“. Oft beginnt es mit „Romance Fraud“, dem Aufbau einer scheinbaren Liebesbeziehung. Ist das Vertrauen gewonnen, wird das Opfer in Investmentbetrug verwickelt – etwa durch vermeintlich lukrative Krypto-Tipps. Wenn das Opfer nicht mehr zahlen kann, schlägt die Falle zu: Die Täter nutzen zuvor ausgetauschte intime Informationen für Sextortion, die Erpressung mit der Veröffentlichung privater Bilder.
Interpol beschreibt die Anlage von „Scam-Centern“ in Südostasien und Westafrika. Viele der dort tätigen Mitarbeiter sind selbst Opfer von Menschenhandel und werden gezwungen, Betrugskampagnen durchzuführen. Angesichts dieser industriellen Dimension drängt Court auf mehr Verantwortung von Tech-Plattformen. Diese hätten die Rechenleistung, um verdächtige Muster und Deepfakes zu identifizieren, bevor sie Schaden anrichten können.
Trotz KI-Aufrüstung gibt es Warnsignale. Der Fokus sollte laut Interpol weniger darauf liegen, wer jemanden kontaktiert, sondern was verlangt wird. Künstliche Dringlichkeit, Forderungen schneller Überweisungen oder das Gebot, über den Kontakt Stillschweigen zu bewahren, seien typische Anzeichen. Das gesunde Misstrauen gegenüber ungewöhnlichen Verlangen bleibe wichtigste Verteidigungslinie.
Der Interpol-Bericht verdeutlicht, dass der Erfolg dieser Betrugsmaschen auf einer hochgradig arbeitsteiligen Unterwelt basiert. Ein Faktor sei die Zunahme von „Fraud-as-a-Service“-Modellen.
Professionelle Gruppen verkaufen fertige Deepfake-Baukästen und gestohlene Datensätze aus Lecks der Vorjahre an weniger spezialisierte Kriminelle. Besorgniserregend sei auch die Geschwindigkeit, mit der erbeutete Gelder gewaschen würden. Über dezentrale Finanzplattformen und „Chain-Hopping“-Techniken verschleierten die Täter die Herkunft der Gelder. Die Regulierung von Krypto-Assets und Identifizierungspflichten auf Social Media blieben hinter der technologischen Raffinesse der Betrüger zurück.
(wpl)
Künstliche Intelligenz
Meta sichert sich Solarstrom aus dem All
Künstliche Intelligenz (KI) benötigt viel Strom, und die großen Player suchen nach Möglichkeiten, ihren Energiebedarf zu decken. Eine Möglichkeit ist Atomenergie. Der Facebook-Konzern Meta will daneben künftig auch Solarstrom einsetzen, aber nicht von der Erde.
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Meta will künftig im Weltall erzeugten Solarstrom von dem US-Start-up Overview Energy beziehen, wie das Unternehmen bekannt gegeben hat. Entsprechend der zwischen beiden Partnern getroffenen Vereinbarung soll Meta frühzeitig Zugang zu dem Weltraum-Solarenergiesystem von Overview Energy bekommen.
„Der Weltraum wird zu einem Teil der US-Energieinfrastruktur“, sagte Overview-Energy-Chef Marc Berte. „Unser Ansatz bei der Solarenergie aus dem Weltraum ermöglicht es Hyperscalern und Technologieanbietern, sich sauberen Strom durch zuverlässige Standortwahl und schnelle Inbetriebnahme zu sichern.“
Overview Energy, ESA und Caltech arbeiten an SBSP
Overview Energy entwickelt ein System, das Solarstrom im All erzeugen und dann drahtlos zur Erde übertragen soll. Space-based Solar Power (Weltraumgestützte Solarenergie, kurz: SBSP) heißt das Konzept, an dem auch andere arbeiten, darunter die Europäische Raumfahrtagentur ESA und das California Institute of Technology.
Overview Energy will Satelliten ins All schießen, die mit Solarpaneelen ausgestattet sind, die das Sonnenlicht in Strom wandeln. Mit dem Strom will das Unternehmen Laserlicht im nahen Infrarotspektrum erzeugen. Über eine spezielle Optik soll das Licht dann auf die Erde geschickt werden, auf Solaranlagen, damit diese auch bei Dunkelheit Strom liefern können.
Die Satelliten sollen in einem geosynchronen Orbit (GSO) positioniert werden, etwa 36.000 Kilometer über der Erde. In dieser Höhe können die Solarpaneele auf den Satelliten rund um die Uhr Strom erzeugen. Die Satelliten verfügen über Konzentratoren, die das Sonnenlicht auf die Photovoltaikmodule reflektieren, um den Wirkungsgrad zu erhöhen. Eine Ansammlung mehrerer Satelliten kann nach Unternehmensangaben verschiedene Solaranlagen auf der Erde versorgen.
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Im November vergangenen Jahres hat Overview Energy erstmals die Energieübertragung per Laser mit einer Cessna Caravan getestet. 2028 plant das Unternehmen einen Test des SBSP-Systems im Orbit. Der kommerzielle Einsatz soll 2030 starten.
(wpl)
Künstliche Intelligenz
Google Cloud zieht bei KI-Kosten die Notbremse
Google Cloud erweitert sein FinOps-Portfolio um neue Funktionen für KI-Workloads. Im Zentrum stehen automatisierte Spend Caps, die Budgetgrenzen aktiv durchsetzen, sowie ein neuer FinOps Explainability Agent, der Kostentreiber eigenständig analysiert. Damit will Google die Kontrolle über schwer kalkulierbare KI-Kosten verbessern und den Aufwand für deren Analyse senken.
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Hintergrund ist, dass KI-Workloads die Kostenstrukturen in der Cloud verändern. Statt relativ stabiler Lastprofile entstehen stark schwankende Kosten – etwa durch variable Token-Nutzung, unterschiedliche Modellpreise oder den Einsatz spezialisierter Hardware wie GPUs und TPUs. Klassische FinOps-Werkzeuge liefern hier zwar Berichte und Warnungen, greifen aber nicht direkt in den laufenden Betrieb ein.
Spend Caps stoppen API-Verkehr automatisch
Diese Lücke sollen die neuen Spend Caps schließen, die Google zunächst in einer Private Preview anbietet. Administratoren können damit Budgets auf Projektebene festlegen, die das System automatisch durchsetzt. Erreicht ein Projekt das Limit, warnt Google Cloud zunächst und pausiert anschließend den API-Verkehr. Die zugrunde liegenden Ressourcen bleiben dabei erhalten. Wer den Betrieb fortsetzen will, passt das Spend Cap an oder hebt es auf. Unterstützt werden zunächst Google AI Studio, die Gemini Enterprise Agent Platform als Weiterentwicklung von Vertex AI, Cloud Run, Cloud Run Functions sowie die Maps APIs.
Der Nutzen zeigt sich vor allem bei experimentellen KI-Workloads. Ein fehlerhafter Prompt-Loop oder eine unoptimierte Inferenz-Pipeline kann innerhalb kurzer Zeit Millionen API-Aufrufe und entsprechend hohe Kosten verursachen. Spend Caps greifen in solchen Fällen automatisch ein, ohne dass ein Mensch händisch reagieren muss.
Explainability Agent analysiert Kostentreiber
Ergänzend führt Google den FinOps Explainability Agent ein, der direkt in das Billing-System integriert ist. Der Agent analysiert eigenständig, welche Faktoren die Kosten von KI-Workloads treiben, und liefert Auswertungen auf Zuruf. Nutzer können zum Beispiel fragen, wie sich die Kosten zwischen Gemini 1.5 Pro und Gemini 1.5 Flash verteilen, welche API-Keys besonders teuer sind oder wie hoch der Anteil von Input- und Output-Tokens an den Gesamtkosten ausfällt.
Solche Auswertungen sind nötig, weil sich KI-Kosten zwar formal als Produkt aus Menge und Preis beschreiben lassen, die Einflussgrößen aber stark fragmentiert sind. Neben dem Request-Volumen spielen Token-Zahlen, Fehlerraten, Speicherzugriffe und Modellwechsel eine Rolle. Der Explainability Agent korreliert diese Faktoren automatisch und soll so die Ursachenanalyse beschleunigen – etwa bei unerwarteten Kostenanstiegen oder zur Bewertung des Return on Investment einzelner KI-Projekte.
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Mehr Transparenz bei Billing und Verträgen
Daneben kündigt Google erweiterte Billing-Hierarchien und ein Reporting für Vertragszusagen an. Die neuen Hierarchien sollen Ausgaben über mehrere Abrechnungskonten hinweg zusammenführen, einschließlich sogenannter Other Eligible Services – also zusätzlicher Produktfamilien, die Google in Enterprise-Verträgen neben den eigentlichen Cloud-Diensten berücksichtigt, etwa Apigee, AppSheet, Looker, Workspace-Produkte, Mandiant oder VirusTotal. Das ebenfalls zunächst als Private Preview angekündigte Commitment Reporting soll zudem sichtbar machen, wie schnell Kunden ihre Commitments innerhalb eines Enterprise Agreements verbrauchen.
Der FinOps Explainability Agent steht laut Googles Ankündigung bereits in der Cloud Console bereit. Spend Caps sowie die erweiterten Billing- und Reporting-Funktionen sind zunächst nur in einer Private Preview verfügbar, für die sich Kunden anmelden können.
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